Elon Musk braucht selten viele Worte, um das Internet zu beschäftigen. Am Donnerstag genügte ihm ein Satz. „Instagram is for girls“, schrieb der Unternehmer auf seiner Plattform X. Er antwortete dem Account Geiger Capital, der verkündet hatte, Instagram gelöscht zu haben. Die App sei von Natur aus weiblich und bringe keinen Nutzen, hieß es dort. Musks Antwort wurde mehr als eine Million Mal aufgerufen.
Neu ist der Satz nicht. Musk schrieb ihn schon im Mai, damals unter einen viel geteilten Beitrag über die Gewohnheiten von Instagram-Nutzern, von aufreizenden Selfies bis zu Fotos vom selbst gekochten Abendessen. Kurz darauf legte er nach. Manchmal schickten ihm erwachsene Männer ihre Instagram-Profile, und dann frage er sich, ob sie eine Transition durchliefen.
Der Satz über die Transition hat eine Vorgeschichte. Musks Tochter Vivian Jenna Wilson ließ 2022 Namen und Geschlechtseintrag ändern und brach mit dem Vater. Musk machte dafür später die „Woke-Kultur“ verantwortlich und kündigte an, das „Woke-Mind-Virus“ zu zerstören.
Die Reaktionen fallen auch diesmal gemischt aus. Ein Teil der Nutzer stimmt zu, ein anderer wirft Musk vor, Klischees zu bedienen. Im Mai hatte einer eine eigene App für Männer vorgeschlagen, Arbeitstitel „Brostagram“, wegen der Schmollmünder und der vielen Spiegel-Selfies. Ein anderer vermutete, Musk würde die Sache anders sehen, wenn ihm Instagram gehörte.
Der Rivale heißt Zuckerberg
Instagram gehört zum Meta-Konzern von Mark Zuckerberg, und die beiden Männer verbindet eine lange Rivalität. 2023 verabredeten sie sich öffentlich zu einem Käfigkampf, der nie stattfand. Im selben Jahr startete Meta den Kurznachrichtendienst Threads, der X direkt Konkurrenz macht.
Musk wiederum greift die Dienste von Meta regelmäßig an. Schon Anfang 2023 schrieb er, Instagram mache Menschen depressiv und Twitter mache sie wütend. WhatsApp bezeichnete er als unsicher und empfahl stattdessen den Chatdienst von X.
Anfang der Woche saßen Musk und Zuckerberg im Weißen Haus an einem Tisch. Mit US-Präsident Donald Trump und weiteren Tech-Chefs unterschrieben sie eine freiwillige Vereinbarung zur Künstlichen Intelligenz. Zwei Tage später folgte Musks Spitze gegen Instagram.
Washington stellt sich hinter X
Der Streit um die Plattformen wird längst auch zwischen Regierungen ausgetragen. Die EU-Kommission verhängte im Dezember vergangenen Jahres 120 Millionen Euro Bußgeld gegen X, die erste Strafe nach dem Digital Services Act (DSA). Brüssel beanstandete den käuflichen blauen Haken und mangelnde Transparenz bei Werbung und Forschungsdaten.
Musk forderte daraufhin, die EU abzuschaffen. US-Außenminister Marco Rubio sprach von einem Angriff auf alle amerikanischen Tech-Plattformen. Wenige Wochen später verhängte Washington Einreisesperren gegen fünf Europäer, darunter der frühere EU-Kommissar Thierry Breton. Die US-Regierung wirft Brüssel Zensur vor. Die Kommission entgegnet, das Gesetz solle das Internet für die Bürger der EU sicherer machen.
X und Musk klagen gegen das Bußgeld vor dem Gericht der EU in Luxemburg. Vergangene Woche beantragte das US-Justizministerium, beiden Verfahren als Streithelfer beizutreten. Die Kommission habe versucht, ihre Befugnisse auf amerikanische Unternehmen außerhalb ihrer Zuständigkeit auszudehnen, erklärte Brett Shumate vom Justizministerium. Die Kommission will ihre Entscheidung nach eigenen Angaben verteidigen.
Ob die USA zugelassen werden, muss das Gericht noch entscheiden. Es ist das erste Mal, dass eine Strafe nach dem DSA vor Gericht überprüft wird.
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