BERLIN, 16. Mai. Kaum ist die Eishockey-Weltmeisterschaft zu Ende, das grandiose Ausscheiden der Deutschen bloß noch Erinnerung, da kommt auch schon Bewegung in die Deutsche Eishockeyliga (DEL), deren Klubs nur allzu gern an der Euphorie um das stark umjubelte deutsche Team partizipieren wollen. Weil die Bestandsaufnahme während der Titelkämpfe positiv ausfiel, und der Fan an sich immer noch mühelos für den rasend schnellen Sport auf dünnen Kufen zu begeistern ist, vermelden DEL-Klubs nun eilfertig Vollzug im Sinne des Nationalkaders: "Eisbären gehen mit 10 Deutschen in die neue Saison", telegrafiert beispielsweise Berlin-Hohenschönhausen.Der Neuigkeitswert jener Meldung liegt vor allem darin, dass der Text nicht hält was er verspricht. So ist der Mitteilung zu entnehmen, dass Torhüter Klaus Merk seinen Vertrag verlängert bekam, während der des anderen Keepers Alexander Jung aufgelöst wurde. Der Integration des Nachwuchses ist dies gewiss nicht förderlich. Merk ist 34 Jahre alt; Jung dagegen erst 22.Mindere PreisklasseZudem hatte Hans Zach, der Bundestrainer, bereits mit überaus scharfen Tönen angemahnt, dass es ohne junge Keeper mit dem Nationalteam einfach nicht vorangehen könne. Münchens Christian Künast und Mannheims Robert Müller, die während der Weltmeisterschaft spielten, sind qualitativ der minderen Preisklasse zugeordnet: Reservisten in den Klubs, doch in Ermangelung solider Alternativen international erste Wahl.Den Status eines begabten Reserve-Mannes hielt auch Alexander Jung inne. Ein paar DEL-Spiele lang vertrat er den routinierten Klaus Merk in der zurückliegenden Saison. Alsbald wurde er zum Liebling der Fans; zudem allenthalben als hoch talentiert eingeschätzt. Allein die Praxis fehle ihm noch, sagt Peter John Lee, der Manager der Eisbären: "Ein Spieler wie Alexander Jung muss sich entwickeln. Und dazu muss er die nötigen Spiele bekommen." Diverse Punkte darf sich Jung bei der Addition verlorener Spiele ankreiden. Die Möglichkeit zur Weiterentwicklung ist ihm bei den Eisbären nun nicht mehr gegeben. Offensichtlich scheint dem Klub das Risiko zu hoch, dem Spieler Praxis zu verschaffen. Die Suche nach einem neuen Keeper währt dennoch: Klaus Merk ist nämlich nur als zweiter Torhüter eingeplant.Zachs PlädoyerUnpopuläre Entscheide solcher Art treffen jedoch nicht allein die Eisbären. Mochte die Mitteilung des Klubs, mit mindestens zehn deutschen Spielern die Saison bestreiten zu wollen, angesichts der Trennung von Jung doppelzüngig erscheinen - Bundestrainer Hans Zach schlingert in der Torhüterfrage als Vereinscoach der Kassel Huskies ebenso: Die Nummer eins im Tor des DEL-Klubs heißt Chris Rogles und ist Amerikaner. Folgerichtig die Forderung Zachs, ausschließlich deutsche Keeper in der Liga einzusetzen: Seinem Klub soll kein Nachteil daraus erwachsen, geht es darum, das Nationalteam mit Hilfe der DEL wieder flottzumachen.Forderungen, die kaum tröstlich sind für einen wie Alexander Jung. Der muss jetzt nämlich sehen, wo er bleibt. Ein Angebot der Kassel Huskies liegt nämlich noch nicht vor.MARCO LEIPOLD Alexander Jung (l. ) wird Berlin verlassen. Klaus Merk bleibt im Team.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]