BANGKOK. Für den von Thailands Militärjunta eingesetzten Premier Surayud Chulanont war kurz nach Schließung der Wahllokale am Sonntagnachmittag die Welt in Ordnung. "Die neue Verfassung ist angenommen", erklärte der Ex-General, "der erste Schritt Richtung Demokratie ist getan." Doch die Zustimmung fiel geringer aus als erwartet: 58 Prozent Ja-, 42 Prozent Nein-Stimmen, hieß es am Abend nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 57 Prozent. Im Dezember sollen Wahlen stattfinden.Am 19. September 2006 hatten die Generäle den seit sechs Jahren amtierenden Premierminister Thaksin Shinawatra wegen Korruption und Amtsmissbrauchs gestürzt. Er lebt seitdem im Exil in London. Just am Tag des Referendums schaffte es der Politiker, den die Militärs mit allen Mitteln aus dem öffentlichen Leben Thailands verbannen wollen, den Generälen die Suppe ein wenig zu versalzen. Denn während überall in dem südostasiatischen Königreich noch die Ergebnisse des Referendums zusammenkamen, hockte die fußballbegeisterte Nation vor dem Fernseher. Sie verfolgte das englische Lokalderby Manchester City - Manchester United. Thaksin hatte Manchester City im Sommer gekauft. Sein Team gewann just am Tag des Referendums in Thailand.Die neue Verfassung schwächt das Parlament und stärkt die Rolle von Bürokratie und Militär. Und das Ergebnis des Referendums zeigt eine tiefe Spaltung des Königreichs. Im Zentrum und Süden des Landes setzten sich die Militärs durch. In der verarmten Nordostregion von Isaan erteilten die Wähler der neuen Verfassung eine eindeutige Abfuhr. Auch in der Region um die Stadt Chiang Mai, aus der Thaksin stammt, verloren die Generäle.Dabei hatten sie vor der Abstimmung alles unternommen, um eine Niederlage zu verhindern. Gegner der neuen Verfassung wurden systematisch behindert. Die staatliche kontrollierten Rundfunk- und Fernsehsender verbreiteten die Aufforderung, mit Ja zu stimmen. Der 53-jährige Geschäftsmann Suhat, der im gelben Hemd samt Wappen der thailändischen Monarchie an einer Urne in der Nähe von Bangkoks Stadtteil Klong Toey erschien, stimmte trotzdem mit "Nein". "Mir gefällt die Rolle der Militärs nicht", sagt er. Die 33-jährige Fabrikarbeiterin Tumee Kahnaym stimmte dagegen mit "Ja". "Nur so können wir diese ganzen politischen Blockaden überwinden", sagte sie.Die klare Trennung im Wählerverhalten dürfte den Führern von Thaksins inzwischen verbotener Partei "Thai Rak Thai" neue Hoffnung geben. Sie traten in den vergangenen Wochen der bis jetzt nahezu unbekannten "Volksmachtpartei" bei, die sie künftig aus dem Hintergrund steuern wollen.------------------------------Foto: Ein thailändischer Soldat bei der Abstimmung
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