Debatte

Ein fast perfektes Verbrechen gegen demokratische Standards

Wer Demokratie schützen will, darf Desinformation nicht selbst zum Werkzeug machen. Sonst beschädigt er genau das, was er verteidigen will.

Dirk Jehmlich
Dirk Jehmlich
14 Min
Wer mit Desinformation auf andere zielt, trifft am Ende die Demokratie selbst.

Wer mit Desinformation auf andere zielt, trifft am Ende die Demokratie selbst.

© Ostdeutsche Allgemeine

Am 7. April 2026 lässt sich bei Wikipedia fast lehrbuchartig beobachten, wie Menschen und Institutionen manipuliert und andere diffamiert werden. Tat und Täter bleiben beinahe unentdeckt.

Um 11.14 Uhr ergänzt der Wikipedia-Nutzer „Kassler Bergbewohner“ den Artikel über die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung um 1776 Bytes. Sein Kommentar: „‚Verhältnis‘ zu anderen Medien eingefügt und ‚Geschichte‘ sortiert“.

Um 12.08 Uhr folgen weitere 1170 Bytes: „weitere rezeption“.

Um 12.41 Uhr wechselt er zum Wikipedia-Artikel über Holger Friedrich und ergänzt 4384 Bytes: „Rechtsdrall eingefügt und bequellt.“

Um 13.26 Uhr ist wieder die OAZ dran. Weitere 1771 Bytes: „Aufbau und Inhalte“.

Innerhalb von gut zwei Stunden entsteht so bei Wikipedia ein ziemlich klares Bild von Holger Friedrich und seiner neuen Zeitung.

Was genau wurde da eingefügt?

Ein Autor, sechs Medien

Die Vorgeschichte beginnt mit Matthias Meisner: freier Journalist und Buchautor, Mitglied der Bundespressekonferenz und des Deutschen Journalisten-Verbandes, regelmäßig Autor in linken Medien. Er arbeitete im „Gegneranalyse“-Projekt des Zentrums Liberale Moderne und veröffentlicht im Verlag der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Am 9. Februar 2026 veröffentlicht Meisner in der taz einen kritischen Artikel über die Einstellung von Florian Warweg als Parlamentskorrespondent der OAZ.

Am 16. Februar folgt im Magazin Journalist „Ostidentitäre Bewegung im Medienmarkt“.

Am 17. Februar schreibt er bei M – Menschen Machen Medien von Verdi über die OAZ.

Am 19. Februar, einen Tag vor der ersten gedruckten OAZ, veröffentlicht er beim Volksverpetzer „Was wirklich hinter der Ostdeutschen Allgemeinen steckt“. Die Zeitung ist noch nicht einmal erschienen. Meisner spricht bereits von einem Propagandaprojekt und endet mit dem Gegensatz zwischen jenen, „die sich für Demokratie einsetzen“, und jenen, „die sich von ihr abwenden“.

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Am 20. Februar beschäftigt sich Ralf Heimann in der MDR-Kolumne „Altpapier“ mit der Zeitung. Er zitiert Meisners Texte beim DJV-Magazin Journalist, bei Verdi und beim Volksverpetzer.

Am 21. Februar folgt eine eigenständige Rezension von Anne Fromm und David Muschenich in der taz. Auch dort wird auf Meisner verwiesen.

Am 6. März veröffentlicht Meisner beim Volksverpetzer einen weiteren Text, diesmal einen Vergleich von OAZ und Nius.

Im April folgt in den Blättern für deutsche und internationale Politik der Essay „Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert“. Meisners Schluss: Hinter Friedrichs Freiheitsverständnis verberge sich „Freiheit für Demokratiefeinde“.

Für Leser sieht das nach einer breiten Debatte aus: taz – Journalist – Verdi – Volksverpetzer – MDR – Blätter.

