Doch ein Thema sorgt auf den Rängen zunehmend für Reibung: das Rauchen. Eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag der Haypp Group unter 3.500 Fußballfans in Deutschland zeigt, wie tief der Konflikt reicht – und wie pragmatisch die Fans ihn lösen wollen.
Eine Tribüne, zwei Perspektiven
27,0 Prozent aller Fans fühlen sich grundsätzlich durch Zigarettenrauch gestört. Unter Nichtrauchenden sind es 33,5 Prozent, in der Enge der Tribünen steigt der Wert auf 56,8 Prozent. Besonders sensibel reagieren Fans beim Essen und Trinken (42,5%) und in der Nähe von Kindern (39,3%). Auf der anderen Seite steht eine gewachsene Gewohnheit: Für 59,3 Prozent der rauchenden Fans gehört die Zigarette zur Fankultur. Entsprechend weit liegen die Erwartungen auseinander. Während 57,1 Prozent der Nichtrauchenden das Rauchen nur in ausgewiesenen Bereichen für angemessen halten, teilen lediglich 22,6 Prozent der Rauchenden diese Ansicht. Das Ergebnis: Im ligaweiten Durchschnitt bewerten nur 35,7 Prozent der Nichtrauchenden das Verhalten auf den Rängen als rücksichtsvoll. Am besten schneiden Hannover 96 (53%), der 1. FC Union Berlin (51%) und Werder Bremen (48%) ab.
„Während das Rauchen aus vielen Räumen des öffentlichen Lebens verschwunden ist, gehört es beim Stadionbesuch für viele noch immer dazu", so Janina Mütze, Geschäftsführerin und Gründerin des Marktforschungsunternehmens Civey. „Gleichzeitig zeigen unsere Daten eine deutliche Wahrnehmungslücke: Rauchende halten sich selbst für wesentlich rücksichtsvoller, als Nichtrauchende sie erleben. Für die Vereine ist das ein klarer Handlungsauftrag, denn wo Wahrnehmungen so weit auseinanderliegen, braucht es Vermittlung und gegenseitige Rücksichtnahme."
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Der Preis pro Zigarette: verpasste Tore
Auch für Rauchende selbst hat der Gang nach draußen einen Preis. 23,5 Prozent geben an, bereits entscheidende Spielszenen verpasst zu haben, weil sie ihren Platz verlassen mussten. Bei den 30- bis 39-Jährigen liegt dieser Wert sogar bei 56,7 Prozent.
Raucher im Stadion
© Haypp
Fans wollen Steuerung, keine Verbote
Bemerkenswert ist, wie klar die Fans radikale Lösungen ablehnen. Nur 25,0 Prozent befürworten ein komplettes Rauchverbot im Stadion. 39,6 Prozent sprechen sich stattdessen für räumlich klar definierte Bereiche aus, 48,6 Prozent halten gut erreichbare Raucherzonen für die wirksamste Maßnahme. Nur 15,2 Prozent halten es für angemessen, Sitznachbarn vorher um Erlaubnis zu fragen – den Rahmen erwarten Fans also vom Betreiber, nicht von der Absprache untereinander.
Drei Hebel für Clubs und Stadionbetreiber
- Infrastruktur: zentrale, gut erreichbare Raucherzonen statt abgelegener „Strafzonen" – und konsequent rauchfreie Familienblöcke. Rücksicht auf Kinder ist für 53,2 Prozent der Fans oberste Priorität.
- Kommunikation: Regeln, die auf Respekt statt auf den erhobenen Zeigefinger setzen – etwa zur Entsorgung von Zigarettenresten (50,2%) oder zum Verzicht im Gedränge (48,4%).
- Alternativen: rauchfreie Nikotinprodukte als geruchs- und emissionsfreie Brückenlösung. 11,3 Prozent der Rauchenden nutzen sie bereits im Stadion, um dem Spiel ohne Unterbrechung folgen zu können.
Emotionen teilen ohne dicke Luft
Markus Lindblad von Haypp ordnet ein: „Die Daten zeichnen das Bild einer Fankultur im Umbruch: Die Akzeptanz für uneingeschränktes Rauchen schwindet, die emotionale Bindung an die Zigarette bleibt bei den Rauchenden hoch. Wer diesen Spagat gestalten will, kommt mit Verboten nicht weit – wohl aber mit kluger Zonierung, klarer Kommunikation und zeitgemäßen Alternativen. Das Ziel ist ein Stadionerlebnis, bei dem der Sport im Mittelpunkt steht und jede Sekunde des Spiels für alle ungestört erlebbar bleibt.”
Zur Studie: Civey befragte im Auftrag der Haypp Group während des Saisonfinals der Bundesliga-Saison vom 15.04. bis 18.05.2026 online 3.500 Fußballfans in Deutschland sowie eine Teilstichprobe von 500 rauchenden Fans.