Miss-Wahlen gibt es mittlerweile alle naselang: Miss Molly, Miss Ostberlin, Miss Nord-, Süd- und Westdeutschland. Eigentlich müßten all die schönen Mädels in Deutschland doch inzwischen einen Model-Vertrag in der Tasche und eine Schiffer-mäßige Karriere vor sich haben. Aber offenbar stimmt die These nicht, denn schließlich macht sich ein Mineralölkonzern am Sonnabend auf die Suche nach den schönsten Mädchen aus Berlin und Umgebung. So werden sich vermutlich diverse hungrig, aber hip aussehende junge Frauen in der zugigen Treptower Arena drängeln in der Hoffnung, im kommenden Jahr einen Auto-Kalender zieren zu dürfen. Aber selbst die Gunst der hiesigen Juroren verheißt noch längst kein Leben auf dem Laufsteg: Erst bei der Endausscheidung im Mai werden die deutschlandweit Graziösesten gewählt.Um vieles leichter haben es da doch die Schriftstellerinnen. Die können mit zotteligem Haar im Kämmerlein sitzen und vor sich hin schreiben, und werden am Ende trotzdem als "Fräuleinwunder" gepriesen. Keine Rede von Schlankheitswahn und schönem Schein, Foto-Shootings und Wettbewerben in Bikinis. Allerdings: Reisen in die fotogenen Gegenden der Welt gibt s dann auch nicht. Statt Palmenstrand in der Karibik muß sich beispielsweise Nachwuchs-Hoffnung Karen Duve mit der Bühne des Roten Salons begnügen. Doch was sind all die Sorgen um Reichtum, Ruhm und Reisen der deutschen Damen gegen das Leid des chinesischen Panda-Weibchens Yan-Yan. Nicht nur, daß sie partout nicht schwanger wird. Sie steht dabei auch noch unter ständiger Beobachtung. Aber wer weiß, ob sich die Möchtegern-Models damit trösten lassen.
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