Glitzer, Blitzlicht und eine ordentliche Portion Nervosität: Am Montagabend versammelte sich die amerikanische Fernsehbranche im Peacock Theater at L.A. Live in Los Angeles zur 78. Verleihung der Emmy Awards, moderiert von „Law & Order: SVU“-Star Mariska Hargitay – als erste Frau seit Jane Lynch im Jahr 2011. Die Emmys sind der wichtigste Fernsehpreis der Welt und zeichnen einmal im Jahr die besten Serien, Shows und Schauspielleistungen der US-Fernseh- und Streamingbranche aus.
Gefeiert wurde in diesem Jahr vor allem eine Serie: Die Apple-TV-Horrorkomödie „Widow's Bay“ räumte ab und stellte mit 14 Auszeichnungen einen neuen Rekord für eine Comedyserie in einer Saison auf. Hauptdarsteller Matthew Rhys schrieb Geschichte: Er gewann sowohl als bester Hauptdarsteller in einer Miniserie „The Beast in Me“ als auch in der Comedy-Kategorie – und ist damit der erste Schauspieler überhaupt, der in einem Jahr zwei Hauptrollen-Emmys holt.
Bei den Dramen verteidigte Noah Wyle seinen Titel für „The Pitt“, während Jean Smart für „Hacks“ ihren fünften Emmy als beste Comedy-Hauptdarstellerin entgegennahm. Rhea Seehorn gewann für „Pluribus“ ihren allerersten Emmy, und Michael J. Fox erhielt unter langen Standing Ovations den Bob Hope Humanitarian Award.
Doch bevor die Trophäen verteilt wurden, ging es auf dem roten Teppich um etwas anderes: Die Stars zeigten sich in einer schillernden Bandbreite an Looks. Von Zendaya bis Nicole Kidman – wir haben die schönsten – und die fragwürdigsten – Auftritte des Abends gesammelt.
Top: Schauspielerin Zendaya ist längst für ihre glänzenden modischen Red-Carpet-Auftritte bekannt – am Emmy-Abend nahm sie das ziemlich wörtlich und erschien in einer funkelnden Robe von Prada mit dezenter Schleppe und V-förmigem Rückenausschnitt. Dazu trug die 30-Jährige zurückhaltenden Schmuck und verströmte damit echte Hollywood-Aura.
Für Zendayas Verhältnisse ein wenig gewagter Look – doch für den gewissen Überraschungsmoment sorgte ohnehin ihr neuer Pixie-Cut. Zuletzt hatte die Schauspielerin bereits auf einen kurzen Bob gesetzt – nun also noch kürzer. Dank des Kurzhaarschnitts wirkt ihr Emmy-Auftritt weder altbacken noch kitschig.
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Flop: Es war ein goldener Auftritt – zumindest rein faktisch betrachtet. Die „Hacks“-Darstellerin Megan Stalter kam von Kopf bis Fuß in Gold, mit gewaltigen vergoldeten Flügeln, goldenem Crop-Top, Shorts und einer überdimensionierten Atomkugel über dem Kopf. Stalter erschien als das, was sie gern mit nach Hause genommen hätte – als Emmy-Statuette. Der Look ist natürlich mehr Witz als ernst gemeinte Mode.
Und genau dafür kann man Stalter Respekt zollen: Es gehört einiges dazu, sich an einem Abend voller tadellos gestylter Gäste selbst zur Witzfigur zu machen. Neu ist die Methode nicht – Stalter kam schon als Diet-Coke-Dose und als Kaffeebecher. Nominiert war sie erstmals als beste Nebendarstellerin in einer Comedyserie; gewonnen hat Kate O'Flynn für „Widow's Bay“. Wer die Trophäe vorsichtshalber selbst umschnallt, kann den Abend nicht verlieren.
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Handwerklich einwandfrei – doch der Cremeton lässt Kidman ein wenig blass aussehen. In Kombination mit dem betont verwuschelten Haar weckt die Blütenverzierung zudem eine unglückliche Assoziation: gerade aufgestanden, und die Füllung eines aufgeplatzten Federkopfkissens ist hängen geblieben. Leider – rein modisch – kein gekonntes Comeback. Da hilft auch die Chanel-Aura nicht mehr.' class='w-full h-full object-cover cursor-pointer' loading='lazy' data-original-url='' data-caption='Flop: Nach neun Jahren Pause kehrte Nicole Kidman zu den Emmys zurück – als ausführende Produzentin der nominierten Serie „Margo's Got Money Troubles“. Doch modisch schien sie noch nicht ganz angekommen. Dabei trug die 59-Jährige nichts Geringeres als ein maßgeschneidertes, cremeweißes Chanel-Kleid, das in Modekreisen quasi einer Adelung gleichkommt. Das Etuikleid zeichnet sich durch einen langen Bleistiftrock und eine markante Schulterpartie aus, die mit plastischen Seidenkrepp-Blüten verziert ist.
