Sie hatten Glück, die beiden Fußball-Fans, die am Dienstag nach dem Sieg der deutschen Elf am Bundeskanzleramt in die Spree sprangen. Sie hätten in die Schraube eines Schiffes geraten können oder 100 Euro Strafe zahlen müssen - theoretisch jedenfalls. So hoch nämlich ist laut Bußgeldkatalog ein Verstoß gegen das Badeverbot in der Innenstadtspree. Wo genau die verläuft, erklärt der Sprecher des Landesamtes für Gesundheits-, Arbeitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi), Robert Rath: "Sie beginnt am Ende des Müggelsees in Köpenick und reicht bis nach Spandau - bis zur Mündung in die Havel." Aus Sicherheitsgründen verboten sei das Baden aber auch an Brücken, in Kanälen, Häfen, an Schiffsanlegestellen und an Fähren sowie in Teilen der Havel.Für die Spree kommen weitere Gründe hinzu. "Das Abwasser wurde früher in die Spree geleitet", sagt Rath. Erst Ende des 19. Jahrhunderts sorgten der Mediziner Rudolf Virchow und der Stadtplaner James Hobrecht dafür, dass das Abwasser auf Rieselfelder außerhalb Berlins geleitet wird. Das Badeverbot bestand fort - wegen der Schiffe."Aber auch aus gesundheitlichen Gründen ist vom Baden abzuraten", sagt der Lagetsi-Sprecher. Anders als viele andere Flüsse verfüge die Spree in der Stadt über keine natürliche Uferlinie. "Statt dessen gibt es fast nur Spundwände." Und ohne den Schilfgürtel, den es zum Beispiel oft an der Havel gibt, könne sich das Wasser nicht so gut reinigen. Hinzu komme, dass mit dem Fluten der Braunkohletagebaue in Brandenburg Wasser abgezweigt wird, das normalerweise die Spree entlangfließt. "Damit hat sich die Fließgeschwindigkeit der Spree reduziert - und Schadstoffe bleiben länger im Wasser." Außerdem trage auch der starke Schiffsverkehr zur Verunreinigung des Flusses bei."Generell gilt: Wo das Baden nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist es verboten", sagt Wolfgang Bergfelder, Abteilungsleiter Integrativer Umweltschutz bei der Stadtentwicklungsverwaltung. Geahndet werden Zuwiderhandlungen allerdings nie. "Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Bußgeld verhängt wurde", sagt Bergfelder. Schlimmstenfalls hätten die beiden Brückenspringer am Dienstag Spreewasser geschluckt - und nun Durchfall.------------------------------Foto: Zwei Männer sprangen am Dienstag in Mitte in die Spree.
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