Interview

Erst imitiert er Hitler, jetzt wirbt er für das BSW: „Vielleicht braucht unser Land Politiker wie mich“

Seit seiner bizarren Rede beim AfD-Jugendkongress rätselt Deutschland über Alexander Eichwald. Im Interview erklärt er seine Strategie, seinen Streit mit der AfD und was als nächstes kommt.

7 Min
Alexander Eichwald bei seiner umstrittenen Rede auf dem Gründungskongress der AfD-Jugend „Generation Deutschland“ in Gießen.

Alexander Eichwald bei seiner umstrittenen Rede auf dem Gründungskongress der AfD-Jugend „Generation Deutschland“ in Gießen.

© AFP

Im November 2025 trat Alexander Eichwald, 31, beim Gründungskongress der AfD-Jugend „Generation Deutschland“ in Gießen ans Mikrofon. In blauem Sakko, mit rollendem „R“ und fahrigen Handbewegungen imitierte er in Tonfall, Gestik und Wortwahl Adolf Hitler und löste damit international Verwirrung aus. Ein AfD-Mann im Saal fragte laut, ob er ein V-Mann des Verfassungsschutzes sei. Seither kursieren die abenteuerlichsten Deutungen: eingeschleuster Spitzel, getarnter Antifa-Aktivist, Böhmermann-Troll, „Hitler 2.0“.

Eichwald deutet den Auftritt heute als Strategie die er genutzt habe. Gegen seinen drohenden AfD Parteiausschluss wehrt er sich, während er zugleich mit dem BSW liebäugelt. Dem Jugendverband des BSW Sachsen-Anhalt gab er ein rund zweistündiges Interview, das die Nachwuchsorganisation am Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf YouTube veröffentlichte.

Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt Eichwald nun, was er mit seinem Auftritt in Gießen bezwecken wollte und er stellt sich der Frage, warum man ihm nach all den Spekulationen um seine Person überhaupt glauben sollte. Bei der Autorisierung des Interviews strich Alexander Eichwald mehrere Fragen samt Antworten vollständig. Da ein solcher Eingriff nicht der üblichen Autorisierungspraxis entspricht, hat sich die Redaktion dazu entschieden, die gestellten Fragen zu dokumentieren.

Herr Eichwald, seit Ihrer Rede in Gießen wird über Sie gerätselt: V-Mann, Böhmermann-Troll, Antifa-Aktivist, „Hitler 2.0“. Wenn Sie selbst wählen müssten – wer von diesen vier saß da im blauen Sakko auf der Bühne? Und wenn keiner: Was war Ihre Absicht?

Über meine Absicht habe ich mittlerweile so oft gesprochen, dass ich eigentlich nur wiederholen kann, was ich auch im BSW-Interview ausführlich gesagt habe. Natürlich stellt man sich selbst auf, weil man einen gewissen Bekanntheitsstatus erreichen möchte – ob man das nun egoistisch nennt oder nicht, sei dahingestellt. Ich halte mich für kompetent genug, um in der Politik nicht nur Fuß zu fassen, sondern auch mitzuwirken. Die Zukunft unseres Landes wird heute und nicht erst übermorgen entschieden. Und als Russlanddeutscher war es für mich selbstverständlich, dass ich bei der AfD lande. Eine echte Alternative gab es dafür bis dato nicht.

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<strong>Zur Person: Alexander Eichwald</strong>
AFP

Zur Person: Alexander Eichwald

Alexander Eichwald, 31, ist Russlanddeutscher, kam 2004 als Kind nach Deutschland und lebt im Raum Herford. Im Herbst 2025 trat er der AfD bei und im November 2025 bewarb er sich beim Gründungsparteitag der AfD-Jugend in Gießen mit einer Hitler-ähnlichen Rede um einen Vorstandsposten und scheiterte damit. Sein Parteiausschlussverfahren läuft.

Warum unbedingt die AfD – und nicht die Grünen, die Linke oder eine andere Partei? Sie sind ja erst kurz zuvor eingetreten.

Antwort nicht freigegeben.

Haben Sie keine Angst, dass die AfD – deren Vertreter den Ethnopluralismus propagieren und teils von einer rein deutschen Volksgemeinschaft sprechen – am Ende auch Russlanddeutsche und Menschen russischer Herkunft „remigrieren“ würde? Überspitzt gesagt: Ist es nicht, als liefe das Schwein von selbst zum Schlachter, wenn Sie ausgerechnet diese Partei wählen?

Antwort nicht freigegeben.

Und das beunruhigt Sie als Russlanddeutschen?

Antwort nicht freigegeben.

Was haben Sie sich bei der Rede dann tatsächlich gedacht? Wollten Sie für die Russlanddeutschen sprechen und ihnen ein Angebot mit der AfD machen?

Antwort nicht freigegeben.

Kommen wir zur Rede selbst. Sie haben Tonfall, Gestik und Wortwahl Hitlers sehr genau nachgestellt – vor allem das gerollte R, das ich jetzt bei Ihnen gar nicht höre. Zunächst führten Sie das auf Ihre russlanddeutsche Herkunft zurück. War es aber nicht schlicht ein Marketing-Gag, der bestens funktioniert hat – sonst würden wir jetzt nicht reden?

