Kassra Zargaran sitzt für dieses Gespräch in einem Videocall: T-Shirt, bullige Statur, sichtbare Tattoos an Hals und Händen. Nichts an seinem Auftreten verrät auf den ersten Blick, dass dieser Mann als Kronzeuge im größten Rockerprozess Deutschlands aussagte, jahrelang im organisierten Verbrechen unterwegs war und heute unter neuer Identität lebt.
Seine Sprache ist klar, fast nüchtern. Über Isolationshaft, Hinrichtungen und Sprengstoffanschläge spricht er in kurzen, präzisen Sätzen – ohne Pathos, fast so, als analysiere er ein System von außen, nicht sein eigenes Leben. Nietzsche und Chomsky, sagt er, habe er im Gefängnis gelesen. Zargaran spricht über korrupte Polizisten, einen „für den Arsch“ agierenden Justizapparat und eine Migrationspolitik, die aus seiner Sicht junge Männer erst in die Kriminalität treibt. Es ist ein schonungsloses Interview, das mit allem abrechnet: den Rockern, der Polizei – und der Politik.
Interview
Er war Zuhälter, Schwerverbrecher und Hells Angel – und hatte einen „Liveticker“ in die Staatsanwaltschaft
Kassra Zargaran saß zehn Jahre im Gefängnis wegen Beteiligung am „Wettbüro-Mord“. Heute klärt er über die Unterwelt auf – und ihre Verbindungen in Justiz und Politik. Ein Interview.
12 Min
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Kassra Zargaran spricht offen über seinen Ausstieg bei den Hells Angels, über die Zeit nach der Haft sowie notwendige Reformen der Justiz.
© Stephanie Steinkopf/Ostkreuz
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