Schaut man auf die Autoren, sieht es anders aus. Ein großer Teil der Texte stammt von Matthias Meisner. Daran ist nichts Verwerfliches, aber mehrere Veröffentlichungen desselben Autors sind nicht automatisch mehrere voneinander unabhängige Feststellungen. Genau das ist für Wikipedia wichtig.

Die Wikipedia-Qualitätsstandards

Wikipedia schreibt: „Erst wenn verschiedene, voneinander unabhängige Quellen übereinstimmen, kann von einer zuverlässigen Darstellung ausgegangen werden.“

Bei Quellen, deren Neutralität zweifelhaft sein kann, nennt Wikipedia ausdrücklich Aktivisten und Interessengruppen. Solche Quellen seien „nur in den seltensten Fällen“ geeignet. Artikel sollten nicht hauptsächlich auf ihnen beruhen. Wird ihre Meinung wiedergegeben, müsse klar sein, wessen Meinung es ist.

Für lebende Personen gelten noch strengere Regeln. Quellen sollen korrekt und angemessen wiedergegeben werden. Negative Darstellungen sollen auch entlastende Informationen berücksichtigen. Tendenziöse und parteiische Quellen sollen nicht verwendet werden.

Schauen wir auf die Quellen vom 7. April.

Journalist wird vom Bundesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbandes herausgegeben, also von der Gewerkschaft der Journalisten. M – Menschen Machen Medien gehört direkt zu Verdi. Beides sind publizistische Angebote von Interessenorganisationen.

Volksverpetzer ist eine journalistische und zugleich aktivistische Medienplattform, die meinungsbasierte Faktenchecks, politische Einordnung und Kampagnenkommunikation verbindet. Nach den genannten Wikipedia-Maßstäben ist das keine belastbare Quelle für weitreichende Aussagen über eine Person oder ein Medium.

Am 7. April passiert trotzdem genau das.

Vier Fußnoten, eine Quelle

Um 12.41 Uhr fügt „Kassler Bergbewohner“ im Holger-Friedrich-Artikel den Abschnitt „Übernahme von rechten Positionen und Zusammenarbeit mit neurechten Politikern und Autoren“ ein.

Schon der erste Satz enthält fast die ganze spätere Erzählung: Friedrich stelle immer wieder rechte Positionen dar, lasse rechte Publizisten die Ausrichtung seiner Medien bestimmen und gebe rechtsextremen Politikern eine Bühne.

Dahinter stehen vier Fußnoten: Deutschlandfunk – Blätter – taz – Verdi. Vier Mediennamen. Nur: Drei davon belegen den Satz nicht.

Der Verdi-Beitrag „Holger Friedrich will in den Osten“ beschreibt vor allem Friedrichs Expansionspläne. Er belegt weder, dass Friedrich regelmäßig rechte Positionen vertrete, noch dass rechte Publizisten seine Medien bestimmten, noch dass er systematisch rechtsextremen Politikern eine Bühne gebe.

Auch der taz-Text ist keine Recherche zu diesen drei Behauptungen, sondern ausdrücklich eine polemische Kolumne des Medienjournalisten Steffen Grimberg, eines ehemaligen DJV-Funktionärs, über Konflikte rund um Friedrich und seine Medien. Diese Konflikte reichen in die Zeit der Übernahme des Berliner Verlags zurück, als der DJV seinen Einfluss im Verlag ausbauen wollte und Friedrich ihn begrenzte.

Der Deutschlandfunk berichtet über Kontroversen um die Berliner Zeitung. Auch dieser Beitrag belegt den Satz nicht. Ausführlich entwickelt wird diese Sicht nur in Meisners Blätter-Text. Die anderen Quellen dienen hier als Scheinbelege.

Fünf Texte sollen eine ganze Zeitung erklären

Um 13:26 Uhr folgt die nächste größere Änderung im OAZ-Artikel.

