Einstige Vertraute von George W. Bush sind besorgt über den Verfall der Sitten im Weißen Haus

Obamas neuer Stil

Thomas Spang
3 Min

George W. Bush ist weg, und schon sind die Republikaner besorgt um die Moral in Washington. "Skandal, Skandal", warnt Bushs ehemaliger Stabschef im Weißen Haus, Andrew Card. Er ist besorgt um den Ruf des Präsidentenamts der Vereinigten Staaten. "Ich bin enttäuscht", ventiliert er seinen Ärger über den Frevel, den Barack Obama im Allerheiligsten des Präsidentensitzes beging. Und das auf dem sonnig-optimistischen Teppich, den er von seinem Vorgänger übernommen hatte!Nein, Monika Lewinsky kehrt nicht ins Weiße Haus zurück. Der streng gescheitelte Texaner Card regt sich auch nicht über Warnungen auf, die der Amtsinhaber leichtfertig ignorierte. Etwa, dass El Kaida in den USA zuschlagen will. Der formvollendete Card sorgt sich um Anstand und Etikette. "Kurze Ärmel, kein Hemd und Krawatte, keine Jacke", jammert er im US-Fernsehen über die Verrohung der Sitten unter Obama, der nichts gegen lockere Geschäftsgarderobe einzuwenden hat. Schockierender Beweis: ein Foto, das Obama ohne Anzugsjacke im Oval Office zeigt.Obamas rechte Hand im Weißen Haus, David Axelrod, juxte, dort sei es anders kaum auszuhalten. Der in Hawaii aufgewachsene Präsident möge es warm und drehe die Heizung auf Tropengrade auf. "Da können Sie Orchideen drin züchten."Card versteht da keinen Spaß. Im Weißen Haus mache sich "eine Atmosphäre wie in der Umkleidekabine" breit. Tatsächlich hätte es so etwas unter seinem Chef nie gegeben. George W. Bush beharrte nicht nur auf eine strikte Kleiderordnung, sondern hasste auch Unpünktlichkeit. Colin Powell fand sich einmal vor den verschlossenen Türen wieder, weil er ein paar Minuten zu spät kam.Auch anderen Bush-Vertrauten passen die Änderungen in Stil und Substanz nicht. Der ehemalige Strippenzieher im Weißen Haus, Karl Rove, findet, der neue Präsident mache mit seinem Konjunkturpaket alles nur schlimmer. Der frühere Justizminister Alberto Gonzales sorgt sich nach dem Folterverbot um die Moral des CIA. Und der frühere Vize-Präsident Dick Cheney warnt, mit der Schließung Guantanamos riskiere Obama die Sicherheit der Amerikaner.Präsidentschaftshistoriker Robert Dallek findet das Stänkern ziemlich einmalig. "Sie müssen großen Verteidigungsbedarf sehen", sagt er der New York Times. In ihrem Eifer werfen sie dabei selber alte Gepflogenheiten über Bord. Statt die neue Mannschaft erst einmal machen zu lassen, beschweren sich die Mitglieder der alten Administration kräftig. Nur George W. Bush bleibt still und bewahrt Stil. Wie im Oval Office, wo er vielleicht nicht erfolgreich, aber immer mit Anzug und Krawatte regierte.------------------------------Foto: Manchen etwas zu leger: Barack Obama.

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