Eine 37-jährige Hausfrau soll versucht haben, sich und ihre Tochter aus Frust zu töten

An der Havel brannte ein Boot - Mordversuch?

Sabine Deckwerth
3 Min

Unter den Bootsbesitzern draußen an der Havel in Gatow soll es Millionäre ebenso wie Arbeitslose geben, die alle "per Du" sind und freundlich miteinander reden. Sagt Paul H., ein 64-jähriger Industriekaufmann. Er verbringt dort im Sommer jedes Wochenende auf seinem Boot. Dann kommt es oft vor, dass er mit anderen Männern auf dem Steg sitzt und Bier trinkt. Er nennt das "Steg-Gemeinschaft". "Alkohol ist an den Wochenenden immer mit im Spiel", sagt er.Paul H. war am Montag Zeuge in einem Prozess vor dem Landgericht. Angeklagt war die 37-jährige Corinna P. Sie gehört auch zur "Steg-Gemeinschaft" bei Gatow an der Havel. Das Kajütboot von Corinna P. und ihrem Ehemann liegt gleich neben dem von Paul H. Der Staatsanwalt wirft ihr ein Kapitalverbrechen vor, versuchten Mord. Corinna P. soll ihr Boot angezündet haben, um sich und ihre achtjährige Tochter zu töten. Das Mädchen spielte damals unten in der Kajüte.Es war kein großes Boot. Es hieß "Good Wind", war sechs Meter lang und hat einmal 8 500 Mark gekostet. Ein großes Boot kann sich das Ehepaar aus Neukölln auch nicht leisten. Corinna P. hat keinen Beruf gelernt und ist Hausfrau. Ihr Mann Dieter fährt einen Abschleppwagen. Corinna P. sagte, sie selbst habe im Monat nur 260 Mark zur Verfügung gehabt und es sei vorgekommen, dass die Telekom das Telefon gesperrt habe. Wie die Männer in der "Steg-Gemeinschaft" trinkt Corinna P. auch, Bier und Weinschorle, wie es kommt, sagt sie. Am 1. Oktober dieses Jahres, kurz bevor das Boot brannte, saß sie nicht mit den Männern zusammen auf dem Steg. Sie räumte auf dem Boot auf, um alles "winterfest" zu machen. Lappen mit Benzin"Wir waren gerade gemütlich im Gespräch", erzählte Zeuge Paul H. Da sei Corinna P. ausgerastet und habe ihren Mann beschimpft, weil der ihr nicht half. Kurz darauf standen mit Benzin getränkte Lappen in Flammen. Sie wurden von einem Mann aus der "Steg-Gemeinschaft" mit einem Eimer Wasser gelöscht.Der Richter muss jetzt klären, ob Corinna P. wirklich sich und ihre Tochter töten wollte. Sie selbst sagte, sie habe aus Wut über den Ehemann ihr Feuerzeug an die Lappen gehalten. "Was ich damit erreichen wollte, weiß ich nicht mehr." Auch habe sie die Flammen vor Schreck selbst wieder löschen wollen. Für den Zeugen Paul H. dagegen steht fest: "Sie wollte sich umbringen, denke ich mal." Offenbar ist es nicht so, dass alle in der "Steg-Gemeinschaft" freundlich miteinander reden. Paul H. jedenfalls ließ vor Gericht kaum ein gutes Haar an seiner Bootsnachbarin. Er nannte sie einen "hysterischen Affen". Eine, die immer "rumschrie und rumbrüllte, dass es unerträglich war". Er sagte auch deutlich, was er tun würde, wenn sie seine Frau sei. "Bei so nem Anfall müsste man sie aus dem Fenster werfen." Der Prozess wird fortgesetzt."Bei uns gibt es Millionäre und Arbeitslose, wir sind alle per Du. " Zeuge Paul H. vor Gericht

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