Ermittlungen wegen Betrugs beim Verkauf des Geländes

Großrazzia im früheren Rundfunkbau

Karin Schmidl
2 Min

Der Zugriff begann um sechs am Morgen. Beamte des Landeskriminalamtes durchsuchten gestern Büros auf dem ehemaligen DDR-Rundfunkgelände an der Nalepastraße. Zeitgleich waren gut hundert Kriminalbeamte und Polizisten sowie zwei Staatsanwälte an 25 weiteren Orten in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen im Einsatz. Die Großrazzia erfolgte laut Berliner Generalstaatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Verkauf des Geländes in Oberschöneweide im November 2005.Ermittelt wird gegen zwei Geschäftsmänner aus Jessen (Sachsen-Anhalt) - gegen Frank T. und sein Sohn Nico T. Sie werden verdächtigt, Berlin und die neuen Bundesländer betrogen zu haben. Die gut 13 Hektar am Spreeufer, die seit der Wende den fünf neuen Ländern gehörten, waren am 3. November 2005 an die Firma Bau und Praktik GmbH verkauft worden. Für 350 000 Euro - so viel Geld hatte kurz vorher allein die Sanierung des Daches gekostet. Verkäufer war die Limsa, die Liegenschaftsgesellschaft Sachsen-Anhalts, die im Auftrag der neuen Länder handelte. Ein Drittel des Areals, der denkmalgeschützte Teil mit den Tonstudios und berühmten Sendesälen, wurde nur wenige Monate später von der Bau und Praktik für 3,9 Millionen Euro versteigert.Der Landesrechnungshof in Magdeburg hatte den Verkauf als unprofessionell und leichtfertig gerügt. Der damalige Limsa-Chef wurde entlassen, er arbeitet aber inzwischen wieder im Finanzministerium in Magdeburg.Frank und Nico T. wird vorgeworfen, die Limsa betrogen zu haben: Sie sollen vorgetäuscht haben, das Gelände zum Medienstandort entwickeln zu wollen. Stattdessen, so die Staatsanwaltschaft, sei von Anfang an ihr Plan gewesen, das Areal stückweise weiter zu verkaufen. Zudem sollen etwa 520 000 Euro Betriebskosten nicht bezahlt worden sein.Frank T., inzwischen nicht mehr Chef der Bau und Praktik, wies die Beschuldigungen zurück. Der Berliner Zeitung sagte er gestern, nicht er trage Schuld, wenn für den Steuerzahler so wenig Geld erzielt wurde: "Die Verantwortlichen dafür waren die neuen Länder, die sich für das Gelände und für das Geschäft überhaupt nicht interessiert haben." Im Kaufvertrag habe es zudem keinerlei Verpflichtung zur Investition gegeben: "Für mich war es ein gutes Geschäft, das die Länder selbst hätten machen können." T. bestritt auch die Schulden bei den Betriebskosten. "Die 500 000 Euro waren vorher aufgelaufen."Bei der Razzia an der Nalepastraße stießen die Beamten auf eine Überraschung: Im einstigen Pop-Studio des DDR-Senders DT 64 fanden sie eine Marihuana-Plantage. Zumindest damit, so hieß es am Abend, hätten die Beschuldigten nichts zu tun. (sk.)

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