Einst wurde es "Wannsee des Nordens" genannt, so soll es wieder werden

Pläne für das Seen-Viertel

Claudia Fuchs
3 Min

ALT-HOHENSCHÖNHAUSEN. Dass sich Anwohner für ihren Kiez stark machen, ist in Berlin nicht ungewöhnlich. Dass sie aber zehn Millionen Euro für ihr Viertel zusammen bekommen wollen und auf der Suche nach Sponsoren im Ausland ihre Vorstellungen auch gleich auf Englisch formulieren, ist eher selten. Doch genau das hat der Ende 2005 gegründete "Förderverein Ober- und Orankesee" vor.Was sich die 60 Vereins-Mitglieder für das Viertel mit den beiden kleinen Seen in Alt-Hohenschönhausen ausgedacht haben, liest sich wie das Bauvorhaben eines potenten Investors: Da soll zunächst der gesamte Obersee saniert werden - Wasserablassen und Beseitigen des Schlamms inklusive. Vorgesehen ist auch, eine Sichtachse zwischen beiden Gewässern zu schaffen. Neue Bäume sollen gepflanzt, Naturlehrpfade angelegt werden. Zudem ist geplant, die Beleuchtung zu erneuern und die Straßen zu sanieren. Das Strandbad Orankesee soll ebenfalls überholt werden. Ebenfalls geplant: Atelierhäuser am See. Doch damit nicht genug: Sogar eine Wellness-Anlage schwebt den Vereinsmitgliedern dort vor. Außerdem soll eine alte Villa zu einem "Haus of Talents" umgebaut und gemeinsam mit dem denkmalgeschützten Mies-van-der-Rohe-Haus an der Oberseestraße, das heute als Kunsthaus dient, zu einem Campus für ausländische Studenten entwickelt werden. Ziel ist es, einen gemeinsamen Park mit beiden Seen zu schaffen. Bis 2011 soll das Projekt realisiert sein. Für den Vereinsvorsitzenden Jörg Ritter, der seit 13 Jahren im Viertel wohnt, liegen die Gründe für das Engagement klar auf der Hand. Dem Viertel, sagt der Unternehmensberater, gehe es zu gut, um vom Bezirk gefördert zu werden. Dabei gebe es viel zu tun: Die Straßen sind marode, die Seen verschmutzt und die Uferpromenaden defekt. "Das Gebiet ist es wert, erhalten und verschönert zu werden", sagt Ritter.Das Viertel wurde in den 1920er- und 1930er-Jahren auch als "Wannsee des Nordens" bezeichnet. Zu DDR-Zeiten galt es als Stasi-Quartier , weil in den Villen rund um die beiden Seen viele Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes lebten. Obwohl sich die Anwohnerschaft in den vergangenen Jahren verändert hat, sei das Viertel noch immer "stigmatisiert", sagt Ritter. Deshalb müsse nun eine Aufbauphase folgen. Auch im Ausland solle nach Sponsoren gesucht werden.Um Ideen für eine professionelle Neugestaltung des Gebietes zu sammeln - und dafür möglichst wenig Geld auszugeben - startet der Verein in sieben deutschen Universitäten am 23. März einen Studentenwettbewerb. Die Vorschläge, die dabei gesammelt werden, sollen Grundlage für weitere Diskussionen sein - und im Sommer bei einem Anwohnerfest vorgestellt werden.Lichtenbergs Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) ist des Lobes voll für das Engagement der Vereinsmitglieder. Ihr Auftreten sei "hoch professionell", und "sie haben schon manches zustande bekommen, was ich nicht geglaubt hätte". Sollten die Ideen umgesetzt werden, würde das das Gebiet deutlich aufgewertet. Der Bezirk selbst könne sich solche Investitionen derzeit nicht leisten. Geplant sei lediglich, die Ufer des Obersees zu entsiegeln.Und selbst wenn die Pläne des Vereins am fehlenden Geld scheitern sollten, sagt Geisel, gebe es dann viele Ideen für die gewünschte Entwicklung des Gebietes. "Das wäre in jedem Fall ein Fortschritt."------------------------------Grafik: Die Gegend um Oranke- und Obersee soll weiterentwickelt werden.

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