Venedig liebt die große Geste: meterweise Seide, nackte Rücken, Roben, die mehr nach Skulptur als nach Kleidung aussehen. Emilia Schüle entscheidet sich beim Fototermin für „The Girl with the Leica“ für das Gegenteil – und fällt gerade deshalb auf.
Jeans mit aufgesetzten Patches, ein besticktes Top aus fließendem Seidenkrepp, ein schwarzer Medaillengürtel und Dior-Pumps mit Initialen: Das ist kein klassisches Festival-Outfit, sondern eine sehr bewusst gesetzte Provokation. Der Look zitiert das Negligé – das sie zur Premiere trug – ohne sich dessen Sinnlichkeit voll hinzugeben. Er ist lässig und luxuriös zugleich, zwischen Schlafzimmerfantasie und morgendlichem „Coffee Run“ in der Großstadt.
Für den Fototermin zu „The Girl with the Leica“ trägt Schauspielerin Emilia Schüle eine Jeans mit Patches, ein besticktes Oberteil aus Seidenkrepp, dazu einen schwarzen Medaillengürtel und Dior-Pumps mit Initialen.
© IMAGO
Emilia Schüle macht es sich auf dem roten Teppich in Venedig nicht leicht. Statt Abendgarderobe macht sie eine Ansage. Während andere Stars auf maximale Roben-Dramatik setzen, entscheidet sich Schüle für Kontrast – für eine Silhouette, die seit Jahrzehnten Rebellion mit Coolness verbindet. Gerade diese Spannung macht den Dior-Look so stark. Das Seidentop bringt Glanz, die Pumps liefern die erwartete Eleganz, der Gürtel setzt ein klares Luxuszeichen. Die Jeans erden das Ensemble, nehmen ihm aber nicht die Präzision.
Emilia Schüle: Berliner Stil auf dem Red Carpet in Venedig
Dass sie sich das als Berlinerin traut, passt perfekt. Berliner Stil will nicht um jeden Preis gefallen und verwechselt Eleganz nicht mit Anpassung. Schüle zeigt: Man kann auf einem der glamourösesten roten Teppiche der Welt stehen, ohne sich in eine Prinzessinnenrobe zu zwängen. Ihr Outfit hat Haltung, ein bisschen kühle Distanz und genau die richtige Portion Übermut. Es feiert Mode als Spiel mit Regeln – und als Vergnügen daran, sie mit perfektem Timing zu umgehen.
Berliner Stil nennen kann man das, sofern damit nicht die abgenutzte Vorstellung von Schwarz, Club und demonstrativer Gleichgültigkeit gemeint ist. Berliner Stil kann auch heißen: ein gutes Stück nicht ehrfürchtig behandeln. Couture nicht auf einen Sockel stellen, sondern mit Denim, Patina und Alltagsattitüde konfrontieren.
Zur Premiere kam Schüle im Seidenkleid im Negligé-Stil, kombiniert mit schwarzen Schleifensandalen. Gelungen!
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Zumal der Look zum Anlass passt. „The Girl with the Leica“ erzählt von Gerda Taro, der deutsch-jüdischen Fotografin und Antifaschistin, die aus Leipzig ins Pariser Exil floh und den Spanischen Bürgerkrieg mit ihrer Kamera dokumentierte. Emilia Schüle spielt die Frau, die als erste Fotojournalistin an einer Front ums Leben kam – und die lange vor allem als Gefährtin Robert Capas erinnert wurde.
Regisseurin Alina Marazzi rückt Taro dagegen als eigenständige politische Künstlerin, Exilantin und junge Frau in den Mittelpunkt. Die Geschichte spielt an Taros letztem Tag in Paris vor ihrer Rückkehr an die spanische Front; Erinnerung und Gegenwart verschränken sich dabei.
Bestangezogene Filmcrew? Klares Ja von uns! Lia von Blarer, Lucas Englander, Emilia Schüle, Sebastian Schneider und Luna Wedler bei der Premiere des Kinofilms „Das Mädchen mit der Leica“ in Venedig.
© IMAGO/Dave Bedrosian
An Schüles Seite spielt Aaron Altaras Robert Capa, den Fotografen, mit dem Taro beruflich wie privat verbunden war. Zur internationalen Besetzung gehören außerdem Luna Wedler, Lucas Englander, Thomas Schubert, Lia von Blarer, Sebastian Schneider, Idan Weiss, Hans-Christian Hegewald, Jeremy Mockridge und Joel Basman.
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Der Film, lose nach dem Roman von Helena Janeczek entstanden, eröffnet bei den Filmfestspielen von Venedig die Sektion Orizzonti. Dass Schüle dafür nicht in einer historischen Rekonstruktion, sondern in einem zeitgenössischen Dior-Look erscheint, ist auch eine kluge Pointe: Gerda Taro war keine Figur aus dem Museum. Sie war jung, modern, politisch – und wusste, dass Bilder Haltung transportieren.
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