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„Eine Stunde im Steinhagel“: Berlins Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft tritt ab

Bodo Pfalzgraf war 22 Jahre im Einsatz für Polizisten und starke Kinder. Bei den Linken ist er allerdings nicht so beliebt.

3 Min
Bodo Pfalzgraf ist noch bis Freitag Berliner Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Bodo Pfalzgraf ist noch bis Freitag Berliner Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft.

© DPolG

Als Polizist hat er elf Innensenatoren und sechs Polizeipräsidenten überlebt. Er war Mitglied der Republikaner und findet auch heute noch mitunter markige Worte: Nach 22 Jahren tritt der Berliner Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Bodo Pfalzgraf, an diesem Freitag ab. Beim Landeskongress wird der 63-Jährige nicht mehr für den Landesvorsitz kandidieren.

1979 kam er als Sechzehnjähriger zur West-Berliner Polizei. Er sei ein Gerechtigkeitsfanatiker gewesen, begründet er das heute. Allerdings habe ihn damals auch die gute Bezahlung gelockt. Auch dass sein Vater als Busfahrer während der Arbeit einmal überfallen wurde, habe eine Rolle gespielt.

Im Gespräch mit der Berliner Zeitung erinnert er sich unter anderem an seinen ersten größeren Einsatz gegen die Hausbesetzer-Szene in Kreuzberg, wo es „eine Stunde lang Steine regnete“. Eine Schutzausrüstung wie heute hatten die Polizisten damals noch nicht.

Pfalzgraf arbeitete in einer Fahndungsgruppe und beim Staatsschutz und sicherte die IWF-Tagung 1988 in West-Berlin. Später war er 15 Jahre lang als Präventionsbeauftragter an Berliner Schulen tätig. „Stärke bedeutet nicht nur, einen Täter zu überwältigen“, sagt er der Berliner Zeitung. „Sie kann auch bedeuten, ein Kind stark genug zu machen, sich zu wehren.“

1988 trat er in die DPolG ein und zog im Jahr 2000 in den Personalrat der für den Norden Berlins zuständigen Direktion 1 ein. 2004 wurde er Landesvorsitzender.

Laut in der Schießstandaffäre und gegen Linksextremisten

Pfalzgraf ist einer der dienstältesten Gewerkschaftsvorsitzenden – länger im Amt als etwa Frank Bsirske bei Verdi (18 Jahre) oder Claus Weselsky bei der GDL (16 Jahre). Bekannt wurde er vor allem als lautstarke, oft unbequeme Stimme in der Berliner Sicherheitsdebatte: Er kämpfte öffentlichkeitswirksam für die Einführung von Tasern und gepanzerten Fahrzeugen wie dem „Survivor-R“.

Und er prangerte immer wieder Fehler der Polizeiführung in der sogenannten Schießstandaffäre an, die 2015 öffentlich wurde: Hunderte Einsatzkräfte hatten über Jahrzehnte hinweg in maroden Schießanlagen mit defekten Lüftungsanlagen trainiert; durch die giftigen Dämpfe erkrankten etliche von ihnen schwer.

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Pfalzgraf geriet auch in die Kritik – nicht zuletzt wegen scharfer Formulierungen gegen „Linksextremisten“ oder „Kiezterroristen“ und wegen seiner politischen Vergangenheit. 1990 stand er als Listenkandidat der Partei „Die Republikaner“ zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses. 2015 machten Antifa-Gruppen dies öffentlich – ebenso wie den Umstand, dass Pfalzgraf 1990 eines der Gründungsmitglieder des „Hoffmann von Fallersleben Bildungswerks e. V.“ war, das später als rechtsextreme Tarnorganisation eingestuft wurde.

Nach eigenen Angaben trat er im Oktober 1991 aus der Partei aus – wegen innerparteilicher Radikalisierungstendenzen. Obwohl diese Episode 35 Jahre zurückliegt, wird er von links immer noch dafür angefeindet, etwa von den Grünen im Abgeordnetenhaus.

Wie unterschiedlich die Partei die Vergangenheit bewertet, zeigt der Fall der Spitzenkandidatin der Grünen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Susan Sziborra-Seidlitz ist mit einem ehemaligen Neonazi verheiratet, was die AfD als Wahlkampfthema entdeckt hat. Die Spitzenkandidatin sagte dazu, dass ihr Mann sich gewandelt habe und mittlerweile ein „lupenreiner Demokrat“ sei.

Das kann man von Bodo Pfalzgraf auch sagen.

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