Handwerklich einwandfrei – doch der Cremeton lässt Kidman ein wenig blass aussehen. In Kombination mit dem betont verwuschelten Haar weckt die Blütenverzierung zudem eine unglückliche Assoziation: gerade aufgestanden, und die Füllung eines aufgeplatzten Federkopfkissens ist hängen geblieben. Leider – rein modisch – kein gekonntes Comeback. Da hilft auch die Chanel-Aura nicht mehr.' data-source='IMAGO/CHRIS CHEW' />
Flop: Nach neun Jahren Pause kehrte Nicole Kidman zu den Emmys zurück – als ausführende Produzentin der nominierten Serie „Margo's Got Money Troubles“. Doch modisch schien sie noch nicht ganz angekommen. Dabei trug die 59-Jährige nichts Geringeres als ein maßgeschneidertes, cremeweißes Chanel-Kleid, das in Modekreisen quasi einer Adelung gleichkommt. Das Etuikleid zeichnet sich durch einen langen Bleistiftrock und eine markante Schulterpartie aus, die mit plastischen Seidenkrepp-Blüten verziert ist.
Handwerklich einwandfrei – doch der Cremeton lässt Kidman ein wenig blass aussehen. In Kombination mit dem betont verwuschelten Haar weckt die Blütenverzierung zudem eine unglückliche Assoziation: gerade aufgestanden, und die Füllung eines aufgeplatzten Federkopfkissens ist hängen geblieben. Leider – rein modisch – kein gekonntes Comeback. Da hilft auch die Chanel-Aura nicht mehr.
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Top: Selena Gomez setzte auf ein goldenes, trägerloses Louis-Vuitton-Kleid, figurbetont und über die gesamte Länge mit Spiegel-Mosaiken besetzt. Auf den ersten Blick ist es zunächst einmal: viel. Doch Gomez präsentiert die Robe mit einer solchen Gelassenheit, dass genau diese Opulenz richtig wirkt. Der Teufel liegt bekanntlich im Detail, und hier liegt er goldrichtig: Die kleinen Spiegel sind so präzise gesetzt, dass sie der Silhouette folgen, statt sie zu überstrahlen. Das unterscheidet Couture-Handwerk von Partyausstattung.
Dazu Tiffany-Ohrringe in Gold und Diamant, Cocktailringe, offen fallende Haare und ein minimalistisches, leuchtendes Make-up – alles bewusst reduziert, damit das Kleid seine Arbeit machen kann. Top! Dass Selena Gomez überhaupt auf dem roten Teppich stand, hatte einen konkreten Grund: „Only Murders in the Building“ ist in diesem Jahr fünffach nominiert, unter anderem als beste Comedyserie – selbst nicht als Darstellerin nominiert, ist Gomez ausführende Produzentin der Serie und kam, um mit dem Cast zu feiern.
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Top: An jedem Award-Abend braucht es jemanden, der das Risiko übernimmt. Auf dem diesjährigen Emmy-Teppich kam diese Rolle Colman Domingo zu, der dem klassischen schwarzen Smoking schlicht den Abend freigab. Der Anlass war ein doppelter: Domingo ging als zweifach Nominierter ins Rennen – als bester Nebendarsteller in einer Comedyserie für „The Four Seasons“ und als bester Gastdarsteller für „Euphoria“. Dafür setzte er auf ein farbenfrohes Ensemble von Valentino: terracottafarbene Jacke, pinkfarbenes Hemd, Mini-Fliege, magentafarbene Schärpe, elfenbeinfarbene Hose, weiße Boots – eine Aufzählung, die eigentlich nicht zu einem so guten Look führen sollte. Tut sie aber.
Der Grund liegt in der Präzision. Der Stehkragen strukturiert die Silhouette von oben, die helle Hose hält sie unten ruhig, und die Schärpe markiert exakt die Taille – gehalten von einer gewichtigen Boucheron-Brosche, gefertigt aus grünen Turmalinen, Diamanten und grünem Lack in 18-karätigem Weißgold. Ein Detail, das den ganzen Look von „bunt“ zu „kuratiert“ hebt. Kurz: Domingo beweist, was Männermode auf dem roten Teppich könnte, wenn sie wollte.
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Flop: Schauspielerin Florence Pugh feierte am Peacock Theater ihr Emmy-Debüt – nicht als Anwärterin, sondern als Präsentatorin. Gemeinsam mit Julia Garner überreichte sie den Preis für die beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie an Rhea Seehorn. Modisch aber kam sie an wie die Hauptfigur eines Märchens – und das ist leider nicht als Kompliment gemeint.
Die Zutatenliste liest sich wie das Casting für eine Disney-Realverfilmung: eine maßgefertigte Robe von Vivienne Westwood unter Kreativdirektor Andreas Kronthaler in zartem Flieder, mit dem hauseigenen Korsett-Oberteil, hochgeschnittenem A-Linien-Rock, langer Schleppe, paillettenbesetztem Transparent-Überrock und dramatischen Tüllärmeln, die von den Schultern fallen. Dazu eine Diamantkette von Bulgari samt passendem Ring in Roségold mit rosa und grünen Steinen und eine bewusst zerzauste, spitz aufgesteckte Hochsteckfrisur. Genau hier liegt das Problem: Jedes Element für sich ist schön, zusammen ergeben Tüll, Pastell, Glitzer, Korsage und Diamantcollier aber eine Überdosis Romantik. So bleibt ein Auftritt, der nach Schlossball aussieht, wo Fernsehpreis draufstand.
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