„Kassler Bergbewohner“ fügt den Abschnitt „Inhalt“ ein. Grundlage ist wieder Meisners Blätter-Text. Genannt werden fünf Beiträge aus der ersten Ausgabe: Interviews mit Michael Kretschmer, Jacques Baud und Rumen Radew, eine Analyse über Wolodymyr Selenskyj und ein Text von Christian Baron. Baud ist ein von der EU sanktionierter Schweizer Politanalyst, Radew bulgarischer Präsident, Selenskyj ukrainischer Präsident, Baron westdeutscher Schriftsteller.

Bis zum 7. April hatte die OAZ bereits weit mehr als 1000 Beiträge veröffentlicht. Wikipedia beschreibt die Zeitung nun anhand von fünf Texten aus der ersten Ausgabe. Alle fünf hatte zuvor Meisner ausgewählt und daraus eine politische Richtung abgeleitet.

Mehr muss man kaum erklären.

Aus „Matthias Meisner hält diese fünf Texte für wichtig“ wird: „So sieht die OAZ aus.“ Ein anderer Wikipedia-Autor erkennt Teile des Problems später selbst. Am 20. Juni entfernt „Eddy 97“ Material mit dem Kommentar: „Das ist überhaupt keine Rezeption, sondern Darstellung der Binnensicht“ und kürzt weitere Passagen wegen unzulässiger Zusammenführung verschiedener Quellen.

Wer interviewt, macht sich verdächtig?

Ähnlich funktioniert die Behauptung, Holger Friedrich gebe rechtsextremen Politikern eine Bühne oder öffne seine Medien nach rechts.

Nur tun andere Medien dasselbe. Der Spiegel veröffentlichte 2017 ein Interview mit Götz Kubitschek. Die Zeit besuchte ihn im selben Jahr auf seinem Rittergut in Schnellroda, veröffentlichte später ein langes Gespräch mit Steve Bannon und im Februar 2026 ein Porträt über AfD-Chef Tino Chrupalla. Auch die FAZ interviewte Chrupalla 2019 und zitiert ihn bis heute.

Daraus wird nicht geschlossen, Spiegel, Zeit oder FAZ hätten die Positionen ihrer Gesprächspartner übernommen oder sich politisch in deren Richtung bewegt.

Warum sollte das bei einem anderen Medium anders sein? Weil ein solcher Deutungsrahmen bei Wikipedia festgeschrieben wird und von dort in Suchmaschinen und die ChatGPTs dieser Welt wandert.

Vom Facebook-Post zur Wahrheit mit Fußnote

Ein weiteres Beispiel zeigt, wie sich eine Aussage auf diesem Weg verändert. Der frühere Berliner-Zeitung-Manager Franz Sommerfeld schreibt 2024 auf Facebook, der Redakteur Thomas Fasbender öffne die Berliner Zeitung „nach rechtsaußen“.

Meisner übernimmt diese Einschätzung in seinen Blätter-Artikel. „Kassler Bergbewohner“ übernimmt sie über Meisner in Wikipedia. Die Fußnote nennt die Herkunft sogar offen: „Franz Sommerfeld, Posting auf facebook.com, 2.6.2024, zitiert nach Matthias Meisner …“

Versteckt wird also nichts. Am Anfang steht die persönliche Einschätzung eines früheren Mitarbeiters, für den die Übernahme des Verlags durch die Familie Friedrich keinen persönlichen Vorteil brachte. Ein möglicher starker Bias liegt nahe.

Meisner nimmt den Post in seinen Artikel auf. Dieser dient anschließend als Wikipedia-Quelle. Am Ende steht dieselbe Einschätzung in der Biografie eines Menschen. Aus einem persönlichen Facebook-Post wird Schritt für Schritt ein Satz in einer Enzyklopädie – obwohl genau das den Regeln enzyklopädischer Dokumentation widerspricht.

Wie aus Meisner plötzlich MDR wird

Noch deutlicher wird es beim MDR. „Kassler Bergbewohner“ fasst Ralf Heimanns Kolumne so zusammen, als habe Heimann die OAZ als Sprachrohr einer „ostidentitären Bewegung“ beschrieben. Die Formulierung „Ostidentitäre Bewegung im Medienmarkt“ stammt aber nicht von Heimann, sondern von Matthias Meisner.

