Telefonbetrug

Schockanruf: Dieser Mann soll zu einer Bande von Telefon-Betrügern gehören

Ein 87-Jähriger in Berlin-Hohenschönhausen gab Schmuck und Gold her. Ein angeblicher Arzt war am Telefon: „Ihre krebskranke Tochter braucht ein teures Medikament!“

3 Min
Dieser Mann soll zu einer Bande von Telefonbetrügern gehören. Nach ihm fahndet seit Donnerstag die Polizei.

Dieser Mann soll zu einer Bande von Telefonbetrügern gehören. Nach ihm fahndet seit Donnerstag die Polizei.

© Polizeii

Die Maschen der Betrüger, die alte Menschen um ihr Erspartes bringen, wechseln immer wieder: Da gibt es etwa den Enkeltrick oder den Trick mit falschen Polizisten, die vorgeblich die Wertsachen von Senioren in Sicherheit bringen wollen. Eine besonders niederträchtige Variante haben Unbekannte vor einigen Monaten in Hohenschönhausen angewandt: Am 9. April bekam ein 87-jähriger Mann einen Anruf. Am Telefon war ein vermeintlicher Arzt der Charité.

Er teilte dem alten Herrn mit, der Zustand seiner krebskranken Tochter habe sich verschlimmert. Für die Beschaffung eines speziellen Medikaments benötige das Krankenhaus einen hohen Geldbetrag. Ein Kollege werde das Geld und Wertsachen abholen, kündigte der falsche Arzt an.

Kurz darauf, um 14.30 Uhr, klingelte der Abholer an der Wohnung des Mannes. Der 87-Jährige übergab dem Fremden Schmuck und Gold. Der Abholer entfernte sich mit der Beute in Richtung einer Tankstelle in der Hansastraße.

Der Fall gehört zur Kategorie der sogenannten Schockanrufe: Auf gut Glück versuchen es international organisierte Banden bei betagten Menschen und jagen ihnen mit haarsträubenden Geschichten Angst ein. Mal ist es ein vorgeblicher Enkel in einer Notlage, der im Ausland jemanden totgefahren habe, nun in einer Gefängniszelle sitze und nur gegen eine hohe Kaution freikomme. Mal ist es ein angeblicher Kriminalbeamter, der Erkenntnisse über einen bevorstehenden Einbruch habe; deshalb müsse man die Wertsachen des Angerufenen in Sicherheit bringen. Stets setzen die Täter ihre Opfer unter Druck: Sie müssten schnell handeln. Die Masche greift auch, weil viele Hochbetagte einsam und familiäre Bindungen oft nur noch lose sind.

Internationale Banden mit Callcentern in der Türkei

Die Banden operieren von Callcentern im Ausland aus. Zunächst waren sie vor allem in Polen aktiv. „Als die polnischen Behörden dagegen vorgegangen sind, haben sie sich offenkundig in die Türkei verlagert“, sagt ein Polizeisprecher. Von dort werden potenzielle Opfer in großer Zahl angerufen. Beißt jemand an, schicken die Anrufer einen Abholer, der Wertgegenstände und Geld in Empfang nimmt – und auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

In den meisten Betrugsfällen dieser Art gibt es keine Spur zu Tatbeteiligten. Dieses Mal aber schon: Das Betrugskommissariat des Landeskriminalamts konnte Aufnahmen einer Überwachungskamera sichern, die den bislang unbekannten Tatverdächtigen zeigen.

Die Kripo, die das Foto am Donnerstag veröffentlichte, fragt nun: Wer kennt den Gesuchten und weiß, wo er sich aufhält? Wer kann sonstige sachdienliche Hinweise zur Tat oder zum Tatverdächtigen geben? Hinweise nimmt das LKA unter (030) 4664-925320 oder per E-Mail an [email protected] entgegen, ebenso jede andere Polizeidienststelle.

Tipps, wie man sich gegen Telefonbetrug schützt, finden Sie hier.

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