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Terrorverdacht

Flydubai-Flug: Copilot soll Kapitän mit Messer attackiert haben – Verdacht auf Absturzversuch

Die Boeing sackte binnen Sekunden fast 14.000 Fuß ab. Israelische Ermittler prüfen Berichte, wonach ein Pilot die Maschine gezielt zum Absturz bringen wollte und gestoppt wurde.

Peter Steiniger Alexander Schmalz
5 Min
Israelische Touristen steigen aus einem Flugzeug der Fluggesellschaft FlyDubai, das vom Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv gestartet war, auf dem Flughafen von Dubai aus.

Israelische Touristen steigen aus einem Flugzeug der Fluggesellschaft FlyDubai, das vom Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv gestartet war, auf dem Flughafen von Dubai aus.

© Malak Harb/AP

Nach dem Zwischenfall an Bord eines Flydubai-Flugzeugs auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv gehen israelische Sicherheitskreise inzwischen von einem möglichen gezielten Angriff im Cockpit aus. Der israelische Fernsehsender N12 berichtete unter Berufung auf einen ranghohen israelischen Beamten, der Copilot habe den Kapitän mit einem Messer attackiert und versucht, die Maschine zum Absturz zu bringen. Zwei israelische Beamte sagten Reuters, die derzeitige Einschätzung sei ein versuchter Terroranschlag und keine psychische Ausnahmesituation eines Piloten.

Eine Passagierin schilderte Reuters, ihre Tochter habe Schreie gehört und berichtet, ein Mann mit einem Messer habe einen der Piloten zu Boden gezwungen. Im Cockpit sei viel Blut gewesen. Nach Darstellung von N12 drangen weitere Besatzungsmitglieder und Passagiere in das Cockpit ein und überwältigten den mutmaßlichen Angreifer. Ein zusätzliches Pilotenteam, das sich als Passagiere an Bord befunden habe, soll die Maschine anschließend stabilisiert haben.

Reuters bestätigte unabhängig davon einen abrupten Sinkflug um fast 14.000 Fuß in weniger als 30 Sekunden. Nach Angaben des Flugdatendienstes Flightradar24 sendete die Maschine anschließend zunächst den allgemeinen Notfallcode 7700 und danach den Code 7500, der auf einen möglichen widerrechtlichen Eingriff an Bord hinweist.

Der Flug FZ1073 mit einer Boeing 737 war am Mittwochmorgen in Dubai gestartet und sollte am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv landen. Nach Angaben von Reuters drehte die Maschine über jordanischem Luftraum in Richtung Saudi-Arabien ab und landete schließlich sicher auf dem Flughafen von Tabuk im Nordwesten des Königreichs.

Nach Angaben des israelischen Nachrichtenportals Ynet befanden sich 174 Passagiere an Bord, darunter 27 Kinder. Der Großteil der Reisenden soll israelischer Staatsbürger gewesen sein.

Israel prüft möglichen Terrorangriff

Israels Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, bezeichnete den mutmaßlichen Angreifer inzwischen als „Terroristen“. Dieser habe versucht, das Flugzeug zum Absturz zu bringen und die Israelis an Bord zu töten, erklärte der Minister. Die Hintergründe des Vorfalls sind allerdings weiterhin nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Times of Israel gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Angriff von einem Staat oder einer Organisation gesteuert wurde.

Israelische Beamte sagten Reuters, die derzeitige Einschätzung sei ein versuchter Terroranschlag. Eine psychische Ausnahmesituation eines der Piloten gelte demnach nicht als wahrscheinliche Erklärung. Flydubai selbst hat bislang lediglich einen nicht näher bezeichneten „Vorfall“ bestätigt.

Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet will die israelischen Passagiere nach ihrer Rückkehr nach Berichten von Ynet, Kan und N12 befragen. Die Besatzung sei bereits im Rahmen der Ermittlungen vernommen worden, sagte ein mit dem Vorgang vertrauter regionaler Beamter der Nachrichtenagentur AP. Ob jemand festgenommen wurde, ließ der Beamte offen.

Auch die Identität und der Hintergrund des mutmaßlichen Angreifers werden weiter untersucht. Der Flughafen Tabuk bestätigte, dass sowohl der Kapitän als auch der Erste Offizier verletzt und nach der Landung in ein Krankenhaus gebracht wurden. Welche Verletzungen sie erlitten, teilte der Flughafen nicht mit.

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Minister fordern Konsequenzen – Gantz warnt vor voreiligen Schlüssen

Verkehrsministerin Miri Regev forderte nach israelischen Medienberichten, Flydubai-Flüge nach Israel vorerst auszusetzen und die Luftverkehrsvereinbarungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten zu überprüfen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte eine geplante Reise in den Süden Israels ab und nahm an weiteren Sicherheitsberatungen teil.

Finanzminister Bezalel Smotrich erklärte laut Times of Israel, wer versucht habe, ein Flugzeug mit rund 180 Israelis zum Absturz zu bringen, müsse behandelt werden, als habe er sie getötet. Dass ein Staat oder eine Terrororganisation hinter dem mutmaßlichen Angriff steht, ist bislang jedoch nicht belegt.

Der frühere Verteidigungsminister Benny Gantz mahnte entsprechend zur Zurückhaltung. Es sei noch „zu früh“, den Ablauf des Vorfalls abschließend zu beurteilen, erklärte der Vorsitzende von Blau-Weiß. Zugleich würdigte er das Eingreifen der Passagiere.

Widersprüchliche Angaben zu den Piloten

Die Angaben zu den Nationalitäten der beiden Piloten sind widersprüchlich. Frühe Berichte, unter anderem der britischen Zeitung The Times, nannten einen russischen und einen ukrainischen Piloten.

Spätere Medienberichte nannten dagegen einen omanischen Copiloten und einen Kapitän aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eine unabhängige Bestätigung der Nationalitäten liegt bislang nicht vor.

Flydubai teilte nach Angaben des israelischen Nachrichtenportals Mako offiziell mit, dass keine Bedrohung von außen bestanden habe. Die beiden Piloten hätten sich während des Fluges im Cockpit gestritten und geschlagen, bis einer von ihnen das Bewusstsein verloren habe. Dabei sei das Notsignal ausgelöst worden.

Kampfjets im Einsatz

Israel ließ während des Vorfalls Kampfjets aufsteigen, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief nach Informationen der Jerusalem Post eine Krisensitzung ein. Ein Sprecher des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte gegenüber Reuters, es handele sich nicht um eine Flugzeugentführung, sondern um einen „anderen Vorfall“. Die Lage sei unter Kontrolle, es werde daran gearbeitet, die israelischen Passagiere zurückzubringen.

Das israelische Militär teilte mit, Generalstabschef Eyal Zamir habe gemeinsam mit dem Chef der Luftwaffe, Omer Tischler, dem Leiter der Operationsdirektion, Itzik Cohen, sowie Geheimdienstchef Schlomi Binder eine Lagebeurteilung vorgenommen.

Ob es sich um einen politisch motivierten Anschlag oder um eine Tat mit anderem Hintergrund handelt, ist nach Angaben israelischer Sicherheitskreise offen. Auch eine mögliche psychische Ausnahmesituation eines Piloten wird demnach geprüft. Weder Flydubai noch die saudischen oder emiratischen Behörden haben eine Absturzabsicht bislang öffentlich bestätigt.

Der Geschäftsführer von Flydubai informierte laut dem Nachrichtenportal Mako die israelischen Verkehrsbehörden, dass eine Ersatzmaschine von Dubai nach Saudi-Arabien geschickt werde, um die Passagiere nach Israel zu bringen.

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