AfD-Verbot

Erde an Kerkeling: Hape, wir müssen reden!

Ich war immer Fan, aber der Ruf des Komikers nach einem AfD-Verbot irritiert mich. Denn eine Partei zu verbieten ist leichter, als die Gründe zu verstehen, warum so viele Menschen sie wählen.

4 Min
Der Komiker jüngst im Thüringer Landtag.

Der Komiker jüngst im Thüringer Landtag.

© Sascha Fromm via imago-images.de/IMAGO/Funke Foto Services

Nur, dass das keiner von uns Hübschen hier in den verkehrten Hals kriegt: Ich könnte auch sehr gern auf die AfD verzichten. Ganz ehrlich, ich hätte sie gar nicht erst groß werden lassen wie unsere Politiker und Aktivisten. Durch Ausgrenzung und Verächtlichmachung. Da hätte mich schon mein Therapeut zurückgepfiffen: „Frau Strittmatter, das wissen Sie schon aber selbst aus Ihrer eigenen Kindheit: Haben Sie denen, die ein Leben lang auf Ihnen herumgetrampelt und sie verächtlich gemacht haben, am Ende recht gegeben und ihnen die Hand gereicht?“

Sie meinen also, Wut kann man verbieten?

Hab ich natürlich nicht. Wird die AfD auch nicht tun. Warum wissen Sie also, Herr Kerkeling und andere Aktivisten, solche einfachen logischen Zusammenhänge nicht? Das Ausgrenzen, das Draufkloppen hat diese Partei seit Jahren nur gestärkt und viele, die lange Berührungsängste mit ihr hatten, haben sich längst mit ihr solidarisiert, weil sie diesen angeblich „demokratischen“ Umgang mit ihr und ihren Wählern ungerecht fanden. In die Opferrolle, die viele linke AfD-Verbotsrufer gern beklagen, haben sie die AfD mit eigener Hand getrieben. Es ist also nur dumm, ihr jetzt vorzuwerfen, sich darin eingerichtet zu haben.

Seit zehn Jahren also hat alles nichts geholfen, und jetzt fordern auch Sie mit aller Härte das Verbot. Wovon – darf ich fragen – sind Sie überzeugt? Dass Protest und Unzufriedenheit sich verbieten lassen? Sogar Wut? Und schlechte Politik gleich mit? Bitte erklären Sie es mir gern, ich verstehe diese Vehemenz nicht: Sie waren doch auch immer jemand, der den Menschen nachgespürt hat, der wusste, dass das Leben nicht Schwarz-Weiß ist, jemand, der das Wort „Volksnähe“ viel mehr füllte als unsere gesamte Bundestagsgilde. Und nun auch aus ihrem Munde ein „alles Nazis“, echt jetzt? Auch die Wähler, deren Sorgen?

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Ich habe es im Frühsommer schon gemerkt, ich war zum Interview bei Ihnen vorgelassen, es ging um Ihren letzten Schlämmer-Film, ich bog ins Politische ab und wollte von Ihnen wissen, ob der Rechtsruck, den die Welt gerade erlebt, vielleicht auch eine Reaktion auf den Linksdruck sein könnte, der uns viele Jahre mit seiner überbordenden politischen Korrrektheit den Mund verbat. Sofort wurden Sie ungehalten, wollten das Gespräch beenden, ich war aufrichtig erschüttert. Bin es bis heute. So unfein, geradezu cholerisch, hatte ich sie nie erlebt. Ein Interview kam nicht zustande, nicht mal zu Schlämmer.

Zumal, warum haben Sie sich nicht zunächst einmal hingestellt und all die getadelt, die einen AfD-Zuwuchs erst möglich gemacht haben? Durch schlechte Politik, durch Abgehobenheit, durch was weiß ich? Oder ist Selbstkritik für die Volksparteien bereits verboten, hab' ich da was nicht mitgekriegt?

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Will ich nicht, dringt nicht zu mir durch

Überhaupt find' ich es ausgesprochen öde, wenn Künstler (selbst die tollen) mir eine Haltung an die Hand geben, von der sie glauben, dass sie die einzige nur sein kann. Sorry, da gruselt es mich als Ossi mit DDR-Erfahrung zu gewaltig. Will ich nicht, fuchst mich nur, dringt gar nicht zu mir durch. Und im Übrigen halte ich es, was Politik angeht, dann doch eher mit den Juristen als mit den Komikern. Mit Ferdinand von Schirach beispielsweise, kluger Mann.

Der nämlich nannte das geforderte AfD-Verbot schon vor Monaten bei Caren Miosga eine „Pleiteerklärung“ für die Parteien, die es beantragen, ja einen „Offenbarungseid“. Sie hätten es nicht geschafft, den Wählern ein überzeugendes politisches Angebot zu machen. Dem – finde ich – ist gar nicht viel hinzuzufügen: Eine Partei politisch zu bekämpfen, ist das eine – sie verbieten zu wollen, weil man an ihr politisch gescheitert ist, etwas völlig anderes.

Und Sie wundern sich jetzt wirklich (und öffentlich), lieber Hape, dass Ihnen nun der Unmut vieler ihrer Fans entgegenschlägt? Die Hassenden und Hetzenden einmal außen vorgelassen.

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