Der geplante Kali-Abbau im Ohmgebirge scheint endgültig vor dem Aus zu stehen. Nach Angaben der Bürgerinitiative „Eichsfeld-Wipperaue – für eine saubere Umwelt und eine lebenswerte Heimat“ hat sich Südharz Kali von Thüringen abgewandt und die Pläne zur Förderung des Düngemittelrohstoffs aufgegeben. Sprecher Wolfgang Barthel erklärte, dass die Umfirmierung der australischen Mutterfirma South Harz Potash zeige, dass das Projekt „von Anfang an auf Sand gebaut“ gewesen sei. Öffentlich zugängliche Finanzberichte untermauerten diese Einschätzung.
Barthel kritisierte, dass sowohl Politiker als auch kommunale Gremien dem Unternehmen zu viel Vertrauen entgegengebracht hätten. Alles hätte kritischer, transparenter und unabhängiger geprüft werden müssen, forderte er. Die Bürgerinitiative, die sich seit Bekanntwerden des Projekts vehement gegen den Kali-Abbau ausgesprochen hatte, sieht sich durch das endgültige Scheitern des Vorhabens bestätigt. Hauptsorge war die mögliche Beeinträchtigung von Umwelt und Lebensqualität in der Region.
Die Pläne von Südharz Kali hatten in Bernterode und anderen Orten des nordthüringischen Eichsfelds große Proteste ausgelöst. Vorgesehen war, jährlich 4,5 Millionen Tonnen Rohsalz abzubauen. Doch die Dimensionen des Projekts und seine möglichen Auswirkungen sorgten für Unruhe. Besonders die geplanten oberirdischen Produktionsanlagen wurden von den Einwohnern kritisch gesehen.
Die Treuhand und das Ende des DDR-Kalibergbaus
Der Widerstand gegen das Bergwerk erreichte seinen Höhepunkt bei Demonstrationen und öffentlichen Kundgebungen, bei denen ein Großteil der Dorfbewohner aktiv mitwirkte. Sprecher Wolfgang Barthel machte deutlich, dass die Region den Strukturwandel nach dem Ende des Kalibergbaus in den 1990er-Jahren erfolgreich gemeistert habe. „Heute setzen wir auf Tourismus. Gruben hat hier niemand mehr auf dem Schirm“, sagte Barthel.
Die Proteste gegen den neuen Kali-Abbau wecken Erinnerungen an den Niedergang der DDR-Kali-Industrie, der Anfang der 1990er-Jahre ein bitteres Ende fand. Besonders prägend war der Hungerstreik der Bergleute im Kaliwerk Bischofferode, einem Nachbarort von Bernterode, der deutschlandweit Aufmerksamkeit erregte. Trotz des wochenlangen Widerstands wurden die Werke durch die Treuhand geschlossen – zahlreiche Menschen verloren ihre Arbeit.
Heute finden sich im Eichsfeld kaum noch Spuren der einst florierenden Kali-Industrie. Die Region hat sich wirtschaftlich neu ausgerichtet und setzt verstärkt auf den Tourismus als wirtschaftliche Perspektive.
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