Flugverkehr

Emirates stoppt Berlin-Pläne – und ein Insider spricht von Pfusch beim Abkommen

Erst gefeiert, jetzt auf Eis: Emirates fliegt vorerst nicht von Dubai zum BER. Es gibt Streit über die Auslegung des Abkommens und harte Auflagen.

5 Min
Bislang kommt Emirates nur zur Luftfahrtausstellung ILA in die Hauptstadt-Region. Ein Airbus A380 der Airline steht auf dem Ausstellungsgelände bei Schönefeld.

Bislang kommt Emirates nur zur Luftfahrtausstellung ILA in die Hauptstadt-Region. Ein Airbus A380 der Airline steht auf dem Ausstellungsgelände bei Schönefeld.

© Ardan Fuessmann/imago

Mehr als zwei Jahrzehnte hat Emirates dafür gekämpft, nach Berlin fliegen zu dürfen. Im September kam der Durchbruch, das Luftfahrtabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wurde ergänzt. Doch jetzt kam die kalte Dusche für alle, die auf eine baldige neue Langstreckenverbindung zum BER gehofft hatten.

Emirates-Chef Tim Clark sprach aus, was Branchenkenner bereits befürchtet hatten. „Wir werden im Moment nicht nach Berlin fliegen“, sagte er am Mittwoch während der Luftfahrtkonferenz World Routes in Frankfurt am Main. Das berichtete das Handelsblatt am Donnerstag.

Grund sei, dass beide Seiten einige Formulierungen der im September getroffenen Vereinbarung unterschiedlich auslegen. Clark sagte in Frankfurt, es müsse sichergestellt werden, dass der Geist der Vereinbarung und die Übersetzung korrekt seien. Erst wenn Klarheit herrsche, werde Emirates die deutsche Hauptstadt anfliegen.

Euphorie im September – Ernüchterung im Oktober

Etwas mehr als einen Monat, nachdem VAE-Präsident Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan Berlin besuchte, ist Ernüchterung eingetreten. Während der Visite Mitte September wurde vereinbart, dass der Golfstaat wie gewünscht weitere Flugverkehrsrechte in Deutschland erhält. Beobachter hofften, dass Emirates Airways die neuen Möglichkeiten nutzt und Berlin in das Liniennetz aufnimmt.

Derzeit fliegt Emirates nach Frankfurt am Main, München, Hamburg und Düsseldorf. Die Ergänzung des 1994 besiegelten Abkommens würde es ermöglichen, dass die Airline mit dem BER einen fünften Airport ansteuert. Zwar gibt es mit Eurowings und Condor bereits andere Fluggesellschaften, die Berlin mit der Region am Golf verbinden. Doch der Anschluss ans Emirates-Netz würde die Verbindungen verbessern.

Doch schon kurz nach dem Staatsbesuch im September wurde bekannt, dass weitere Schritte nötig sind, damit Emirates zum BER fliegen darf. Und es wurde klar, dass man das Abkommen genau lesen sollte.

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Föderation VAE: So einfach ist die Sache nicht

Zunächst einmal: Eine bestimmte Fluggesellschaft wurde wie berichtet in der Vereinbarung nicht genannt. Emirates, im Emirat Dubai ansässig, ist in den VAE nicht die einzige große Airline. Im Emirat Abu Dhabi, wo auch die Hauptstadt der Föderation liegt, hat Etihad Airways seinen Sitz. Diese Airline steuert in Deutschland derzeit Frankfurt am Main, München und Düsseldorf an. Dem Vernehmen nach zeigte auch Etihad Interesse an Berlin.

Eine weitere Erkenntnis: „Die VAE sind, wie der Name schon sagt, eine Föderation“, erklärte ein Gesprächspartner der Berliner Zeitung. Der Staat ist ein Zusammenschluss von sieben Emiraten. Die Bundesluftfahrtbehörde müsste sich nun mit regionalen Behörden abstimmen. Bevor das Abkommen umgesetzt werden kann, stünden in den Emiraten wichtige Verfahrensschritte sowie Anhörungen an.

