Einstiger Betonwall als Andenken gefragt / Nur wenig blieb in Berlin übrig Berlin feierte noch einmal den Tag, an dem die Grenze aufging

Die Reste sind in der Welt verteilt

BLZ
3 Min

Die abgerissenen Betonteile der kr-Ilner Mauer finden sich halt überall in der Welt. Nur wenig von dieser Grenze blieb dort erhaben, wo sie die Erbauer In den märkischen Sand rammten.300 Mauersegmente -- 1,20 Meter breit, 3,60 Meter hoch -- ließ die letzte DDR-Regierung unter Lothar de Maiziere als Staatsgeschenke rund um den Globus verteilen. Zu den glück-Uchen Empfängern gehörte unter anderem die Enkelin des einstigen britischen Premier-Minlsters Winston Churchill. Sie bekam sechs Teile für eine Kunstausstellung in Westminster Coilege. Prompt bedient mit einem Stück Mauer wurden überdies die beiden früheren US-Präsidenten George Bush und Ronald Reagan. Selbst der Papst, der US-Geheimdienst CIA und das Hotel Metropole Palace in Monte Carlo sicherten sich Reste des Betonwalls. Die Andenkenhandier vom Brandenburger Tor und vom Checkpoint Charlie verscherbelten schließlich viele Tonnen Mauersteine an Touristen, die sich die betonierten Überreste des Kalten Krieges mit nach Hause nehmen wollten. Rund 310 000 Tonnen des Betonwalls wanderten, nachdem sie zermahlen wurden; als Baustaif in den Straßenbau der neuen Länder.Von der 155 Kilometer langen Mauer um den Westteii Berlins, davon 43 Kilometer innerstldtisch, sind heute knapp zwei Kilometer im Original erhalten und stehen unter Denkmalschutz. 210 Meter mißt der Betonwall an der Bemauer Straße zwischen den Bezirken Mitte und Wedding. Dort soll, wie berichtet, eine Mahn- und Gedenkstätte eingerichtet werden. Eine Rekonstruktion des Mauerstrelfens, die das Grauen der Grenze dokumentieren würde, ist bislang jedoch nicht geplant. Lediglich die noch erhalten gebliebenen Reste sollen in die Gedenkstätte eingebaut werden.Rund 200 Meter Mauer stehen noch am Invaiidenfriedhof zwischen den Bezirken Mitte und Tiergarten. Sie begrenzen den Friedhof an seiner westlichen Seite. Ein weiteres Stück des Betonwalls mit einer Länge von rund 150 Metern hat den Abriß an der Niederklrchnerstraße vor dem Preußischen Landtag überstanden. Das von Mauerspechten stark durchlöcherte, mehrere hundert Meter lange Denkmal trennte einst Mitte von Kreuzberg.Der längste noch erhalten gebliebene Abschnitt indet sich mit der rund 1,3 Kilometer langen East-Side-Gallery im Bezirk Friedrichshain unweit des Hauptbahnhofs. Dort haben sich 118 Künstler aus 21 Ländern mit Bildern verewigt. An der größten Leinwand der Hauptstadt beginnt es mittlerweile jedoch zu bröckeln und zu bröseln. Denkmaipfleger fordern deshalb zumindest einen Schutz der Gallery vor der Witterung. Am schwerwiegendsten sind die bereits an einigen Stellen gesichteten Korrosionsschäden. Was einst angeblich hundert Jahre stehen sollte, rostet jetzt bedrohlich vor sich hin: die Bewährungsstähle im Inneren der Mauerteile. Die Kosten für eine Sanierung beziffert Denkmalpfleger Hubert Staroste auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Ulrich Paul"Die Mauer wird In 50 und auch In 100 Jahren noch stehenbleiben." ERiCH HONECKER am 27. August 1999

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