BERLIN, 8. Juli. Der Betriebsrat des Hennigsdorfer Adtranz-Werkes hat die Politik aufgefordert, mehr für den Erhalt des Standortes zu tun. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Karl-Hein Graffenberger sagte der "Berliner Zeitung", es müssten mehr Aufträge an das Unternehmen, das kürzlich vom kanadischen Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation übernommen wurde, und an die größte Produktionsstätte der Gruppe in Hennigsdorf vergeben werden, um dessen Überleben zu sichern. Graffenberger forderte die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg auf, ihre "Verkehrspolitik zu überdenken". Die Arbeitnehmervertreter hofften, weitere Aufträge der Deutschen Bahn AG nach Hennigsdorf ziehen zu können.Weitere Option möglichDie Hoffnungen richteten sich vor allem auf einen Auftrag der Bahn zum Bau von weiteren Neigetechnikzügen des Typs VT 612, sagte Graffenberger. Die Verhandlungen darüber seien noch nicht abgeschlossen. Wie es bei der Bahn hieß, werde im Rahmen der neuen Fahrzeugstrategie überlegt, weitere Neigetechnik-Züge anzuschaffen. Darüber sei allerdings noch keine Entscheidung gefallen. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" soll es sich dabei möglicherweise um bis zu 90 VT 612-Fahrzeuge handeln. Der Wert des Auftrages, sofern dieser zu Stande kommt, läge bei rund einer halben Milliarde Mark. Er soll zudem mit einer Option über 60 weitere Fahrzeuge verbunden sein. Eine derartige Bestellung seitens der Bahn würde zu einer erheblich stärkeren Auslastung der Kapazitäten in Hennigsdorf führen. Wie bereits berichtet, stehen alle Standorte von Bombardier Transportation in Deutschland auf dem Prüfstand. Durch die Übernahme der einstigen DaimlerChrysler-Tochter Adtranz ist Bombardier zum Marktführer in Deutschland und in der Welt aufgestiegen. Damit verbunden sind aber Überkapazitäten und Überschneidungen von Produktlinien, die Bombardier nach den Ergebnissen einer Kosten-Nutzen-Analyse beseitigen will. Dabei soll auch nicht ausgeschlossen sein, dass der gesamte Standort Hennigsdorf geschlossen werden könnte. Wie es bei Bombardier hieß, soll die interne Konzernprüfung Ende Juli oder Anfang August abgeschlossen sein.Graffenberger sagte, die Betriebsräte seien sich darüber im Klaren, dass die Übernahme von Adtranz "entsprechende Folgen" haben werde und "Dopplungen bereinigt" würden. Bei Hennigsdorf würden sich vor allem Überschneidungen mit den Bombardier-Standorten in Görlitz, Bautzen und Ammendorf als klassische Fertigungsstandorte ergeben. Ende Juni hatte Bombardier bereits mitgeteilt, in Hennigsdorf den Bereich Fahrgastinformationssysteme zu schließen. Davon sind 63 der insgesamt 2 500 Beschäftigten in Hennigsdorf betroffen. Dieser Schritt sei "völlig überraschend" erfolgt, sagte Graffenberger. Die Arbeitnehmer seien von dieser Entscheidung "hochgradig irritiert", weil die Schließung praktisch zeitgleich zum Besuch von Brandenburgs Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) in Hennigsdorf verkündet wurde. Stolpe sei aber von Bombardier zugesagt worden, vor konkreteren Plänen zur Zukunft des Standortes alle Möglichkeiten der Unterstützung durch die Landesregierung zu klären.Großer Arbeitgeber // Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation beschäftigt in Deutschland rund 9 300 Mitarbeiter, weltweit sind es 37 000.Neben Hennigsdorf zählen Berlin, Bautzen, Vetschau, Görlitz, Ammendorf, Aachen, Niesky, München, Kassel, Braunschweig, Mannheim, Frankfurt am Main und Siegen zu den Standorten.DPA/KARLHEINZ SCHILNDLER Das Bombardier-Werk in Hennigsdorf gehörte bis vor kurzem zu Adtranz.
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