Die Ausgangslage ist typisch für die Situation in China, die näheren Umstände der Reportage sind es fraglos nicht. Mit der Kamera hat der ARD-Korrespondent Jochen Graebert einen chinesischen Kollegen begleitet, der die Folgen von Behörden-Willkür recherchiert. Er hat einen Gesprächspartner gefunden, der in seiner Wohnung über Korruption von Parteikadern und lächerlichen Entschädigungen bei Umsiedlungen berichten will. Bevor das Interview beginnt, ist den Journalisten allerdings ein Mitarbeiter des chinesischen Geheimdienstes gefolgt, der dreist auf dem Sofa neben dem Hausherrn Platz nimmt.Auch wenn diese Demonstration der allmächtigen Staatsgewalt eine Ausnahme darstellt, sind die Einschüchterungen von unabhängigen Journalisten und ihren Interview-Partnern in China notorisch, wie Jochen Graebert zeigt. "Unbequem und unbestechlich" heißt seine sehenswerte wie kundige Reportage über unabhängige Journalisten, die jene Geschichten aufdecken und erzählen, die in Chinas gelenkter Presse so ungern erzählt werden dürfen. Vor allem im Internet erscheinen ihre Berichte über mafiöse Strukturen von Parteikadern und ihren brutalen Schlägertrupps oder die Folgen von Umweltzerstörung und Enteignungen von Bauern in der Provinz. "Sie haben mir Geld und Mädchen angeboten, damit ich aufhöre zu recherchieren", sagt einer der couragierten Online-Journalisten. Andere Kollegen erhielten nachts Besuch und wurden zur Vernichtung ihrer Artikel genötigt oder wurden von der "Internet-Polizei" zur Schließung ihrer Online-Seiten gezwungen.Es zählt zu den Stärken von Graeberts Film, dass er Schwarzweiß-Malerei vermeidet und sich um eine differenzierte Darstellung des Umgangs mit der Zensur bemüht. So anschaulich der ARD-Korrespondent über Drangsalierungen von unabhängigen Journalisten und ihre Unerschrockenheit berichtet, spürt er am Beispiel der Berichterstattung der Zeitung China Newsweek über das verheerende Erdbeben im Mai auch die Veränderungen der staatlich gelenkten Medien auf. Das Wochenblatt hatte, da es sich am Markt behaupten muss, erstmals den Opfer der Katastrophe breiteren Raum als dem heroischen Kampf der Parteiführung bei der Krisen-Bewältigung. Das kam bei Chefredakteuren der Konkurrenz und manchen Parteikadern nicht so gut an, bescherte der Zeitung aber viele Leser. Innerhalb von zwei Tagen war die Ausgabe vergriffen.Unbequem und unbestechlich, 21 Uhr, ARD------------------------------Foto: Pekinger Journalistin Sunran
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]