Die Anschläge vom 11. September waren nicht zu verhindern. Vielleicht hätten die amerikanischen Behörden den Tätern näher kommen können, wenn die Ermittlungsbehörden ihre Informationen ausgetauscht hätten. Vielleicht hätte man die gesammelten Daten genauer untersuchen und schneller reagieren sollen. Vielleicht hätte man, wie der Anti-Terror-Chef Richard Clarke der Bush-Regierung vorwirft, mehr Wirbel machen müssen. Doch nicht nur den Amerikanern, der gesamten Welt hatte zu diesem Zeitpunkt die Fantasie gefehlt, sich einen derartigen Angriff vorzustellen. Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat zwar die Vorwürfe gegen das Weiße Haus zum Teil widerlegt, doch ihre Aussage war unbefriedigend. Dass die Anschuldigungen von Clarke vermutlich nicht zufällig zu einer ungünstigen Zeit für die Bush-Regierung kommen, dass die Versäumnisse der Clinton-Regierung, die schließlich acht Jahre an der Macht war, in dieser Untersuchung relativ wenig Beachtung fanden, das ist sicher ärgerlich für das Weiße Haus. Doch den meisten Amerikanern ist dieser politische Streit gleichgültig. Sie erwarten angesichts von mehr als dreitausend Toten nicht Aktenkunde, sondern Ergriffenheit. Hätte Condoleezza Rice sich im Namen der Regierung für "die eine oder andere Fehleinschätzung" entschuldigt, so wäre das nicht nur eine große Geste gewesen. Es hätte auch den Millionen an den Fernsehern, das Gefühl gegeben, dass diese Regierung eine Regierung aller Amerikaner ist.
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