Es schon beinahe irre, was gerade rund um den Zweitliga-Aufsteiger FC Energie Cottbus passiert, der die gesamte Lausitz in einen langanhaltenden Freudentaumel verwandelt hatte und viele Fans zu „Feierbiestern“ machte. Irgendwie erinnerte mich das hochemotionale Szenario an die Aufstiege von Energie 2000 und 2006 in die Erste Bundesliga, die ich als Reporter miterlebte.
Präsident Sebastian Lemke (42), der den Verein seit Dezember 2020 mit ruhiger Hand führt, berichtete nun beim Nachrichtenportal „Tag 24“, dass viele Berater gerade Energie mit „hochinteressanten“ Spielern regelrecht überfluten. Von mehreren Hundert Profis ist die Rede, die den Verantwortlichen um Cheftrainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz schmackhaft gemacht werden.
Man kann sicher sein, dass Wollitz, Lemke und Co. bei diesem Überangebot die Nerven behalten und auf dem Transfermarkt keine unsinnigen Aktionen starten. Sie werden das Team gezielt verstärken und solide wirtschaften. Dennoch: Energie ist wieder eine interessante Adresse im deutschen Profifußball geworden und die Mannschaft hat sich mit ihrem offensiven und mutigen Fußball viel Anerkennung und Respekt erworben.
Weiter Konzentration auf Leihgeschäfte
Die Personalplanungen, die einem Puzzle gleichen, gehen zügig voran. Dabei konzentriert sich der Aufsteiger weiter auf Leihgeschäfte vor allem mit jungen Spielern, die man sich als feste Verpflichtung kaum leisten kann. So wurde die Leihe mit dem gebürtigen Berliner Lukas Michelbrink (21), der Hertha BSC gehört, verlängert.
Der hochtalentierte Mittelfeldmann durchlief in der Hertha-Akademie sämtliche Mannschaften und kam im Sommer 2025 per Leihe nach Cottbus. Bei Energie debütierte er auch in der A-Nationalmannschaft von Litauen. Vor der erneuten Leihe nach Cottbus hatte Michelbrink seinen Vertrag bei Hertha bis 2029 verlängert. Pikant: in den bevorstehenden, garantiert sehr emotionalen Derbys gegen Hertha BSC, wird Michelbrink auf seinen Heimatklub treffen.
Es passt in die Strategie der Cottbuser, dass Anfang dieser Woche die Leihe des malischen U20-Nationalspielers Fousseny Doumbia (21) von Eintracht Frankfurt gemeldet wurde. Der 1,90 Meter große Innenverteidiger soll eine Alternative in der Abwehr bilden.
Tolcay Cigerci: Der Cottbuser Mittelfeld-Lenker wurde zum „Spieler der Saison“ der 3. Liga gewählt.
© Michael Taeger/imago
Noch viel Bewegung im Kader für die neue Saison erwartet
Im Gegensatz zu Michelbrink und Doumbia hat Energie in Christian Kinsombi (26) auch bereits einen torgefährlichen Profi vom FC Hansa Rostock fest verpflichtet. Kinsombi bringt viel Erfahrung aus der 2. und 3. Liga mit in die Lausitz.
Es wird in den nächsten Wochen noch viel Bewegung im Kader geben, aber das Herzstück sollen die beiden Brüder Tolga (34) und Tolcay Cigerci (31) bilden. Mit dem sportlichen „Überflieger“ Tolcay konnte Energie bereits den Vertrag verlängern. Der exzellente Profi galt in der abgelaufenen Saison als der beste Spieler der gesamten Liga und wurde nach seinen 17 Treffern und 13 Assists durch die Kapitäne und Trainer aller Drittligisten zum „Spieler der Saison“ gewählt. Seinen spektakulärsten Auftritt hatte er im Topspiel am 34. Spieltag gegen Rot-Weiss Essen. Nach 1:3-Rückstand vor eigenem Publikum gelangen ihm binnen neun Minuten drei herrliche Tore. Energie siegte mit 5:3 und kam so dem Aufstieg sehr nahe.
Tolcay wechselte im Sommer 2024 von der VSG Altglienicke nach Cottbus, war in Berlin einst auch beim BAK und bei Viktoria 89 am Ball. Bei Altglienicke spielte er auch bei Trainer-Urgestein Karsten Heine. Der beschrieb mir den Profi nun so: „Schon damals war er ein Wahnsinnsspieler, vorbildlich auf und neben dem Platz. Tolcay ist ein Musterprofi, der sehr viel für seinen Körper tut.“
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Achtung vor der Klasse der Cigerci-Brüder
Dessen Glück war perfekt, als Anfang des Jahres sein älterer Bruder Tolga zu Energie kam. Tolgas Laufbahn verlief bislang in höherklassigen Mannschaften, etwa beim VfL Wolfsburg, in Mönchengladbach, bei Hertha BSC und türkischen Spitzenmannschaften. Zum ersten Mal spielten beide Brüder nun zusammen in Cottbus in einem Team. Tolga, ein Defensiv-Stratege im Mittelfeld, verstärkte 2013 bis 2016 Hertha BSC und noch einmal in der Rückrunde der Saison 2022/23, die mit dem Abstieg endete.
Die meisten Einsätze bekam er unter Trainer Pal Dardai. Der Ungar, seit Januar Sportdirektor bei Ujpest Budapest, hat nur lobende Worte für Cigerci übrig: „Ich habe gern mit Tolga gearbeitet, er war ein zuverlässiger Spieler mit tollem Charakter. Im Mittelfeld hat er damals mit Fabian Lustenberger und Per Skjelbred sehr gut harmoniert. Seine Stärken: ein enormes Laufpensum und intensive Zweikampfführung.“
Als Energie unmittelbar nach dem Aufstieg mit den Fans euphorisch feierte, griff Präsident Lemke mitten im Tohuwabohu zum Mikrofon und rief: „Tolga, wir würden uns freuen, wenn du mit uns in die Zweite Liga gehst und noch ein Jahr verlängerst.“ Noch steht die Unterschrift aus, weil Tolga Cigerci im Urlaub ist. Doch sie gilt als fast sicher. Sollte Tolga in Cottbus bleiben, wird die Konkurrenz von Hertha BSC über den 1. FC Magdeburg bis Dynamo Dresden die Klasse der Cigerci-Brüder zu spüren bekommen. Da bin ich mir sicher.
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