Eines der ältesten steinernen Bauwerke Berlins wird Dauerleihgabe im Museumspark Rüdersdorf

Germanen-Ofen reist nach Brandenburg

Matthias Trendel
2 Min

Sein Abtransport war Minutensache: ein Ruck des großen Krans, die Ladung ausbalancieren dann schwebte der germanische Kalkofen, verpackt wie eine Waschmaschine, auf die Ladefläche des Speziallasters. Der brachte ihn nach Rüdersdorf. Nach 2000 Jahren im Sand von Biesdorf-Süd hat das wohl älteste steinerne Bauwerk Berlins seit gestern einen neuen Standort im Zementwerk in der brandenburgischen Gemeinde. Entdeckt hatten den Ofen Archäologen der Firma Arbeitsgemeinschaft Baugrund Archäologie (ABA) Ende 1999. Letzter Brand 16 vor ChristusDie archäologischen Grabungen waren nach Angaben von ABA-Mitarbeiter Rene Bräunig Routinearbeiten, denn das Areal ist seit den 40-er Jahren als historischer Fundort bekannt. Entdeckt wurden auf dem Gebiet am Habichtshorst schon ein alter Brunnen sowie Grubenanlagen. "Das Besondere an dem Ofen sind sein guter Erhaltungszustand und seine rechteckige Form", sagt Bräunig. Der Ofen ist eine mit Feldsteinen ausgemauerte Grube mit einer Seitenlänge von rund zwei Metern, 1,50 Metern Breite und einer Tiefe von 1,20 Metern. In ihm brannten die germanischen Handwerker den Kalk und verwandelten ihn durch Wasserzugabe zu Löschkalk. Wozu dieses Endprodukt verwendet wurde, ist nach Bräunig noch nicht völlig klar. Der Archäologe vermutet drei Verwendungszwecke: als Hausanstrich, als Zusatz bei der Eisenverhüttung und als Gerbemittel von Tierhäuten. Anhand von Kalkfunden im Ofen sei zumindest das Datum des letzten Brandes einwandfrei zu ermitteln gewesen. Der fand im Jahr 16 vor Christus statt. Deshalb schätzt Bräunig, dass der Ofen im Jahr 70 vor Christus erbaut wurde. Seinen neuen Standort verdankt der Ofen der Aufmerksamkeit und dem Engagement von Eva Köhler. Die Leiterin des Rüdersdorfer "Museumsparks Baustoffindustrie" kam nach dem Lesen von Zeitungsberichten zu der Auffassung, der Ofen wäre bestens geeignet für das Rüdersdorfer Expo-Projekt "Zement zwischen zwei Jahrtausenden" im Zementwerk an der Bundesstraße 1. Wer die Transport- und Bergungskosten übernimmt, ist laut Museumssprecher Hans-Joachim Krampitz noch offen.Als Berliner Fund bleibt der Ofen Berliner Eigentum und kommt nur als Leihgabe nach Brandenburg. Interesse hatte deshalb auch das Charlottenburger Museum für Vor- und Frühgeschichte. "Mir ist der Standort in Rüdersdorf aber recht", sagt dessen Direktor Wilfried Menghin. "Wir haben hier keine Möglichkeit, den Ofen auszustellen."

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