Das mit dem gerollten R habe ich in der Rede ja auch so erklärt, und das ist nicht falsch. Ich bin in Russland aufgewachsen, im Kindergarten dort wird einem sehr genau beigebracht, wie man das R rollt. Ich habe zahlreiche andere Russlanddeutsche in der Schule beim Russischunterricht in der gymnasialen Oberstufe kennengelernt, habe und hatte russlanddeutsche, russische und ukrainische Verwandte, Freunde und Bekannte. Eine Beobachtung konnte ich über die Jahre hinweg machen, wenn es um das rollende R ging: Russlanddeutsche, die bereits hier in Deutschland geboren waren, hatten hauptsächlich ein gewöhnliches, akzentfreies hochdeutsches R.

Wenn Russlanddeutsche im Ausland geboren waren, dann äußerte sich das rollende R umso stärker, je später man in seinem Leben nach Deutschland kam. Selbst bei mir hört man noch ein leichtes Rollen, etwa bei Wörtern wie „rote Rosen“. Wer aber zwischen den Zeilen heraushören will, ich hätte damals unwahr agiert: auf keinen Fall. Ich habe stark akzentuiert, ja – aber das gehört ja auch zur feinen Art der Redekunst, und die ist weder Hitler noch jemand anderem vorbehalten.

Ich unterstelle Ihnen keine Unwahrheit – nur, dass es Ihre Strategie war, mit der Sie gespielt haben und von der Sie letztlich leben. Und die Strategie ist aufgegangen.

Auf jeden Fall. Es war eine politische Bühne, auf der man drei Minuten Zeit für eine Vorstellungsrede hatte – ich war derjenige, der sie genutzt hat. Ich würde nie sagen, ich hätte etwas falsch gemacht, und ich würde es auch nie anders machen. Wie soll man sich sonst auf einer großen Bühne präsentieren, ohne zehn Jahre Parteipolitik im Rücken? Statt handeln zu wollen und zu können, soll man sich erst in innerparteilichen Kämpfen verstricken, wo das Weiterkommen davon abhängt, ob man dem richtigen Lager angehört? Ich glaube an Chancen. Ich habe meine gesehen – und ich habe sie genutzt.

Sie kamen mit knapp zehn Jahren aus Russland, ohne Deutschkurs, „ins kalte Wasser geworfen“, wie Sie sagen. Heute sagen Sie, manche Kulturen seien nicht mit der deutschen kompatibel. Wie passt das zu Ihrer eigenen Geschichte?

Antwort nicht freigegeben.

Wie ging die AfD nach der Rede mit Ihnen um – und wie sind Sie beim BSW gelandet?

Ich muss sagen, die Partei hat nach der Rede alles darangesetzt, mich wieder loszuwerden. Das gesamte Parteiausschlussverfahren habe ich in YouTube-Videos dokumentiert. Dass das BSW dieses Hin und Her mitbekommt, dass ganz Deutschland mich wegen dieser Rede kennt und man somit mein Gesicht für den eigenen Zweck nutzen kann – damit war ich einverstanden. Denn ich stehe hinter dem Ziel des BSW: Es ist die einzige Partei, die eine konsequente Friedenspolitik verfolgt und den drohenden Krieg verhindern will. Von allen Parteien, denen ich helfen würde, ist es definitiv das BSW.

Beim Gründungskongress der Generation Deutschland ist Alexander Eichwald erstmal öffentlich in Erscheinung getreten.

Beim Gründungskongress der Generation Deutschland ist Alexander Eichwald erstmal öffentlich in Erscheinung getreten.

© IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Angenommen, dieses Interview ist Ihre Chance, das Rätsel aufzulösen: Warum sollte man ausgerechnet Ihnen glauben, dass Sie es diesmal ehrlich meinen?

Wo hätte ich denn aufgehört, es ehrlich zu meinen? Ein rollendes R nimmt nicht die Ehrlichkeit aus meinen Worten heraus. Aber gut: Die Politik wird von Leuten bestimmt, die ständig Seriosität vortäuschen und dem Wähler etwas vorgaukeln. Kaum sind sie gewählt, bricht die Fassade zusammen, und nichts von dem, was versprochen wurde, wird gehalten. Die Leute werden sowieso über mich denken, was sie wollen – was aber nicht zwingend der Wahrheit entspricht. Ich musste mich vor Menschen rechtfertigen, die ernsthaft bezweifelt haben, dass ich überhaupt Alexander Eichwald heiße. Am Ende des Tages kann ich sagen: Ich halte mein Wort, bin ehrlicher als jeder Politiker, der sich auf die schnulzigste Weise als aufrichtig inszeniert – und bei dem nach der Wahl genau gar nichts passiert. Vielleicht braucht unser Land eben ungewöhnliche Politiker wie mich, die nicht nur Schlimmeres verhindern wollen, sondern das Ruder herumreißen.

Wo sehen Sie sich in zwei, drei Jahren? Wieder in der Politik – vielleicht beim BSW?

Ich sympathisiere sehr mit dem BSW. Aber meine Entscheidung hängt davon ab, wie das Bundesschiedsgericht entscheidet. Das wird die Zeit zeigen. Für mich steht eins fest: Ich werde dort sein, wo man mich und meine Unterstützung mehr braucht.

Zum Schluss: Was geben Sie den Kritikern mit, die glauben, Sie hätten mit der Hitler-Rede getäuscht oder der AfD schaden wollen?

Antwort nicht freigegeben.

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