Eltern kritisieren: Zu lange und gefährliche Schulwege

Grundschule soll auf Halbinsel Alt-Stralau ziehen

Karin Schmidl
3 Min

Friedrichshainer Grundschülern drohen längere Wege: Das Bezirksamt will die 15. Grundschule von der Corinthstraße in die bisherige Schulfiliale, einen Neubau auf Alt-Stralau, verlagern. Eltern im Stralauer Kiez wehren sich gegen diese Pläne. Der Weg zur neuen Schule ist nach Überzeugung der Eltern insbesondere für die Erstklässler viel zu gefährlich. Denn die Sechsjährigen müssten die viel befahrene Markgrafenstraße passieren. Zudem beträgt die Strecke gut eineinhalb Kilometer. Ein weiteres Manko: Im Wohngebiet gibt es dann keine einzige Grundschule mehr. "Wir befürchten, dass künftig noch weniger Familien zu uns ziehen, sagt Angelika Kalus, Elternvertreterin in der benachbarten Kita. Der Stralauer Kiez gilt als ärmstes Wohngebiet des Bezirks. Nirgendwo in Friedrichshain leben mehr Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose. In den vergangenen fünf Jahren zog ein Viertel der Bewohner weg, vor allem Familien verließen das Areal zwischen Stralauer Allee, Warschauer und Markgrafenstraße. In jüngster Zeit sind wieder Zuzüge zu verzeichnen vor allem junge Leute, die citynah wohnen wollen, mieten sich in den sanierten Altbauten am Rudolfplatz ein. In der Grundschule Corinthstraße wurden fürs kommende Schuljahr aber nur 40 Erstklässler angemeldet, früher waren es jährlich rund hundert."Wir stehen mit unseren Überlegungen ganz am Anfang", sagt Schulstadtrat Dieter Hildebrandt (PDS). Aber auf die Entwicklung der Schülerzahlen müsse man reagieren: Mit der 14. Grundschule an der Niemannstraße, der 15. an der Corinthstraße und der neuen Grundschule auf Alt-Stralau gebe es ab September drei Nachbar-Schulen mit je nur einer ersten Klasse, das sei nicht zulässig. Auf Alt-Stralau erwarte man zudem ein größeres Zuzugspotenzial, denn dort seien erst ein Drittel aller geplanten Wohnungen fertig. Daher denke man daran, die Einzugsbereiche für die Schulen neu zu ordnen: Die Kinder, die direkt am Rudolfplatz und westlich davon wohnten, könnten die 14. Grundschule besuchen. Für die anderen stünde mit der Schule auf Alt-Stralau "die schönste und modernste Schule des Bezirks" zur Verfügung. Dass der Weg dorthin für kleinere Kinder gefährlich ist, sieht der Stadtrat auch: "Wir müssen uns mit dem Entwicklungsträger auf Stralau und mit unserem Tiefbauamt alle Kreuzungen und Straßen genau angucken und gemeinsam zu einer Lösung kommen", sagt er. Konfliktfrei sei kaum ein Schulweg im Bezirk.Auch den längeren Schulweg hält der Schulstadtrat für verträglich: "Die Bezirksverordneten haben Anfang der 90er-Jahre beschlossen, dass Kinder es nicht weiter als zwei Kilometer bis zur Grundschule haben sollen." Eine gesetzlich vorgeschriebene Maximalentfernung gibt es laut Senatsschulverwaltung ohnehin nicht.Die 80-jährige Grundschule an der Corinthstraße will der Bezirk aber nicht aufgeben. "Dort könnte die benachbarte Realschule endlich die Räume bekommen, die ihr fehlen", schlägt Hildebrandt vor. Und das schulpraktische Seminar für Sonderpädagogik könnte aus Kreuzberg herziehen. "Wir sammeln jetzt alle Argumente für und gegen einen Schulumzug", sagt der Stadtrat. Heute Abend gibt es dazu ein Gespräch zwischen Elternvertretern und Bezirkspolitikern."Wir haben Angst, dass unser Kiez ohne Grundschule verödet. " A. Kalus, Anwohnerin

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner