Ende einer gescheiterten Mission im Irak

Barbara Klimke
3 Min

Der Abzug britischer Soldaten aus dem Irak soll im März beginnen und könnte bereits im Sommer 2009 beendet sein. Verabschiedet wurden die Truppen jedoch schon längst. "Wir danken den Streitkräften für die Rolle, die sie gespielt haben", richtete Premier Nuri al Maliki den Briten bereits vor zwei Monaten in einem Interview aus. Ihr Verbleib sei für die Aufrechterhaltung der Sicherheit nicht mehr nötig. Er erinnerte an die Verlegung britischer Einheiten im vorigen Jahr von einem Palast in Basra zu einer Basis nahe dem Flughafen am Rande der Stadt. Milizen und Banden hätten das militärische Vakuum genutzt; Frauen und Kinder wurden getötet. Schon damals, behauptete der Premier, hätten Iraks eigene Sicherheitskräfte die Lage gerettet.Den Abbau der Truppen im Jahr 2009 hatte der britische Regierungschef Gordon Brown dem Parlament schon im Sommer angekündigt. Überraschend sind die neuesten Meldungen vor allem hinsichtlich ihrer weiteren zeitlichen Präzisierung. Weil das UN-Mandat Ende des Jahres ausläuft, ist ein neues Abkommen über die rechtliche Grundlage der Militärpräsenz der Briten vonnöten. Es geht im Grunde nur noch darum, den Rückzug so würdevoll wie möglich zu gestalten.Das Urteil über die verheerendste, tragischste und törichste Invasion alliierter westlicher Truppen in jüngster Zeit ist längst gefallen. Eine "schwerwiegende Verletzung des Völkerrechts" hat zum Beispiel der frühere Lordrichter Bingham die Entscheidung des damaligen Premierministers Tony Blair genannt, da er ohne viel nachzufragen und in blindem Vertrauen auf die Interpretationsherrschaft der USA im Jahr 2003 bis zu 46 000 britische Soldaten in den Irak schickte. Die Grundlagen der Sicherheitspolitik der Vereinten Nationen wurden außer Kraft gesetzt für einen "Krieg gegen den Terror", der nie einer war. Unschuldige Menschen wurden erschossen und in die Luft gesprengt, Millionen Iraker ins Exil getrieben, eine Jahrtausende alte Kulturlandschaft zerstört.Selbstverständlich haben auch die Briten Schaden genommen, die insgesamt über sieben Milliarden Pfund für ihre Militärmission ausgaben. 176 Soldaten starben seit Beginn des Krieges. Das anfänglich gute Verhältnis zwischen Briten und Irakern im Süden des Landes wurde zunehmend problematischer, nicht erst, seit sieben Armeeangehörige wegen der Misshandlung Gefangener vor einem Kriegsgericht standen.Das Scheitern in diesem Krieg aber, darüber ist sich die britische Öffentlichkeit einig, ist nicht den Soldaten anzulasten. Die Verantwortung tragen militärische und politische Strategen in London und in Washington, die in den vergangenen fünf Jahren bis auf Weiteres jeden Anspruch darauf verspielten, die internationalen Moralpolizisten des 21. Jahrhunderts zu sein. Zumal keinesfalls sicher ist, dass die Lage des Landes nach dem Abzug der letzten Amerikaner 2011 nicht noch schlechter sein wird als zu Zeiten Saddam Husseins.Die verbliebenen 4 100 Soldaten werden den Südirak nur verlassen, wenn sichergestellt sei, dass die Irakis ohne Unterstützung auskommen, verlautbarte gestern das Verteidigungsministerium. Es ist nicht ausgeschlossen, dass man sie nach Afghanistan verlegt. In einen Krieg gegen die Taliban, in dem der neue US-Präsident Obama und der britische Premier Brown nur ein Ziel verfolgen können: den Ruf ihrer Militärverantwortlichen zu retten.

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