Geldanlage ist kompliziert. Wer sich nicht recht auskennt mit Wertpapieren und Co., lässt es im Zweifel lieber sein. Auf der anderen Seite ist die Inflation hoch, und wer sein Geld jetzt einfach auf dem Girokonto liegen lässt, nimmt in Kauf, das es von Jahr zu Jahr weniger wert ist. Wer anfangen möchte, sich mit dem Thema Geldanlage auseinanderzusetzen, sollte sich ohnehin erst einmal selbst grundlegende Fragen beantworten – und zwar noch bevor ein Depot eröffnet oder ein Vertrag bei der Bank geschlossen wird.
1. Wofür möchte ich Geld anlegen?
„Als Allererstes geht es darum, festzulegen, welches Ziel mit der Geldanlage verfolgt werden soll“, sagt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. Will jemand beispielsweise für eine größere Anschaffung wie das erste eigene Auto sparen, kommen andere Finanzprodukte infrage, als wenn jemand für das Alter vorsorgen will.
Die Inflation wächst rasant: Wie sollte man sein Geld am besten anlegen?
Für die Altersvorsorge kann ein längerer Anlagehorizont gewählt werden. Hier kommen dann zum Beispiel Wertpapiere mit einer höheren Renditechance in Betracht. Benötigt der Sparer das Geld hingegen in den nächsten fünf Jahren, sind Aktien- und Fondsprodukte weniger geeignet. Da macht ein Tagesgeldkonto mehr Sinn – auch wenn es hier keine oder nur minimal Zinsen gibt. „Aber der Verbraucher hat die Sicherheit, dass er in fünf Jahren auf seine angesparte Summe zugreifen kann“, sagt Mai. Anlagen an der Börse unterliegen Schwankungen – womöglich müssen schlechte Zeiten ausgesessen werden. Wer dann trotzdem vorher an sein Geld ran muss, macht Verluste.
Auch ob das Geld für einen selbst gedacht ist oder jemand für seine Kinder oder Enkel spart, ist entscheidend. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, einen Sparplan auf den Namen des Kindes laufen zu lassen und bessere Konditionen zu bekommen.
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2. Wie viel Geld kann ich beiseitelegen?
Möglich ist eine größere Summe auf einen Schlag anzulegen oder monatlich einen kleinen Betrag zum Beispiel in einen Sparplan zu investieren. Das geht bereits ab 50 Euro. Doch auch bei kleineren Summen gilt: Mit der Geldanlage sollte erst begonnen werden, wenn keinerlei Schulden bestehen. „Denn fast immer sind die Zinsen auf bestehende Kredite deutlich höher als die zu erwartenden Renditen“, schreibt Hendrik Buhrs vom Verbraucherratgeber Finanztip. Wenn es noch Kredite abzulösen gibt, geht das vor. Darüber hinaus ist es nicht ratsam, das ganze zur Verfügung stehende Geld in Wertpapiere oder Sparverträge zu stecken. „Es ist wichtig, immer einen Notgroschen parat zu haben, auf den man flexibel zugreifen kann“, sagt Mai. Der sollte im besten Fall etwa in Höhe von drei Nettomonatsgehältern liegen. Erst das Geld, was darüber hinaus gespart werden kann, sollte in die Geldanlage fließen.
3. Wie flexibel muss das Vermögen sein?
„Bei größeren monatlichen Sparraten sollten sich Verbraucher gut hinterfragen, ob sie sich den Betrag dauerhaft leisten können“, sagt Mai. Wenn das nicht sicher ist, sollte unbedingt ein Produkt gewählt werden, bei dem sich die Sparrate ohne weitere Kosten anpassen lässt. Das geht zum Beispiel bei ETF-Sparplänen.
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4. Mit wie viel Risiko fühle ich mich wohl?
Bei einem höheren Risiko ist auch die Chance auf mehr Rendite größer. Das gilt insbesondere in Niedrigzinszeiten. Während das Geld auf dem Tagesgeldkonto zwar sicher ist und der Kontoinhaber in jedem Fall sein angespartes Vermögen in voller Höhe zurückbekommt, sind die Zinsen minimal – wenn die Bank überhaupt noch welche zahlt. Wer mittels Wertpapieren spart, kann mit höheren Erträgen rechnen. Allerdings schwanken die Kurse und es gibt Zeiten, in denen es auch Verluste geben kann. Nur wer bei dem Gedanken daran trotzdem ruhig schlafen kann, sollte zu Wertpapieren greifen.
Ohnehin sollten Anleger nie alles auf eine Karte setzen. Das bedeutet zum einen nicht nur auf eine Aktie oder eine Branche zu setzen, sondern vielmehr auf weltweit anlegende Fonds zu blicken sowie auf mehrere Anlageklassen zu setzen. Mai empfiehlt zudem zweigleisig zu fahren und nur einen Teil des Geldes in Wertpapiere zu investieren und für den anderen Teil auf sichere Anlagen wie beispielsweise Tagesgeld zu setzen.
5. Wie unabhängig ist die Beratung?
„Eine gute Finanzberatung ist vor allem eines: Schwierig zu finden“
Sind die ersten vier Fragen beantwortet, ist man schon ein ganzes Stück weiter. Nun geht es um das konkrete Anlageprodukt, das man abschließen möchte. Doch Vorsicht beim Gang zum Bank- oder Finanzberater. Bankberater und Finanzvermittler verdienen mit dem Verkauf von Finanzprodukten Geld. So verkaufen Banken jeweils hauseigene Produkte und Vermittler solche, für die sie Provisionen bekommen. Es gibt auch unabhängige Finanzberatung, für die Verbraucher zahlen müssen – dafür fließen keine Provisionen. Eine weitere Möglichkeit kann sein, sich nach einer Beratung eine zweite Meinung einzuholen oder auf unabhängige Quellen wie die Stiftung Warentest oder die Beratungsangebote der Verbraucherzentralen zurückzugreifen. „Auf jeden Fall sollten sich Verbraucher das Kleingedruckte in Ruhe durchlesen“, rät Mai.
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