Afrika

Eritrea bricht Beziehungen zu Äthiopien ab – Sorge vor Krieg am Horn von Afrika

Mutmaßliche Drohnenangriffe, ausgewiesene Diplomaten und neue Kämpfe in Tigray: Am Horn von Afrika verschärft sich die Krise zwischen mehreren Staaten.

4 Min
Eritreas Außenminister Osman Saleh Mohammed. Eritrea hat die diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien abgebrochen.

Eritreas Außenminister Osman Saleh Mohammed. Eritrea hat die diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien abgebrochen.

© Russian Foreign Ministry/imago

Eritrea hat die diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien abgebrochen. Das Außenministerium in Asmara erklärte am Donnerstagabend, dem Land bleibe angesichts der „feindseligen Handlungen“ seines Nachbarn keine andere Wahl. Zuvor hatte Äthiopien die Schließung seiner Botschaft in Eritrea angekündigt und zehn eritreische Diplomaten ausgewiesen. Die Eskalation fällt mit erneuten schweren Kämpfen im Norden Äthiopiens zusammen.

Das äthiopische Außenministerium begründete die Maßnahmen seinerseits mit direkten und indirekten feindseligen Handlungen Eritreas. Die ausgewiesenen Diplomaten seien an Aktivitäten beteiligt gewesen, die Äthiopiens nationale Sicherheit bedrohten, erklärte es laut der staatlichen Nachrichtenagentur ENA. Sie müssen das Land innerhalb von 48 Stunden verlassen. Konkrete Belege für die Vorwürfe enthielt die Veröffentlichung nicht.

Eritrea erhebt schwere Gegenvorwürfe

Eritreas Außenministerium wies die Anschuldigungen in der vom Informationsministerium veröffentlichten Erklärung zurück. „In Wirklichkeit ist es Äthiopien, das eine Politik unablässiger Feindseligkeit verfolgt“, schreibt das Ministerium.

Der Streit berührt auch die Lage am Roten Meer, einer wichtigen Handelsroute zwischen Europa und Asien. Äthiopien hat seit der Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 keinen eigenen Meerzugang mehr. Die Regierung in Asmara wirft Addis Abeba vor, eritreische Häfen und Küstengebiete unter seine Kontrolle bringen zu wollen, wie aus der Erklärung des eritreischen Außenministeriums hervorgeht.

Ein Krieg zwischen den Nachbarn könnte deshalb auch die Sicherheit von Häfen und Transportwegen gefährden. Eine unmittelbare Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs durch die aktuelle Krise ist damit jedoch nicht belegt.

Hinter dem Streit steht auch der wieder aufgeflammte Konflikt in Tigray. Äthiopien wirft Eritrea vor, die Volksbefreiungsfront von Tigray, kurz TPLF, zu unterstützen. Diese hatte nach Angaben von AFP in der vergangenen Woche eine größere Offensive gegen Regierungstruppen begonnen. Mehrere bewaffnete Gruppen schlossen sich zu einem Bündnis zusammen, das die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed stürzen will.

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Ein Pferdewagen transportiert Lebensmittelhilfen des Welternährungsprogramms im Lager May-Ayni für eritreische Flüchtlinge in der äthiopischen Region Tigray. Neue Kämpfe und Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea bedrohen die Stabilität der Region.

Ein Pferdewagen transportiert Lebensmittelhilfen des Welternährungsprogramms im Lager May-Ayni für eritreische Flüchtlinge in der äthiopischen Region Tigray. Neue Kämpfe und Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea bedrohen die Stabilität der Region.

© Joerg Boethling /imago

Explosionen in der Hauptstadt

Zusätzliche Unruhe lösten nächtliche Explosionen in Addis Abeba aus. Ein Geheimdienstmitarbeiter bestätigte der Nachrichtenagentur AP drei Explosionen an unterschiedlichen Orten, machte jedoch keine weiteren Angaben. Ob tatsächlich Drohnen eingesetzt wurden und wer hinter den mutmaßlichen Angriffen steckt, war zunächst nicht abschließend geklärt.

Die neue Gewalt weckt Erinnerungen an den Krieg von 2020 bis 2022, bei dem Hunderttausende Menschen starben. Damals kämpfte Eritrea an der Seite der äthiopischen Regierung gegen die TPLF. Eritrea war jedoch nicht Teil des im Jahr 2022 geschlossenen Friedensabkommens. Anschließend verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den früheren Verbündeten wieder.

Auch Ägypten ist betroffen

Die diplomatische Krise reicht inzwischen über die beiden Nachbarländer hinaus. Äthiopien erklärte auch einen ägyptischen Diplomaten zur unerwünschten Person. Kairo reagierte mit derselben Maßnahme gegen einen Botschaftsrat Äthiopiens. Beide erhielten 48 Stunden Zeit zur Ausreise, wie Reuters berichtet.

Die Afrikanische Union rief die drei Staaten zur Zurückhaltung auf. Sie sollten Schritte und Äußerungen vermeiden, die die Spannungen verschärfen könnten, und ihre Differenzen durch friedlichen Dialog lösen.

Was der Bruch für die Region bedeutet

Der Abbruch diplomatischer Beziehungen ist noch keine Kriegserklärung. Er erschwert aber direkte Gespräche zwischen den Regierungen. Gerade während bewaffneter Auseinandersetzungen könnten dadurch Missverständnisse schwerer auszuräumen und Zwischenfälle an der Grenze schwieriger zu entschärfen sein.

Die größte Gefahr liegt in einer Ausweitung der Kämpfe: Aus dem inneräthiopischen Konflikt könnte eine Auseinandersetzung zwischen Staaten werden, sollten Nachbarländer militärisch eingreifen. 

Für die Bevölkerung würde eine solche Eskalation weitere Flucht, Versorgungsengpässe und erschwerte Hilfslieferungen bedeuten. Schon jetzt berichtet AP aus Tigray von fehlendem Bargeld und Treibstoff. Dass Eritrea früher mit Äthiopien gegen die TPLF kämpfte und nun ihrer Unterstützung beschuldigt wird, zeigt zudem, wie stark sich die Bündnisse in der Region verschoben haben.

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