Nun wissen sie also auch in der Lausitz, warum China das Land des Lächelns genannt wird. Jiayi Shao, 26 Jahre alt und chinesischer Fußballspieler vom FC Energie Cottbus, stand am Sonnabend nach seinem Siegtreffer gegen Hertha BSC vor dem Kabinentrakt und sagte immer wieder: "Ich bin glücklich." Drei Worte, nicht einfach nur dahergesagt. Der Mann aus Peking hat lange gesucht, bis er in Deutschland sein Glück gefunden hat. Um ein Haar wäre er sogar wieder in die Heimat geflüchtet, sagt Shao.Der Profi passt in die Riege all jener Spieler aus Cottbus, die jetzt die Bundesliga verblüffen. Sie heißen Vlad Munteanu, Sergiu Radu oder Igor Mitreski und haben eines gemeinsam: Kein anderer Klub als Cottbus interessierte sich für sie, sonst wären sie nicht in Brandenburg. Energie hat mit 19,7 Millionen Euro den kleinsten Etat der Liga. Zum Vergleich: Manager Dieter Hoeneß von Hertha BSC verplant in dieser Saison 54 Millionen Euro.Wer nach Cottbus kommt, hat keine Offerte aus Berlin oder sonst wo vorliegen. Er ist unbekannt - oder gescheitert. So wie Shao. Für dessen Transfer wurden die Cottbuser kollektiv von der Konkurrenz belächelt. In vier Jahren bei 1860 München hat Shao, der als David Beckham Chinas gilt, weil junge Frauen in seiner Heimat ihre Schlafzimmer mit seinen Postern tapezieren, nur acht Tore erzielt. Weshalb keiner verstand, dass Energie Cottbus ausgerechnet für ihn so viel ausgab wie noch nie für einen Spieler: 250 000 Euro.Doch gegen Hertha BSC zahlte der Mann mit dem Mondgesicht die erste Rate an Vertrauen zurück. Mit einer Finte, einem Übersteiger, spielte er sein erstes Tor für Cottbus heraus. Die Erklärung für den Treffer ist erstaunlich und zeigt, dass hier der Mut eines kleinen Klubs belohnt wird. Denn vermutlich ist Shao der erste Spieler, der sich über eine Rote Karte gefreut hat. Man könnte sogar fast annehmen, er habe absichtlich zum Ellbogencheck angesetzt, beim 0:0 gegen Singapur vor einigen Wochen in der Qualifikation zum Asien-Cup. Nun ist er für Chinas Nationalelf gesperrt und kann sich "voll auf Cottbus konzentrieren", wie er erzählt.Vorbei sind die stressigen Reisen um die halbe Welt. Der chinesische Verband zahlt zwar Flüge erster Klasse, doch Shao kam stets völlig entkräftet wieder zurück. Länderspieleinladungen absagen wollte er aber nicht. "Das ist eine Frage der Ehre." Obwohl er zwischenzeitlich seinen Stammplatz im Team der Cottbuser verlor und zum Buhmann wurde. Am Sonnabend murrten die Zuschauer auch, als Trainer Petrik Sander ihn einwechselte. Der Trainer hat sich deshalb bitterlich über die Fans beklagt. Die dürfen nun ein schlechtes Gewissen haben. Und Jiayi Shao ist bei der Suche nach dem Glück fündig geworden, getreu einem deutschen Sprichwort: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?Sport Seite 18------------------------------Foto: Jiayi Shao, chinesischer Profi in Diensten von Energie Cottbus
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]