Entfernte Verwandte erkennen sich

STAATSOPER UNTER DEN LINDEN Zum Saisonabschluss drei Premieren von Musiktheater aus drei Jahrhunderten

BLZ
4 Min

BAROCKIm letzten Monat dieser Saison präsentiert die Staatsoper noch einmal die ganze Bandbreite musiktheatralischer Möglichkeiten. In drei Neuinszenierungen wird nicht nur ein Bogen vom 18. Jahrhundert bis in unsere Gegenwart gespannt, sondern die drei Premieren repräsentieren auch jeweils ganz eigenständige Behandlungen der Form Oper. Den Beginn macht die szenische Aufführung von Händels Oratorium "Belshazzar" aus dem Jahre 1745. Dieses dramatischste von Händels Oratorien, das auf der alttestamentarischen Geschichte des babylonischen Königs Belsazar und der Befreiung der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft basiert, ist, nach Telemanns "Socrates", die zweite Neuinszenierung der Cadenza-Barockmusikproduktionen in dieser Spielzeit. Christof Nel, der zum ersten Mal an der Staatsoper inszeniert, hat mit Bühnenbildner Roland Aeschlimann und Kostümbildnerin Bettina Walter einen zutiefst menschlichen Interpretationsansatz der Geschichte eines Tyrannenmordes entwickelt und dabei Bilder höchster Intensität geschaffen. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von René Jacobs, der neben exzellenten Solisten den Rias Kammerchor und die Akademie für Alte Musik leiten wird.HEUTEEin zeitlicher Sprung über 250 Jahre führt dann mit der nächsten Premiere mitten in unsere Gegenwart: Am 16. Juni ist die Uraufführung des Musiktheaterprojekts "Happy Hour" im Magazin zu erleben. Bereits seit fünf Jahren erarbeitet die Regisseurin Adriana Altaras mit Laien und Profis des Musiktheaters unter dem Titel HYP'OP Aufführungen im Magazin der Staatsoper. Die Grundlage der neuen Produktion bildet Musik von Heiner Goebbels aus seinen Kompositionen "Stifters Dinge" und "Landschaft mit entfernten Verwandten", die um Arien, Chansons und Lieder aus Vorschlägen der Mitwirkenden ergänzt und von dem Komponisten Wolfgang Böhmer zu einer kohärenten musikalischen Gestalt gebracht wurden. Bei "Happy Hour" war das Thema "Zeit" der Ausgangspunkt der szenischen Arbeit. Zu den Protagonisten des Stücks gehören wieder Laien und Profis, darunter hochbegabte und hyperaktive junge und alte Menschen, eine Sängerin, ein Schauspieler, ein Tänzer und Akrobat, eine Astrologin und ein Physiker.19. JAHRHUNDERTDie letzte Premiere dieser Spielzeit ist Gioachino Rossinis wahrhaft aberwitzige Oper "Il Turco in Italia", eine Opera buffa, die ihrer Bezeichnung alle Ehre macht und geradezu als Schwesternstück zu Rossinis im Repertoire der Staatsoper verankerten Oper "L'Italiana in Algeri" bezeichnet werden kann. Auch hier konnte ein hoch renommiertes Regieteam zum ersten Mal an die Staatsoper verpflichtet werden: David Alden, der vor allem durch seine politischen Lesweisen des Repertoires bekannt ist, erweist sich in dieser Arbeit als ein Interpret von geradezu Woody-Allen'scher Provenienz, der gemeinsam mit seinem Ausstattungsteam Paul Steinberg und Buki Shiff, den ganz normalen Wahnsinn auf die Bühne bringt. Constaninos Carydis, der als musikalischer Leiter für die Produktion verantwortlich zeichnet, ist einer der vielversprechendsten Dirigenten der jüngeren Generation und wird mit dieser Rossini-Oper ebenfalls sein Debüt an der Staatsoper geben.------------------------------BelshazzarOratorium in drei Akten. Text von Charles Jennens, Musik von Georg Friedrich Händel. Musikalische Leitung: René Jacobs, Inszenierung: Christof Nel, Bühnenbild: Roland Aeschlimann, Kostüme: Bettina Walter, Licht: Olaf Freese, szenische Analyse: Martina Jochem, Dramaturgie: Jens Schroth.Mit Kenneth Tarver, Rosemary Joshua, Bejun Mehta, Kristina Hammarström, Neal Davies.Rias Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin.In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln.PREMIERE am 1. Juni um 18 Uhr.Weitere Aufführungen am 3., 6., 7. & 10. Juni.Nachgefragt Publikumsgespräch zur Neuinszenierung am 6. Juni nach der Vorstellung im Apollo-Saal.Vortrag von Jan Assmannam 30. Mai um 20 Uhr im Orchesterprobesaal.Happy HourMusiktheaterprojekt über die Zeit.Musik von Heiner Goebbels, den Puhdys u. a.Inszenierung: Adriana Altaras, musikalische Leitung: Alexander Hannemann, Bühnenbild und Kostüm: Yashi Tabassomi, Choreografie, Tanz und Akrobatik: Tobias Wegner, musikalische Einrichtung: Wolfgang Böhmer, Musik: Heiner Goebbels, Dramaturgie und Produktionsleitung: Ilka Seifert.Von und mit Benjamin Bahr, Kay Dietrich, Julian Gerull, Johanna Kuhlmann, Lilia Milek, Horst Moye, Riccardo Müller, Martin Ostermeyer, Celine Reuter, Esther Blanche Scheidler, Felix Wassermann, Tobias Wegner.Staatskapelle Berlin und Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin, Knabenchor der Staatsoper Unter den Linden.URAUFFÜHRUNG am 16. Juni um 19 Uhr im Magazin.Weitere Aufführungen am 16., 18., 20., 21. & 22. Juni.Il Turco in ItaliaOpera buffa von Gioachino Rossini in zwei Akten, Text von Felice Romani. Musikalische Leitung: Constaninos Carydis, Inszenierung: David Alden, Bühnenbild: Paul Steinberg, Kostüme: Buki Shiff, Licht: Olaf Freese, Video: Robert Pflanz, Choreographie: Beate Vollack, Chöre: André Kellinghaus, Dramaturgie: Francis Hüsers.Mit Christine Schäfer, Renato Girolami, Lawrence Brownlee, Alexander Vinogradov, Katharina Kammerloher, Florian Hoffmann, Alfredo Daza. Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor.PREMIERE am 22. Juni um 19 Uhr.Weitere Aufführungen am 24., 27. & 30. Juni.Staatsoper Unter den LindenUnter den Linden 5-7, 10117 BerlinKartentelefon: (030) 20 35 45 55www.staatsoper-berlin.de------------------------------Foto: René Jacobs dirigiert Händels "Belshazzar".Foto: Adriana Altaras führt Regie bei "Happy Hour" im Magazin der Staatsoper.

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