Die Hagia Sophia ist eines der berühmtesten Wahrzeichen Istanbuls und massiv gefährdet. Dass sie überhaupt noch steht, gleicht einem Wunder, denn sie liegt in einer der erdbebengefährdetsten Regionen Europas. Wie groß ist das Risiko für das fast 1500 Jahre alte oströmische Bauwerk?
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Istanbul-Beben: Die Gefahr bleibt hoch
Südlich von Istanbul verläuft die Nordanatolische Verwerfung, an der sich Spannungen zwischen tektonischen Platten aufbauen. Große Teile der Türkei sind seismisch aktiv. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die geschätzte Wahrscheinlichkeit für ein Beben der Magnitude 7 oder stärker in Istanbul in den kommenden Jahrzehnten bei 40 bis 60 Prozent.
Eine Neubewertung, über die in der Wissenssendung des MDR berichtet wird, sieht unter dem Marmarameer ein komplexes Netz von Störungen. Im Extremfall könnte ein Beben die Magnitude 7,6 erreichen. Bereits am 23. April 2025 erschütterte ein Beben der Stärke 6,2 die Region. Wann das nächste große Erdbeben kommt, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.
Die Hagia Sophia wurde bereits 1346 um weitere Pfeiler als Schutz gegen Naturkatastrophen ergänzt. Diese sieht man auf dem Foto im unteren mittleren Bereich.
© Jonas Prien
Die Kuppel der Hagia Sophia war schon früh anfällig. Nach einem Erdbeben stürzte die ursprüngliche Kuppel 558 ein und wurde neu aufgebaut. Auch spätere Beben verursachten Schäden. Nach dem Teilkollaps von 1346 wurden Strebepfeiler ergänzt; bei der Restaurierung von 1847 bis 1849 kamen eiserne Verstärkungen hinzu.
Seit 2023 läuft eine neue Restaurierungsphase. Die türkische Generaldirektion für Stiftungen teilte im November 2025 mit, dass die Bleieindeckung der Hauptkuppel erneuert wird, um die Erdbebenresilienz zu verbessern. Eine temporäre Stahlkonstruktion schützt die Kuppel während der Arbeiten vor Witterung und die Mosaike im Inneren vor Schäden. Vier rund 43,5 Meter hohe Stützen tragen das System. Ohne Baukran und Baugerüste wird die prächtige Kathedrale, die unter Atatürk zum Museum und im Jahr 2020 wieder zur Moschee wurde, wohl erst ab Herbst 2027 beziehungsweise Frühjahr 2028 wieder zu sehen sein.
Die prächtige Hagia Sophia ist derzeit von Gerüsten und einer Stahlkuppel ummantelt.
© Jonas Prien
2023: Das verheerende Erdbeben im Süden der Türkei
Die Sorge um eines der bedeutendsten Bauwerke der Menschheit ist berechtigt. Am 6. Februar 2023 trafen zwei schwere Beben mit Magnituden von 7,8 und 7,5 den Süden der Türkei und Teile Syriens. Laut WHO starben allein in der Türkei 53.697 Menschen. Millionen waren von Zerstörung und Evakuierungen betroffen. Die Katastrophe zeigte, wie entscheidend Bauqualität, vorbereitete Rettungsdienste und belastbare Infrastruktur sind. Sie ereignete sich nicht bei Istanbul – doch die geologische Gefährdung der Marmara-Region ist eine eigene, seit Jahren bekannte Sorge.
Überschwemmungen am Bosporus: Istanbul unter doppeltem Druck
Zudem gibt es eine weitere Gefahr. Mitte Oktober 2026 führten heftige Regenfälle in Istanbul zu großflächigen Überschwemmungen. Straßen, Unterführungen, Wohnungen und Geschäfte liefen voll. Die sozialen Medien waren voll von Videos der Wassermassen und der Rettungsaktionen. Am Bosporus färbte sich das Wasser stellenweise braun, nachdem Regen Schlamm von Land ins Meer gespült hatte. Die Fluten sind eine weitere Gefahr für die historischen Bauten am Bosporus.
Im Erdbeben-Schulungszentrum der Türkisch-Deutschen Universität wird der Ernstfall geprobt. Studenten lernen hier etwa, dass die Gebäudestatik besonders wichtig ist.
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An der Türkisch-Deutschen Universität (TDU) in Istanbul befindet sich in Kooperation mit Allianz Teknik, ein akkreditiertes Erdbeben- und Brandprüf- und Schulungszentrum. Dort werden seismische Tests und Untersuchungen zur Erdbebensicherheit durchgeführt. Darüber hinaus kooperieren deutsche und türkische Forscher seit Jahrzehnten.
Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung arbeitet mit türkischen Partnern wie AFAD, um die Marmara-Verwerfung besser zu verstehen und Risikobewertungen sowie Frühwarnsysteme zu verbessern. Für die Hagia Sophia wie für Istanbul gilt aber: Historischer Schutz und moderne Forschung können das Risiko senken, verhindern lässt sich ein Erdbeben nicht.
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