Theaterfestival

Einfach, albern und genial: Der „Sommernachtstraum“ aus Basel beim Theatertreffen

Das Publikum des Theatertreffens feiert das Basler Ensemble und die komische Poesie von Antú Romero Nunes, der viel öfter Shakespeare inszenieren sollte.

4 Min
Schauspieler, die Lehrer spielen, die Elfen spielen. Szene aus dem Basler „Sommernachtstraum“, inszeniert von Antú Romero Nunes. Auf dem Bild: Gala Othero Winter, <a href="https://www.theater-basel.ch/de/ensemble-team/nairihadodo">Nairi Hadodo</a>, Sven Schelker und Anne Haug (v.l.)

Schauspieler, die Lehrer spielen, die Elfen spielen. Szene aus dem Basler „Sommernachtstraum“, inszeniert von Antú Romero Nunes. Auf dem Bild: Gala Othero Winter, Nairi Hadodo, Sven Schelker und Anne Haug (v.l.)

© Ingo Höhn

Während man noch denkt, dass das vielleicht ein bisschen dicke ist und auch ein bisschen fies gegenüber dem sozial engagierten und pädagogisch wertvollen Laienspiel, da ist man auch schon gefangen von der Geschichte, von den Figuren und von dem Glück über das Spiel- und Denkzeug namens Theater. Ja, dieses Theater, das sich so oft in seelische Abgründe wirft, Dramaturgenmigräne ausbrütet und im Kopfstand Pirouetten um sich selbst dreht.

Kann es sein, dass dieser aus Basel zum Theatertreffen eingeladene „Sommernachtstraum“ Antú Romero Nunes’ erster Shakespeare ist, der in Berlin zu sehen ist? Der 39-Jährige macht seit mindestens anderthalb Jahrzehnten Theater, und er hat einen derart direkten Zugriff auf das Lustzentrum des Bühnenspiels, dass er eigentlich schon die ganze Zeit Shakespeare-Theater macht. Nur suchen ihm die Spielplantüftler zum Beispiel am Berliner Ensemble oder früher am Gorki-Theater andere Stücke aus, die Nunes dann mit mal mehr und mal weniger Mühe zu Shakespeare-Format aufbiegt. Kann es sein, dass sie dem nun auch nicht mehr jungen Regisseur und Basler Theaterleitungsmitglied vielleicht den großen elisabethanischen Renaissance-Dramatiker nicht zugetraut haben?

Aber das ist alles nur Herumwunderei, die eben aufkommt, wenn einem die Augen aufgehen und man sieht, wie leicht es Shakespeare dem Regisseur macht, wenn man keine Angst vor ihm hat und wenn man seinem situativen Humor, seiner poetischen Tiefe vertraut und, wie der Dramatiker selbst, auf den eh zusammengeklauten und -geleimten Plot mehr oder weniger pfeift.

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Nunes hat die Handwerker durch ein Lehrerkollektiv ersetzt. Das heißt, wir sehen ein verdientes, spielfreudiges, trainiertes Ensemble, das so tut, als bestünde es aus weitgehend talentlosen Individuen mit großer pädagogischer Sendung. Das ist schon mal sehr lustig, weil sich erste Bühnenmechanismen und -hierarchien sowie grundlegende Reflexionsgewinne bemerkbar machen, die mit milden Anflügen von Kränkungen und kurzen euphorischen Schwindelattacken einhergehen – Gender-, Correctness- und Triggerspäßchen eingeschlossen.

Dann aber rutschen wir ohne jedes Federlesen mitten hinein in die Ebene der adeligen Liebeswirrungen, die mit Zaubertränken an-, ab- und umgeschaltet werden. Und obwohl oder gerade weil die nun liebevoll kostümierten Lehrerpersonen mit ihren Marotten in den Figuren erkennbar bleiben, werden diese Figuren mit Leben und Glaubwürdigkeit erfüllt. Die Spielsituation wird in keiner Minute verraten, nur vielleicht mal mehr oder mal weniger betont, jede Spinnerei, jedes Einfällchen und jede Albernheit – von denen viel eingebracht und ausgespielt werden – bekommen auf diese Weise einen Daseinsgrund. Man darf sich also einfach über sie freuen, ohne sich fragen zu müssen, ob das zum Erkenntnisgewinn und zur exegetischen Tiefendurchdringung Shakespeares beiträgt.

Viele der Schauspieler kennen wir aus früheren Gorki-Zeiten: Fabian Krüger, Michael Klammer und Aenne Schwarz. Wie schön, sie befreit, freudvoll, souverän und wohlbeschäftigt wiederzusehen – im von privaten Verbindungen durchzogenen Sozialgefüge des Lehrkörpers, im irdisch-adeligen Liebesreigen und im auch in der nicht weniger stressigen, sinnlich-übersinnlichen Elfenwelt. Aber auch die anderen – Gala Othero Winter, Sven Schelker, Anne Haug, Hadodo Cornelius und für die Live-Musik Luzius Schuler – dürfen auf allen Ebenen ihre Individualität, ihre kindlich sportliche Gefallsucht, ihr Trieb-, Patz- und Schmatzbereitschaft verballern, weil sie sie einander zuspielen, statt sie einander zu missgönnen – oder wenn, dann nur ein bisschen.

Der Sommernachtstraum läuft noch einmal am heutigen Montag, 19 Uhr im Hebbel-Theater (HAU 1). Das Theatertreffen geht noch bis 29. Mai. Karten und Programm unter www.berlinerfestspiele.de

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