Die neue Eisenbahnbrücke über den Elbe-Havel-Kanal ist an ihrem Platz. Am Samstag, 22. August 2026, wurde das 900 Tonnen schwere Bauwerk zwischen Güsen und Zerben eingeschoben – ein technischer Kraftakt, den Hunderte Schaulustige an den Ufern verfolgten.
Für die Region ist das mehr als ein Spektakel: Die 103 Meter lange Stahlkonstruktion ersetzt eine Brücke aus dem Jahr 1950 und soll ein jahrelanges Nadelöhr für die Schifffahrt beseitigen. Rund 16 Millionen Euro flossen in das Projekt. Wer in Güsen, Zerben oder der Umgebung wohnt, profitiert gleich mehrfach: sicherere Fahrbedingungen auf dem Wasser und bald wieder rollende Züge.
Ein Schiff als Stütze: So lief der Einschub
Zentimeter für Zentimeter schob sich die Konstruktion über das Wasser. Als bewegliche Stütze für den Koloss diente dabei ein Schiff, das die Brücke langsam in Richtung des gegenüberliegenden Ufers trug.
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Der Einschub erfolgte in zwei Phasen. Zunächst wurde die Brücke längs über den Kanal geführt, anschließend quer gedreht, um die Position der alten Brücke einzunehmen und den Anschluss ans Schienennetz herzustellen. So erläuterte es Ralf Hammecke, Baubevollmächtigter beim Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg (WNA), der Volksstimme bereits vor dem Einschub.
Für die reine Verlegung plante das WNA einen Tag ein. Mit allen Vor- und Nachbereitungen rechnete die Behörde jedoch mit rund drei Wochen für den kompletten Brückentausch.
Warum diese Stelle zum Problem wurde
Die alte Brücke stammte aus dem Jahr 1950 und war nur 40 Meter lang. Über Jahre entwickelte sich der Abschnitt zu einem Engpass für die Schifffahrt. Genau das soll die neue Querung ändern. Mit dem Neubau verbessern sich die Fahrbedingungen auf der wichtigen Wasserstraße, und die Sicherheit steigt. Während der Arbeiten war der Elbe-Havel-Kanal für den Schiffsverkehr gesperrt.
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Die Brücke dient nicht dem Straßen-, sondern dem Bahnverkehr. Über die eingleisige Strecke beliefert das Betonwerk Leonhard Moll in Güsen die Deutsche Bahn mit Schwellen; leere Waggons kehren auf demselben Weg zurück.
Die Zahlen machen die Dimension deutlich. Die neue Stahlkonstruktion misst 103 Meter – mehr als das Zweieinhalbfache der 40 Meter langen Vorgängerin – und bringt 900 Tonnen auf die Waage. „Das ist eine ordentliche Größe, so etwas machen wir auch nicht jeden Tag“, sagte Rüdiger Richter, Sachbereichsleiter für Brücken und Wehre beim WNA, laut Volksstimme. Und weiter: „Das Bauwerk ist größer und schwerer als üblich, daher wird der Einschub technisch anspruchsvoller, aber nicht außergewöhnlich für uns.“ Das WNA übernahm auch die Konzeption des Neubaus, weil die Bahn dafür keine Kapazitäten hatte. Beteiligt waren zudem der Schachtbau Nordhausen sowie Echterhoff Bau, Zweigstelle Berlin.
Verzögerung durch Eis
Gestartet war das Projekt bereits Ende 2024. Eingeschoben werden sollte die Brücke ursprünglich im Februar 2026. Daraus wurde nichts. „Auf Grund der Witterung und des dadurch vereisten und gesperrten Kanals ist dies allerdings nicht möglich gewesen“, erklärte Rüdiger Richter der Volksstimme. In Absprache mit dem Betonwerk fiel die Wahl schließlich auf Ende August.
Doch die eigentliche Arbeit kommt erst noch, denn mit dem Einschub ist das Vorhaben nicht abgeschlossen. Im kommenden Jahr soll der Kanal an dieser Stelle erweitert werden. Dazu wird der Außenbereich unter der Brücke innerhalb von etwa einem Jahr Stück für Stück abgetragen und das Kanalbett verbreitert. Diese geplante Erweiterung erklärt auch, warum die neue Brücke so großzügig dimensioniert wurde.
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