Heimann nennt Meisners Texte ausdrücklich und führt die Formulierung als dessen Sicht ein. Das Wort „Sprachrohr“ verwendet er ebenfalls nicht.

Heimann kritisiert die OAZ durchaus. Er sieht in Teilen des Angebots einen Anti-Establishment-Blick und spricht von „Zweifel am System“.

Aber sein Text sagt auch anderes. Friedrich habe mit seiner Kritik an der westdeutsch dominierten Medienlandschaft „natürlich recht“. Das Gefühl vieler Ostdeutscher, als Abweichung vom westdeutschen Normalfall behandelt zu werden, habe „seine Berechtigung“. Friedrich bilde sich diese Erfahrung „nicht ein“. Dass er das Gefühl von Herabsetzung in ein publizistisches Angebot der Selbstermächtigung übersetze, sei „erst einmal gut“.

Auch Friedrich selbst beschreibt Heimann deutlich differenzierter: „kein klassischer Rechter“, „kein klassischer Libertärer“ und „kein Demokratie-Gegner“. Die Nachrichtentexte der OAZ nennt er journalistisch sauber. Anders als Nius sei die Zeitung kein „offensichtliches Propaganda-Megafon“.

Heimanns Text ist also weder einseitig noch verkürzt. Bei Wikipedia bleibt davon fast nur das Meisner-Zitat übrig, das „Kassler Bergbewohner“ Heimann zuschreibt. So sieht es aus, als hätten Meisner und der MDR unabhängig voneinander dasselbe festgestellt.

Die Maske fällt

Am 9. Juni bekommt die Geschichte eine andere Wendung. Wikipedia erkennt „Kassler Bergbewohner“ als „Sockenpuppe von Friedjof“. So nennt Wikipedia ein zusätzliches Konto derselben Person – hier genutzt, um trotz Sperre unter neuem Namen weiterzumachen.

Der Fall „Friedjof“ beschäftigt Wikipedia-Administratoren und Checkuser seit fast zwei Jahrzehnten. Sein ursprüngliches Konto war seit 2005 aktiv und wurde 2016 nach immer neuen Regelverstößen dauerhaft gesperrt. Danach tauchte „Friedjof“ unter neuem Namen wieder auf. Wikipedia spricht von „unzähligen Sockenpuppen“. Allein in drei Checkuser-Verfahren 2021 wurden mehr als 50 gefunden; eine weitere interne Auswertung kam für dasselbe Jahr auf 100 gesperrte Accounts und IP-Adressen, die „Friedjof“ zugerechnet wurden – ausdrücklich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Das Schiedsgericht beschreibt ein jahrelanges Katz-und-Maus-Spiel: neues Konto, neue Texte, Erkennung, Sperre – dann das nächste Konto. Dokumentiert wurden unter anderem erfundene oder nur scheinbar passende Belege, Verstöße gegen Neutralitätsregeln und problematische Eingriffe in Biografien. Besonders häufig arbeitete „Friedjof“ laut Schiedsgericht an aktuellen und politisch sensiblen Themen.

„Kassler Bergbewohner“ war also kein Wikipedia-Neuling, sondern die nächste bekannte Sockenpuppe in einer Reihe, mit der sich die Vandalismus-Experten der Wikipedia-Community seit Jahren beschäftigen.

Kein ahnungsloser Hobby-Troll

Nach öffentlichen Angaben arbeitet „Friedjof“ alias „Kassler Bergbewohner“ für einen teils staatlich finanzierten gemeinnützigen Verein, der sich als zivilgesellschaftlicher Denk- und Kampagnenraum versteht und eng mit Umwelt- und Entwicklungsorganisationen zusammenarbeitet. Außerdem absolvierte „Friedjof“ eine Kampagnenausbildung beim Deutschen Naturschutzring (DNR), dem Dachverband zahlreicher deutscher Umweltorganisationen. Er dürfte wissen, wie politische Kommunikation und Kampagnen funktionieren bzw. wie Desinformation zum eigenen Vorteil eingesetzt werden kann.

