BERLIN, 1. Oktober. Es wurde sehr viel geredet: über strategische Partnerschaften, über Kundenfreundlichkeit und geschulte Mitarbeiter. Auch die Produktion eines im November erscheinenden Autos des Hauptsponsors und die Kopfbedeckung weiblicher Gäste wurde nicht ausgelassen. Fast wähnte man sich schon am falschen Ort, als der Union-Klub von 1867 bei seiner Pressekonferenz doch noch auf das eigentliche Thema des Tages zu sprechen kam: den Pferdesport. Denn wenn die Galopprennbahn Hoppegarten an diesem Sonntag ihre Tore zum vorletzten Mal in dieser Saison öffnet (Frühstück mit Programm ab 10 Uhr, normaler Einlass ab 11 Uhr, erster Start 13.35 Uhr), wird ein hochkarätiges Rennprogramm geboten.Paris als KonkurrenzObwohl an diesem Wochenende in Paris mit dem Prix de l'Arc de Triomphe ein Rennen im Range einer Europameiserschaft und in Dortmund mit dem St. Leger Rennen ein Europa-Gruppe-II-Rennen stattfindet, ist es dem Union-Klub gelungen, in neun Rennen mit 99 Startern den Konkurrenzveranstaltungen zu trotzen. Von den sieglosen Zweijährigen bis hin zum letzten Hürdenlauf der Saison, über Sprintdistanzen von 1 400 Meter bis hin zu Rennen über 3 200 Meter, gekämpft wird in den unterschiedlichen Klassen um insgesamt rund 131 000 Euro Preisgeld. Der Höhepunkt des Tages ist hierbei der zum zweiten Mal ausgetragene Große Preis der Deutschen Einheit um 16.40 Uhr. Das internationale Gruppe-III-Rennen entspricht der weltweit höchsten Klasse im Galoppsport und ist mit 55 000 Euro dotiert.Dementsprechend interessant ist auch das Feld der Vollblüter besetzt. Aus der Startmaschine nimmt ein Favoritentrio den Sieg in Angriff: Martin Dwyer auf dem dreijährigen Hengst Omikron, Norman Richter auf dem ebenfalls dreijährigen Sweet Wake und Martin O'Reilly auf dem vierjährigen Frühlingssturm. Mit Martin Dwyer setzen Gerd Zimmermann und sein Stall auf Erfahrung, denn der englische Spitzenjockey hat bereits 112 Gruppe-Rennen absolviert, vierzehn davon erfolgreich als Sieger. So sollen nach Omikrons drittem Platz im Deutschen Derby und dem zweiten Rang im Kölner Oppenheimer-Union-Rennen nun die Fähigkeiten des Pferdes ausgereizt werden. Der stärkste Konkurrent ist freilich Sweet Wake, stammt das Pferd doch aus dem gleichen Trainingsquartier in Krefeld und wird, wie Omikron, von Trainer Mario Hofer vorbereitet. Der Dritte im Favoritenkreis ist der englische Frühlingssturm aus dem Pferde-Imperium von Gary A. Tanaka. Von dem Briten Michael Jarvis trainiert, rechnet sich der in Deutschland ansässige Ire Martin O'Reilly auf Frühlingssturm eine realistische Chance in dem Neunerfeld am Sonntag aus.Bilanz der Saison Die Zeichen stehen drei Wochen vor dem Ende der Saison also gut für einen spannenden Renntag und einen erfreulichen Ausgang der Saison. Mit rund 71 000 Besuchern aus acht bisherigen Renntagen ist der Union-Klub zufrieden, wie Hauke Wilkens, der Generalsekretär, bestätigt. Vorbei sind die Zeiten, als der Union-Klub im Juni 2001 am Tiefpunkt seiner mehr als 130-jährigen Geschichte angekommen war und das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen, die oberste Instanz der deutschen Galopper, zwischenzeitlich die Lizenz verweigerte. Mit der Inthronisierung von Peter Boenisch als Präsident konnten Reserven mobilisiert und Sponsoren von den Vorzügen einer traditionellen Galopprennbahn überzeugt werden. Längst ist es wieder möglich, internationalen Klassesport mit höher dotierten Rennen und besseren Pferden nach Hoppegarten zu lotsen. Und darüber lohnt es sich allemal so angeregt zu reden wie über üppige Damenhüte.------------------------------Foto: Phalanx der Pferde: Vollblüter beim letzten Renntag in Hoppegarten.
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