Ebenfalls im September wurde berichtet, dass die Erweiterung der Verkehrsrechte auf einen fünften Flughafen in Deutschland mit Beschränkungen auf den übrigen vier Airports verbunden ist. Zwar dürfte Emirates zwischen Dubai und dem BER siebenmal pro Woche hin- und zurückfliegen. Doch auf den anderen deutschen Flughäfen müsste die Zahl der Flüge auf dem heutigen Stand eingefroren werden.

Staatsbesuch am 10. September 2026 in Berlin: <a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/emirates-gegen-lufthansa-staatsbesuch-koennte-den-ber-voranbringen-10359636">VAE-Präsident Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan </a>trifft Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Staatsbesuch am 10. September 2026 in Berlin: VAE-Präsident Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan trifft Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

© dts Nachrichtenagentur/imago

Für Emirates hieße dies konkret, dass die Airline anderswo in Deutschland nicht mehr wachsen dürfte – und zwar auf unabsehbare Zeit. Zusätzliche Flüge etwa auf den stark genutzten Routen zwischen Dubai und Frankfurt am Main oder München wären künftig unmöglich.

Eine weitere Beschränkung wäre, dass Emirates nicht mehr wie früher von Deutschland aus andere Destinationen als die VAE ansteuern dürfte, zum Beispiel die USA. Bisher hat die Airline die sogenannten Verkehrsrechte der fünften Freiheit auch hierzulande genutzt, zum Beispiel mit Verbindungen von Dubai über Hamburg nach New York.

Eine bittere Pille für Berliner Lokalpatrioten

Gut möglich, dass sich die Fluggesellschaft durch die Restriktionen zu sehr eingeschränkt fühlt. Dass sich die Debatte über das seit Wochen bekannte Thema jetzt so zuspitzt, ist auch eine bittere Pille für Lokalpatrioten – und für all jene, die Impulse für die Wirtschaft in der Hauptstadtregion und im übrigen Ostdeutschland erhofft hatten.

Denn klar wird: Der Nutzen, den Berlin Emirates bescheren könnte, kann die Effekte der Einschränkungen auf anderen deutschen Flughäfen offenbar nicht aufwiegen. Offensichtlich hält die Airline Entwicklungsmöglichkeiten anderswo für wichtiger, als das weniger lukrative Berlin in ihr Liniennetz zu integrieren. Auch eine staatliche Airline wie Emirates schaut genau auf die Gewinnerwartungen.

Ein Business-Class-Sitz im Emirates-A380 ist zum vollständig flachen Bett ausgefahren. Kopfkissen, Decke und ein Amenity-Kit liegen bereit, während der Bildschirm den Emirates-Slogan zeigt.

Ein Business-Class-Sitz im Emirates-A380 ist zum vollständig flachen Bett ausgefahren. Kopfkissen, Decke und ein Amenity-Kit liegen bereit, während der Bildschirm den Emirates-Slogan zeigt.

© Ardan Fuessmann/imago

Zeigt sich nun erneut, dass Berlin als Business-Destination eine untergeordnete Rolle spielt – was die Nachfrage nach höheren Komfortklassen und damit die Profitabilität negativ beeinflusst? Haben Frankfurt und München Emirates Angebote unterbreitet, die das Unternehmen nicht ablehnen konnte? Haben Lufthansa-Fürsprecher im Abkommen Fallstricke ausgelegt? Die deutsche Airline, aber auch Gewerkschaften haben die Vereinbarung mit den VAE kritisiert.

„Mein Eindruck aus den Gesprächen ist eher, dass es handwerklich nicht sauber gemacht wurde“, so kommentierte ein Gesprächspartner der Berliner Zeitung die Vereinbarung. „Scheint ja generell ein Thema bei der Regierung zu sein, siehe Tabaksteuer …“ Das Resultat sei jedenfalls klar: „Unzufriedenheit auf allen Seiten“.

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