1. FC Union Berlin

Ein Sonnabend in Unions Fankneipen: „Allet noch machbar!“

Der 1. FC Union Berlin hat zwar bei der TSG Hoffenheim verloren, trotzdem winkt noch immer die Champions League. Unser Reporter war in der Fankneipe.

5 Min
Ein Anhänger von Union jubelt vor der Fankneipe Abseitsfalle trotz der 2:4-Niederlage in Hoffenheim.

Ein Anhänger von Union jubelt vor der Fankneipe Abseitsfalle trotz der 2:4-Niederlage in Hoffenheim.

© Franz Becchi/Berliner Zeitung

Am Sonnabend, gegen 17.30 Uhr, war es still in Köpenick, etwas zu still. Der 1. FC Union Berlin hatte die Chance, bei der TSG Hoffenheim einen deutlichen Anspruch auf die Königsklasse zu erheben, verlor jedoch mit 2:4. Am Abend zuvor hatte Freiburg mit einer souveränen Leistung 2:0 gegen Wolfsburg gewonnen und war somit nach Punkten gleichgezogen.

Bei einem ausstehenden Spiel macht jetzt nur noch die Tordifferenz einen Unterschied, und die Köpenicker spielen in den nächsten 90 Minuten gegen Werder Bremen um den Wert einer ganzen Saison. „Allet noch machbar“, sagte eine rot-weiße Anhängerin nach Abpfiff mit gesundem Berliner Optimismus. Nicht in Sinsheim live vor Ort, sondern vor der Fankneipe Abseitsfalle, die sich direkt hinter dem Stadion An der Alten Försterei befindet.

Vor Anpfiff waren etliche Union-Fans auch in der Kneipe Hauptmann von Köpenick aufgeregt. In den ersten Minuten konnte man auf der Leinwand kaum das Spielfeld erkennen, weil die Hoffenheimer Fans Pyrotechnik zündeten und somit eine dicke Rauchwolke verursachten. Kurz davor tauschte Kapitän Christopher Trimmel den Vereinswimpel mit dem Kraichgauer Oliver Baumann aus. In den letzten Tagen hatte der 36-Jährige mit einigen Aussagen für Schlagzeilen gesorgt, er zeigte sich unzufrieden wegen seiner wenigen Einsätze. An einem Tisch spekulierten einige Fans über die Zukunft des österreichischen Außenverteidigers: „Wo soll der Trimmi denn hin?“, fragte einer in die Runde.

Dann war es so weit: Das Feld war wieder sichtbar und Schiedsrichter Christian Dingert entschied, dass das Spiel fortgesetzt werden konnte. Etwa 20 Minuten hielt die beste Abwehr der Bundesliga was sie versprach, dann ging Hoffenheim durch Bebou in Führung. Der Angreifer nutzte einen Patzer von Diogo Leite. „Der Robin fehlt“, schrie ein enttäuschter Unioner in Bezug auf Mr. Abwehrbollwerk Knoche, der sich am letzten Donnerstag krankgemeldet hatte. Eine Viertelstunde später kassierte Union das 0:2 durch einen Elfmeter, der von Leite verursacht wurde. „Das kann doch nicht wahr sein“, brachte ein Fan noch hervor, danach herrschte im Hauptmann von Köpenick Totenstille.

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Unioner haben Bock auf Champions League 

Danilho Doekhis Anschlusstreffer sorgte noch mal für Hoffnung, aber die Anhänger sparten trotzdem nicht an Kritik: „Das war bestimmt nicht die beste Leistung unserer Jungs“, sagte Max, während er eine Zigarette qualmte und sein Bier auf dem Tisch abstellte. Er war dort mit seiner Freundin, um das Spiel zu sehen. „Die Hoffenheimer machen es gut, das muss man auch sagen“, meinte Stephan, der sich in der zweiten Halbzeit deutlich mehr von seiner Mannschaft erhoffte. „Ich habe wirklich Bock auf Champions League, weil ich nächstes Jahr dann jedes Auswärtsspiel verfolgen werde“, sagte er.

Seit zehn Jahren ist er Union-Fan und hat eine Dauerkarte fürs Stadion. Vor ein paar Jahren hätte er sich niemals vorstellen können, dass der 1. FC Union Berlin heute auf Tabellenplatz vier der Bundesliga steht und um die Champions League kämpft. „Ich wäre trotzdem stolz auf meinem Verein gewesen, auch wenn sie sofort wieder abgestiegen wären. Und jetzt spielen sie seit vier Jahren extrem guten Fußball und die Entwicklung ist eigentlich nur aufsteigend“, fügte Stephan hinzu.

In der Kneipe wegen zu teurer Streaminganbieter

Einige Fans kommen bei Auswärtsspielen in eine Fankneipe, weil sie die Atmosphäre mögen, viele wollen sich aber nicht mehrere Streamingdienste anschaffen, um ihre Lieblingsmannschaft zu verfolgen. „Das kostet mir zu viel“, sagte Calle, er verpasst seit Jahren kein Spiel der Köpenicker. „Wir sind in einer Phase, wo teilweise einige Bundesligaspiele jedes Mal von jemand anderem übertragen werden, und du kannst eigentlich nur in eine Kneipe gehen, um das Spiel zu gucken.“

Dann sah Calle auf die Uhr und verschwand schnell nach drinnen, die zweite Halbzeit hatte nämlich vor einigen Sekunden angefangen. Für rund 45 Minuten geschah dann wenig, Union nutzte ein paar gute Chancen nicht aus, dann traf Kramaric für die Hoffenheimer zum 3:1. Einige rot-weiße Fans hatten genug gesehen und gingen nach Hause. Die meisten blieben jedoch in der Abseitsfalle und fingen an zu singen. Laidouni weckte noch einmal die Hoffnungen der Köpenicker, aber Dabbur traf in letzter Sekunde zum Endstand.

„Union ist international“, sang ein nimmermüder Anhänger, während er aus der Abseitsfalle schlenderte. Er freut sich, dass sein Verein das internationale Geschäft erreicht hat. Welches es am Ende sein wird, entscheidet sich am kommenden Sonnabend im Heimspiel gegen Werder Bremen: „Da gewinnen und alles ist jut“, sagte eine Unionerin zu ihrem Ehemann, der nicht gerade froh schien. Das gehört nun mal zum Fußball dazu.

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