Profi-Trainer

„Eine Stunde eher nach Hause“: Hertha-Trainer Stefan Leitl über den Trainerstress

Nach den Sorgen um Bayern-Coach Vincent Kompany spricht Hertha-Trainer Stefan Leitl über den Druck im Profifußball und fehlende Erholung.

3 Min
Hertha-Trainer Stefan Leitl rät seinen Trainerkollegen, mehr auf sich zu achten.

Hertha-Trainer Stefan Leitl rät seinen Trainerkollegen, mehr auf sich zu achten.

© IMAGO/Philipp Szyza

Ein Training ist vorbei, doch Feierabend ist für einen Fußballtrainer deshalb noch lange nicht. Gegner analysieren, die Mannschaft vorbereiten, Entscheidungen treffen: Der Job läuft oft weiter, wenn der Platz längst leer ist.

Hertha-Trainer Stefan Leitl hat auf der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel beim SSV Jeddeloh II am Mittwoch (18 Uhr) darüber gesprochen, wie sehr der Profifußball auch mental fordert.

Leitl wünscht Kompany gute Besserung

Anlass war unter anderem der Gesundheitszustand von Bayern-Coach Vincent Kompany. Der war nach einem Zusammenbruch in der vergangenen Woche ins Krankenhaus gebracht worden. Nach Angaben von Bayerns Sportvorstand Max Eberl sollte der 40-Jährige dort mehrere Tage bleiben, um die Ursachen abzuklären.

Leitl dachte am Montag daher erst einmal an seinen Trainerkollegen: „Zunächst natürlich beste Genesungswünsche an Vincent und Richtung München.“

Bayern-Trainer Vincent Kompany ist derzeit im Krankenhaus.

Bayern-Trainer Vincent Kompany ist derzeit im Krankenhaus.

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Belastung hängt vom Spielrhythmus ab

Für Leitl hängt die Belastung auch vom Spielrhythmus ab. Während internationale Topklubs häufig alle drei Tage antreten, sei das in der 2. Bundesliga seltener der Fall.

„Man muss differenzieren, ob man auf Top-Level trainiert – also diesen Drei-Tage-Rhythmus permanent hat und international unterwegs ist – oder wie wir in der zweiten Liga, wo es eher die Ausnahme ist, mit Pokal länger in diesem Rhythmus zu bleiben“, sagte Leitl.

Hertha plant die Woche nach dem Spiel. Doch auch ohne engen Spielplan braucht ein Trainer Erholung. „Grundsätzlich verlangt dieser Job viel ab, und man braucht ein gutes Umfeld, um in Regenerationsphasen zu kommen.“

„Es ist ein Fulltime-Job“

Wie viel Arbeit hinter dem Beruf steckt, lasse sich nicht allein an den Trainingseinheiten ablesen. „Es ist nicht damit getan, dass man um 7.30 Uhr hier beginnt und um 12.30 Uhr das Training aus ist und man nach Hause geht. Es ist ein Fulltime-Job“, sagte Leitl. „Man ist den ganzen Tag damit beschäftigt, sich um den Verein und die Mannschaft zu kümmern.“

Damit Trainer nach solchen Arbeitstagen abschalten können, brauche es „ein Setup, in dem man Ruhephasen findet und zur Regeneration kommt“, erklärte er.

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Leitl über Kompany: „Einer der besten Trainer in Europa“

Leitl wünschte Kompany, dass er bald wieder auf der Bank sitzen könne, und lobte den Belgier in höchsten Tönen: „Für mich persönlich ist er wahrscheinlich einer der besten Trainer, die es momentan in Europa gibt.“

Für den Umgang mit den Belastungen des Jobs, von denen es beim FC Bayern zuletzt besonders viele gegeben habe, seien aus seiner Sicht professionelle Betreuung und ein stabiles Umfeld entscheidend. Nur so könne eine Mannschaft den Anforderungen des Leistungssports gerecht werden.

Trainer sollen auch an sich denken

Trainer müssten dabei auch mehr auf sich selbst achten: „Die Schwierigkeit ist ja, dass wir uns grundsätzlich Gedanken machen sollten. Wir Trainer sind halt auch Egos und gucken da nicht so sehr auf uns.“ Sein Vorschlag: „Deshalb ist es vielleicht wichtig, mal eine Stunde eher nach Hause zu gehen, oder?“

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