Im DNR-nahen Campaigning-Umfeld wird gelehrt, Narrative strategisch zu formulieren, Verbündete und Multiplikatoren zu kartieren, Kommunikation zeitlich zu orchestrieren, Medien gezielt mit kampagnentauglichem Material zu versorgen und externe Berichterstattung wegen ihres „Third-party endorsement“-Effekts (Empfehlung Dritter) zu nutzen. So können scheinbar unabhängige Quellen für Wikipedia, Suchmaschinen oder KI entstehen.

Damit lassen sich die systematischen Wikipedia-Eingriffe schwer als aktivistisches Hobby eines unerfahrenen Nutzers abtun. Einen Beleg dafür, dass die Wikipedia-Arbeit Teil seines Jobs war, gibt es nicht. Nachvollziehen lässt sich aber, dass zahlreiche Bearbeitungen während üblicher Arbeitszeiten stattfanden.

Was bleibt, wenn man die Fußnoten öffnet?

Aus den eingefügten Texten entsteht am Ende ungefähr dieses Bild: Holger Friedrich und seine Medien seien politisch rechts einzuordnen, kremlnah, böten Demokratiefeinden Raum und verkauften diese Entwicklung als Erweiterung des Meinungsspektrums. Bei der OAZ werde dieser Kurs fortgesetzt.

Bei Wikipedia sieht das breit belegt aus. Schaut man auf die Entstehung, verlieren die Zuschreibungen ihre Grundlage, die von einem später gesperrten Aktivisten eingefügt wurden. Ein großer Teil der Quellen stammt von Lobbyisten oder Aktivisten und ist nach den Wikipedia-Regeln für solche Aussagen ungeeignet. Andere Texte werden einseitig oder verkürzt wiedergegeben. Deutschlandfunk oder MDR stehen zwar in den Fußnoten, belegen die Aussagen aber nicht. Sie erzeugen vor allem den Eindruck von Substanz und Pluralität.

Bei Wikipedia wird niemand gesperrt, weil er freies Wissen teilen will. Im Fall „Friedjof“ sind als Gründe unter anderem Desinformation, Verstöße gegen Neutralitätsregeln und problematische Eingriffe dokumentiert.

Und nicht zu vergessen: Ein großer Teil der entscheidenden Aussagen geht auf einen einzigen Autor zurück – Matthias Meisner, der öffentlich erklärt hat, Friedrich bislang weder persönlich zu kennen noch erlebt zu haben. Dennoch berichtete er fast ausschließlich über Friedrich und seine Medien. Dabei suchte er nach unserer Lesart eher nach Belegen für sein Narrativ, als die tatsächlichen Hintergründe bei Friedrich selbst zu erfragen.

Wenn es darum geht, was ein Mensch denkt, warum er etwas tut und was er erreichen will, gibt es eine einfache Möglichkeit: Man fragt ihn.

Friedrich Asked Questions

Genau dafür gibt es inzwischen auf der „Projekt Halle“-Webseite die Rubrik „Friedrich Asked Questions“. Dort beantwortet Friedrich selbst die zentralen Fragen zu seinen Entscheidungen, Absichten und Positionen.

Denn es macht einen Unterschied, ob jemand behauptet: „Das ist Friedrichs Motiv“, ob er sagt: „Ich glaube, das ist Friedrichs Motiv“ oder ob Friedrich selbst sagt: „Das ist mein Motiv.“

Das Kompendium soll durch Transparenz den aus unserer Sicht erkennbaren Manipulationen in Medien, Enzyklopädien und KI-Systemen zu Holger Friedrich und den von ihm verantworteten Titeln Berliner Kurier, Berliner Zeitung, Ostdeutsche Allgemeine, Weltbühne und EST. entgegenwirken – dort, wo professionelle Qualitätssicherung solche Verzerrungen nicht verhindert.

