Der Betreiber eines Bogenschützen-Vereins an der Via Nomentana in Rom versuchte es zuerst allein. Er zog Flatterband um die Stelle, an der Wespen aus einem Spalt im Boden ein- und ausflogen, sprühte Insektizid hinterher und zündete schließlich ein Feuer an.
Das Volk überlebte alles. Es saß schlicht zu tief.
Mitte September rief der Verein den Ethologen Andrea Lunerti, der in Rom seit Jahren Einsätze bei Wespen und Hornissen übernimmt. Was sein Team aus dem Boden holte, zerfiel in Dutzende Wabenscheiben.
Wespennest 80 Zentimeter unter dem Sportplatz
Mindestens 25.000 Deutsche Wespen hätten in rund 70 bis 80 Zentimetern Tiefe gelebt, sagte Lunerti dem Portal Roma Today. Gegenüber der Tageszeitung Il Messaggero nannte er mindestens 30.000 Tiere. Beide Zahlen sind Schätzungen aus dem Einsatz.
Mit Schaufel und Spitzhacke sei wegen der Tiefe und der Größe nicht heranzukommen gewesen, erklärte er dem Portal.
Bagger statt Schaufel: So lief der Einsatz
Ein Bagger hob die Grasnarbe ab und trug die Erddecke über dem Bau ab. Die Helfer arbeiteten in Vollschutzanzügen, Lunerti dokumentierte die Grabung auf seinem Instagram-Kanal.
Normalerweise übernehmen Deutsche Wespen fertige Hohlräume, oft alte Mäuse- oder Dachsbauten. Hier hatten die Tiere selbst gegraben und zusätzlich eine unterirdische Plastikplane als Dach genutzt.
Das Team hielt die Plane zunächst für einen Stein, wie der Lokalsender Canale Dieci berichtet.
Warum Erdnester für Sportler gefährlich sind
Auf der Anlage trainieren Jugendliche in kurzen Hosen, wenige Meter vom Einflugloch entfernt. Wespen verlieren ihren Stachel nicht und stechen mehrfach.
Ausgelöst wird ein Massenangriff oft schon durch Tritte und Erschütterungen über dem Nest. Genau das passiert auf einem Sportplatz den ganzen Tag.
Hunderte Jungköniginnen im Nest
Das eigentliche Fundstück steckte in den Waben: zahlreiche fertige Jungköniginnen, bereit zu überwintern.
Jede von ihnen kann im Frühjahr ein eigenes Volk gründen. Wie viele es tatsächlich schaffen, entscheidet der Winter.
Dass die Art überhaupt in die Stadt zieht, hat laut Lunerti einen Grund: Intensive Landwirtschaft nimmt ihr draußen die Nistplätze, Parks und Sportanlagen bieten dafür Wärme und Futter.
Deutsche Wespe: Der Rekord steht in Neuseeland
Der Name stammt aus der wissenschaftlichen Erstbeschreibung. Heimisch ist Vespula germanica in Europa, verschleppt lebt sie heute auf fast allen Kontinenten.
Wo milde Winter die Völker nicht beenden, wachsen die Bauten ins Absurde. Den Guinness-Rekord hält ein Nest, das 1963 auf einer Farm in Waimauku in Neuseeland gefunden wurde: 3,7 Meter lang.
Gemessen daran war der römische Fund unauffällig groß – nur eben an der denkbar unpassendsten Stelle.
Wespennest im Garten: Regeln und Bußgeld in Berlin
In Deutschland erreichen Völker der Deutschen Wespe laut NABU meist 3.000 bis 4.000 Tiere, in Ausnahmefällen über 10.000. Nester mit mehr als 50 Zentimetern Durchmesser sind dokumentiert, auch in Berliner Dachböden und Rollladenkästen.
Wer ein Erdnest entdeckt, hält zwei bis drei Meter Abstand, verschließt das Flugloch nicht und vermeidet Erschütterungen. Der häufigste Fehler ist die eigene Spraydose.
Rechtlich gilt: Deutsche und Gemeine Wespe zählen nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung nicht zu den besonders geschützten Arten. Liegt ein vernünftiger Grund vor, etwa ein Nest direkt am Hauseingang, darf es ohne Genehmigung beseitigt werden.
Ohne diesen Grund bleibt es eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraf 39 Bundesnaturschutzgesetz, der Rahmen reicht bis 10.000 Euro. Die oft zitierten 50.000 Euro gelten für besonders geschützte Arten wie Hornissen.
Meist erledigt sich die Sache ohnehin von selbst. Ab Mitte Oktober stirbt das Volk ab, nur die Jungköniginnen überwintern woanders, und das leere Nest wird im Folgejahr nicht wieder bezogen.
Bis dahin erbeutet ein großes Volk nach Schätzungen von Naturschützern täglich bis zu ein Pfund Insekten. Wer so ein Nest im Garten hat, beherbergt keine Plage, sondern eine Schädlingsbekämpfung mit Flügeln.
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