Norwegen

Kritische Rohstoffe: Oslo zieht Planung für Seltene-Erden-Lagerstätte Fensfeltet an sich

Nationale Interessen erhalten Vorrang. Das Vorkommen wird auf rund 16 Millionen Tonnen Seltenerdoxid geschätzt. Europa außerhalb Russlands hat bislang keine aktive Mine.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre spricht am 13. April bei der Eröffnung des neuen Regierungsviertels in Oslo.

Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre spricht am 13. April bei der Eröffnung des neuen Regierungsviertels in Oslo.

© Ole Berg-Rusten/dpa

Die norwegische Regierung hat beschlossen, beschlossen, die Planung für die Lagerstätte Fensfeltet im Südosten Norwegens zu übernehmen. Das geht aus einer Mitteilung des Kabinetts vom Mittwoch hervor. Hintergrund ist ein Beschluss des Gemeinderats von Nome vom Vortag, in dem die betroffene Kommune den Staat gebeten hatte, die Planungsverantwortung zu übernehmen.

Ministerium übernimmt Rolle des Gemeinderats

Mit dem Schritt geht die Rolle der Planungsbehörde an das norwegische Kommunalministerium. Das Ministerium führt das Verfahren und entscheidet am Ende selbst über den Plan. Anhörungen und öffentliche Auslegung bleiben verpflichtend, allerdings sind weder Einwände noch Beschwerden möglich.

Ministerpräsident Jonas Gahr Støre erklärte am Mittwoch laut der Mitteilung, das Fensfeltet könne „von großer Bedeutung für Telemark, Norwegen und die europäische Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit“ sein. Um den künftigen Zugang zu kritischen Mineralien zu sichern, müsse die Produktion sowohl in Norwegen als auch in Staaten, mit denen Norwegen sicherheitspolitisch zusammenarbeitet, erhöht werden.

Wirtschaftsministerin Cecilie Myrseth verwies in derselben Mitteilung auf die geopolitische Bedeutung Seltener Erden. Kommunalminister Bjørnar Skjæran begründete den Eingriff mit erheblichen Flächennutzungskonflikten und gegenläufigen nationalen Interessen.

Vorkommen seit März höher geschätzt

Der Projektentwickler Rare Earths Norway schätzt die nachgewiesenen und vermuteten Ressourcen auf 15,9 Millionen Tonnen Seltenerdoxid. Das sind 81 Prozent mehr als in der vorherigen Bewertung von 2024, wie das Unternehmen laut Reuters bereits am 3. März mitgeteilt hatte. Rund 19 Prozent des Oxidgehalts entfallen demnach auf Neodym und Praseodym, die für Permanentmagnete in Elektrofahrzeugen, Windturbinen, Elektronik und Rüstungsgütern benötigt werden.

Rare Earths Norway rechnet laut Reuters mit einem Produktionsstart Ende 2031 und einer Ausbringung von 800 Tonnen Neodym-Praseodym im Jahr 2032, was etwa fünf Prozent des EU-Bedarfs entspräche. Eine Abbaugenehmigung liegt vor, eine Betriebsgenehmigung steht laut Reuters noch aus.

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Derzeit werden etwa 70 Prozent der weltweiten Seltenen Erden in China gewonnen. Reuters beziffert den chinesischen Anteil an der Verarbeitung auf rund 90 Prozent. In Europa außerhalb Russlands gibt es bislang keine aktive Mine für Seltene Erden.

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