Im Zuge der französischen Ermittlungen zum Fall des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein haben sich bei der Pariser Staatsanwaltschaft rund zehn weitere mutmaßliche Opfer gemeldet. Insgesamt hätten etwa zwanzig Betroffene Kontakt zu ihrer Behörde aufgenommen, sagte Staatsanwältin Laure Beccuau am Sonntag im französischen Sender RTL. Etwa die Hälfte davon sei den Ermittlern zuvor nicht bekannt gewesen.
Neben Opfern Epsteins handele es sich auch um mutmaßliche Opfer des Model-Agenten Jean-Luc Brunel und des früheren Chefs der Model-Agentur Elite, Gérald Marie, sagte Beccuau. Ein Teil der Betroffenen lebe im Ausland. „Wir hören diese Opfer an“, sagte die Staatsanwältin laut RTL.
Ermittlungen wegen Menschenhandels
Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte nach der Veröffentlichung tausender Akten durch die US-Regierung umfassende Ermittlungen wegen Menschenhandels eingeleitet. Ziel ist nach Angaben der Behörde insbesondere, jene Personen zu identifizieren, die es Epstein ermöglicht haben sollen, seine Taten auch in Frankreich zu begehen – etwa durch die Vermittlung von Opfern.
Bislang sei keiner der in Frankreich Beschuldigten befragt worden, sagte Beccuau. Zunächst sollten die Beziehungen zwischen Epstein und den weiteren mutmaßlich Beteiligten genauer geklärt werden. Dazu würden derzeit mehr als 1,5 Millionen Dateien aus Epsteins Unterlagen ausgewertet, darunter Daten von Computern, Telefonen und Adressbüchern. Zudem würden internationale Rechtshilfeersuchen vorbereitet.
Hintergrund der Vorwürfe
Nach Erkenntnissen des FBI und des US-Justizministeriums soll Epstein mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht haben. Teilweise soll er Opfer an Prominente vermittelt haben. Der 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle tot aufgefundene US-Investor war bereits 2008 wegen der Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden.
Brunel, ein Geschäftspartner Epsteins, war 2020 festgenommen worden. Ihm wurde der Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen. Im Jahr 2022 wurde auch er tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Ermittlungen gegen Marie wegen Missbrauchsvorwürfen aus den 1980er und 1990er Jahren waren 2023 wegen Verjährung eingestellt worden. Marie, der ebenfalls Verbindungen zu Epstein gehabt haben soll, wies die Vorwürfe über seinen Anwalt zurück.
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