Welthandel

Phosphatdünger bleibt teuer: Schwefelmangel verschärft globale Düngemittelkrise

Sechs Monate nach Beginn der Handelsstörungen in der Straße von Hormus bleibt Phosphatdünger knapp und teuer. Die Krise schlägt sich in den Preisen für Nahrungsmittel nieder.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Bei Phosphatdüngern sorgen knapper Schwefel und gestörte Handelswege weiterhin für hohe Preise.

Bei Phosphatdüngern sorgen knapper Schwefel und gestörte Handelswege weiterhin für hohe Preise.

© Jochen Tack/imago

Phosphatdünger bleibt weltweit knapp und teuer, während sich die Märkte für Stickstoffdünger teilweise erholen. Das teilte das International Fertilizer Development Center (IFDC) am Dienstag in seinem 30. Krisenbericht zur Düngemittellage mit. Das IFDC ist eine gemeinnützige US-Organisation mit Sitz in Alabama, die weltweit zu Düngemitteln und Bodenfruchtbarkeit forscht.

Als zentrales Problem nennt das Zentrum die Versorgung mit Schwefel. Nach Angaben des International Food Policy Research Institute (IFPRI), eines in Washington ansässigen Forschungsinstituts für Ernährungs- und Agrarpolitik, haben sich dessen Preise seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt.

Schwefel wird für die Herstellung vieler Phosphatdünger benötigt und fällt überwiegend bei der Verarbeitung von Erdöl und Erdgas an. Nach Angaben des US Geological Survey (USGS) war China 2025 mit rund 19 Millionen Tonnen der mit Abstand größte Schwefelproduzent, gefolgt von den USA mit 8,1 Millionen, Russland mit 7,5 Millionen, Saudi-Arabien mit 7,2 Millionen und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 6,3 Millionen Tonnen.

Auslöser der Verwerfungen sind die seit Februar 2026 mit dem Iran-Krieg ausgelösten Handelsstörungen rund um die Straße von Hormus. Nach Daten der Welthandelsorganisation (WTO) sind die Ausfuhren von Düngemitteln und Vorprodukten durch die Meerenge seit Beginn des Konflikts fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Die kurzzeitige Waffenruhe zwischen Mitte Juni und Mitte Juli habe einen begrenzten Schiffsverkehr ermöglicht, seit der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen ist er laut IFPRI wieder auf nahe null gefallen.

Zwei Märkte, zwei Preisentwicklungen

Die Marktreaktion fällt je nach Düngerart unterschiedlich aus. Die Preise für Harnstoff und Ammoniak stiegen laut IFPRI nach Ausbruch des Konflikts um bis zu 80 Prozent, liegen inzwischen aber wieder auf dem Niveau von Anfang Januar.

Ein Grund dafür sei, dass China seine Ausfuhren von Stickstoffdüngern in den ersten sechs Monaten 2026 um rund 47 Prozent auf 2,8 Millionen Tonnen ausgeweitet habe. Auch Ausfuhren aus den USA hätten um fast 60 Prozent zugelegt.

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Bei den wichtigsten Phosphatdüngern verharren die Preise dagegen 25 bis 30 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Nach Angaben des IFPRI gingen die weltweiten Phosphatausfuhren im ersten Halbjahr 2026 um mehr als neun Prozent zurück.

Neben Saudi-Arabien mit einem Minus von 22 Prozent meldeten auch China, Marokko und Russland deutliche Einbußen. Als wesentlichen Grund nennt das Institut die knappe Versorgung mit Schwefel, ohne den die Produktion nicht im gewohnten Umfang laufen kann.

Neuer Engpass am Bab al-Mandab

Die bestehenden Störungen werden laut IFDC durch eine zweite Krise verstärkt. Die mit dem Iran verbündete schiitische Huthi-Miliz stärkte in den vergangenen Wochen ihre Position rund um die Meerenge Bab al-Mandab, eine wichtige Schiffsverbindung zwischen Rotem Meer und Golf von Aden. Zuvor waren bereits der Hafen von Mokha und die Insel Perim unter ihre Kontrolle geraten.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) verzeichnete dem IFDC zufolge zwischen Januar und April 2026 einen Rückgang der weltweit gehandelten Mengen an Düngemitteln um 20 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der FAO-Nahrungsmittelpreisindex, der die Weltmarktpreise wichtiger Grundnahrungsmittel abbildet, lag im August bei 133,3 Punkten und damit 2,5 Prozent über dem Vorjahreswert.

In der Landwirtschaft zeichnen sich laut einer Erhebung des bei der FAO in Rom angesiedelten Agrarmarkt-Informationssystems AMIS bereits Anpassungen ab: Landwirte setzten bevorzugt Stickstoff ein und verringerten den Einsatz von Phosphat und Kali.

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