Laut einer aktuellen Abwasseranalyse der europäischen Drogenagentur EUDA gehört Erfurt zu den europäischen Städten mit besonders hohen Drogenrückständen im Abwasser. Auffällig sind vor allem die Werte für Cannabis und Crystal Meth. Im europäischen Vergleich liegt die Thüringer Landeshauptstadt damit weit vorn; nur in wenigen Städten wie Genf oder Amsterdam wurden noch höhere Konzentrationen gemessen.
Die Messungen stehen im Kontrast zur Entwicklung der Kriminalstatistik. Nach Angaben der Landespolizei ist die Zahl der registrierten Rauschgiftdelikte in Thüringen zuletzt zurückgegangen. Als wesentlichen Grund nennt die Polizei die Teillegalisierung von Cannabis im Jahr 2024, durch die bestimmte Besitz- und Konsumformen nicht mehr strafbar sind.
Messungen zeigen Trends im Konsumverhalten
Die Polizei verweist allerdings darauf, dass die rückläufigen Zahlen nur eingeschränkt aussagekräftig sind. Rauschgiftkriminalität hänge stark von der Intensität polizeilicher Kontrollen ab und bilde den tatsächlichen Konsum nur teilweise ab. Die Abwasseranalyse liefert hier ein unabhängiges Bild, da sie unabhängig von Strafverfolgung den realen Substanzeintrag misst.
Nach Einschätzung der Polizei deute die Diskrepanz zwischen sinkenden Fallzahlen und hohen Abwasserwerten weniger auf einen Rückgang des Konsums hin als auf eine veränderte rechtliche und polizeiliche Erfassung.
Nach Ansicht von Fachleuten zeigen die Messungen vor allem Trends im Konsumverhalten. Die Werte basieren auf Abbauprodukten im Abwasser und werden auf 1000 Einwohner umgerechnet. So ist es möglich, dass wenige Personen hohe Mengen konsumieren, als auch, dass viele Menschen geringe Mengen konsumieren. Auch äußere Faktoren wie Tourismus oder demografische Unterschiede könnten die Ergebnisse beeinflussen.
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