Bis zum Jahr 1800 galt das Baden in der Öffentlichkeit in Berlin als ungesund, gefährlich und sogar als grober Unfug - das Baden in der Spree stand unter Strafe. Gleichwohl eröffnete im Jahr 1803 an der heutigen Rathausbrücke in Mitte das privat betriebene "Welpersche Badeschiff" - eine Flussbadeanstalt, die über luxuriöse Badezellen verfügte. Gebadet wurde allerdings vor allem aus hygienischen Gründen: Die Wohnungen in der Stadt hatten keine Bäder - nicht einmal das Stadtschloss - und so besuchten die gut betuchten Berliner das Badeschiff, um sich zu reinigen.Erst das Militär brachte den großen Durchbruch für die Körperertüchtigung der Berliner: Weil Schwimmen unter Umständen kriegsentscheidend sein konnte, mussten auch die preußischen Soldaten schwimmen lernen. 1817 eröffnete deshalb an der Oberspree eine vom königlichen Kabinett verfügte Militärbadeanstalt. Bis zu 70 000 Soldaten lernten dort in den folgenden 50 Jahren das Schwimmen. Bald folgten Badeanstalten auch für die Öffentlichkeit. Im Jahr 1831 eröffnete eine Anstalt für Frauen, 1847 eine für Studenten und 1855 eine für alle: die Volksbadeanstalt an der Schillingbrücke.Wer zu dieser Zeit schwimmen lernen wollte, kam allerdings um Trockenübungen nicht herum: Entwickelt vom Thüringer Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths, wurden die Schüler mit vier Ketten an speziellen, barrenähnlichen Gestellen aufgehängt, in denen sie die Schwimmzüge in der Luft nachzuahmen lernten. Erst 1925 gerieten die Trockenübungen aus der Mode. Fortan sollte gleich im Wasser schwimmen gelernt werden.Mit dem Schwimmen entwickelte sich auch der Schwimmsport in Berlin. Unter dem Namen "Schwimm-Club Neptun Berlin" wurde am 14. August 1878 der erste Schwimmverein der Stadt gegründet - und damit der Erste in ganz Deutschland.Doch die Berliner wollten auch ohne Vereinsmitgliedschaft im Freien baden - zahlreiche von ihnen pilgerten mit Vorliebe an den Großen Wannsee, dessen Südostufer sich hervorragend zum Planschen eignete. 1907 wurde dort die erste öffentliche Badestelle eröffnet. Von da an ging es rasant weiter: Heute gibt es in Berlin mehr als 60 öffentliche Bäder.------------------------------Foto: Gestreift und mit Hut: Bademode um 1900.
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