Das fast perfekte Verbrechen

Als „Kassler Bergbewohner“ am 9. Juni erkannt wird, sind seine Änderungen seit zwei Monaten im System. Andere Wikipedianer haben die Texte längst bearbeitet, gekürzt, sprachlich verändert, verschoben und ergänzt. Ihnen kann man daraus kaum einen Vorwurf machen.

Sie sehen einen Artikel mit Fußnoten aus taz, Deutschlandfunk, Blättern, Verdi, Volksverpetzer und MDR. Das wirkt solide. Um das Problem zu erkennen, müsste man jede Quelle öffnen und prüfen: Wer hat welchen Text geschrieben? Zitiert ein Autor den anderen? Belegt die Quelle überhaupt die Aussage? Wurde aus einem differenzierten Text nur die passende Hälfte übernommen? Und enthalten fünf Medien wirklich fünf unabhängige Aussagen – oder dieselbe Aussage fünfmal weitergereicht?

Das ist die kriminelle Energie hinter einem fast perfekten Verbrechen: Man erfindet nicht plump eine Lüge. Man sucht passende Fakten, lässt andere weg, benutzt fremde Stimmen als Verstärker und versieht das Ergebnis mit genug Fußnoten, damit es seriös aussieht. Andere übernehmen den Text in gutem Glauben, Wikipedia macht daraus Wissen, Suchmaschinen und KI tragen es weiter. Derjenige, der es angestoßen hat, ist längst verschwunden. Zurück bleibt eine scheinbar sauber belegte Wirklichkeit – und der Betroffene soll beweisen, dass sie so nie gestimmt hat.

Perfekt ist es nur fast. Wikipedia vergisst nichts. Wer weit genug zurückgeht, kann sehen, wie es gemacht wurde.

Genau das haben wir getan. Am Anfang stehen konkrete Vorgänge und die Interpretation eines Journalisten. Am 7. April wird daraus innerhalb weniger Stunden ein Wikipedia-Artikel mit vermeintlich klarer politischer Richtung.

„Rechtsdrall eingefügt und bequellt.“

Die Belege stehen dort. Was sie tatsächlich belegen, ist eine andere Frage. Für uns zeigt sich darin eine demokratiefeindliche Tendenz: Werkzeuge offener Meinungsbildung – Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Wikipedia und auch KI – werden genutzt, um eine bestimmte Sicht immer wieder zu verstärken. Aus einer Meinung wird nach und nach etwas, das wie gesichertes Wissen aussieht. Andere Sichtweisen verschwinden.

Wer Demokratie schützen will, sollte sich nicht selbst mit der Demokratie verwechseln. Wer Vielfalt fordert, aber andere Sichtweisen aussortiert, wer gegen Desinformation kämpft und selbst mit Auslassungen, einseitiger Auswahl und scheinbarer Quellenvielfalt arbeitet, verspielt das Vertrauen, von dem Demokratie lebt.

Dann braucht man sich über Misstrauen, Wut und Protestwahl nicht zu wundern. Die Integrität des Systems wird erkennbar vorsätzlich beschädigt. Demokratie braucht keine selbsternannten Türsteher. Sie braucht Menschen, die den Diskurs suchen, andere Meinungen aushalten und notfalls die eigene noch einmal prüfen.

Das Absurde daran: Die Akteure handeln seit Jahren mit Vorsatz und werden von öffentlichen Programmen und Stiftungen finanziert, die gesellschaftlichen Zusammenhalt, Demokratie und Pluralität stärken wollen. Vielleicht wäre ihr Beitrag dazu am größten, wenn die Akteure in den Ruhestand gingen und man die Programme aussetzte.

Denn sie schaden ausgerechnet denen, die Demokratie praktisch leben: Menschen, die Verantwortung übernehmen, Konflikte kontrovers, aber friedlich austragen, andere Meinungen aushalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt im Alltag herstellen. Zugleich binden sie Mittel, die im Ehrenamt dringend gebraucht würden.

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