Die Vonovia-Aktie hat nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin weiter an Wert verloren. Am Dienstag fielen die Papiere des Immobilienkonzerns zeitweise auf 17,06 Euro – den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Im laufenden Jahr summiert sich das Minus auf rund 30 Prozent. Bereits am Montag hatten die Titel als schwächster Dax-Wert um 2,2 Prozent nachgegeben. Als Auslöser gilt die Sorge der Anleger, die Debatte über die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände könnte an die Börse zurückkehren.
Regierungsbildung offen
Die Linke hatte die Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent gewonnen, vor CDU (18,8), AfD (16,3), Grünen (14,3) und SPD (12,1). Spitzenkandidatin Elif Eralp von der Linken bekräftigte in der ARD: „Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet.“ Die Partei beruft sich auf den Volksentscheid von 2021, bei dem 58 Prozent für eine Enteignung großer Wohnungskonzerne gegen Entschädigung stimmten. Rund 220.000 Wohnungen sollen in die öffentliche Hand überführt werden; Vonovia und die Tochter Deutsche Wohnen besitzen in Berlin und Umgebung rund 138.000 Wohnungen.
Eine Umsetzung ist jedoch rechtlich wie finanziell umstritten: Eine Expertenkommission kam 2023 zu dem Schluss, dass die Entschädigung dem Verkehrswert der Wohnungen entsprechen müsste – ein Betrag, der das Land Berlin viele Milliarden kosten würde und den Berlin nicht hat.
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Ob es zur Enteignung kommt, ist offen. Der Wahlsieg bedeutet keine Regierungsmehrheit: Rechnerisch möglich ist auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD unter Ausschluss der Linken. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach gab sich sicher, dass die Enteignung am Ende nicht gelinge. Laut einer Nachwahlbefragung lehnten 51 Prozent der Berliner die Enteignung großer Wohnungsunternehmen gegen Entschädigung ab, 37 Prozent befürworteten sie. Auf diese Umfrage berief sich auch Vonovia-Chef Luka Mucic: Vergesellschaftung schaffe „keine einzige neue Wohnung“, sagte er dem Handelsblatt, gefragt seien mehr Neubau und verlässliche Rahmenbedingungen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte zudem nach dem Wahlsieg der Partei die Linke ein Bundesgesetz an, das Enteignungen auf Landesebene unterbinden soll.
Nur ein Faktor von mehreren
Einen eindeutigen Beleg dafür, dass die Wahl den Kurs treibt, gibt es allerdings nicht. Sie ist ohnehin nur einer von mehreren Belastungsfaktoren. Der Immobiliensektor steht seit Monaten unter Druck: Steigende Zinsen und Refinanzierungskosten treffen ein Geschäftsmodell, das stark auf Fremdfinanzierung beruht. Zehnjährige Bundesanleihen bieten mit 3,47 Prozent Rendite inzwischen eine attraktive Alternative zu Immobilienaktien. Auch Aroundtown, LEG und TAG Immobilien notierten schwächer. Die Berlin-Wahl verstärkt die Unsicherheit – sie ist aber nicht der alleinige Grund für den anhaltenden Kursrutsch.
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