KÖLN. Normalerweise läuft Josef Schnusenberg nach Partien von Schalke 04 ziemlich unbehelligt durch die Stadien der Bundesliga. Der Präsident von Schalke 04 ist Steuerberater und kein großer Fußballexperte, deshalb gehört er nicht zum Kreis der begehrten Gesprächspartner. Am Sonntagabend nach dem 0:2 der Schalker beim VfB Stuttgart war die Meinung Schnusenbergs aber wieder einmal sehr gefragt. Und das ist in der Regel ein sehr schlechtes Zeichen für alle Schalker.Schon vor der Partie hatte der Präsident in der Welt am Sonntag ziemlich eindeutig seine Unzufriedenheit artikuliert: "Die Mannschaft ist auf zwei Positionen verstärkt worden, da müssen dann auch irgendwann Ergebnisse kommen", sagte er. Schnusenberg meint damit Jefferson Farfan, der zehn Millionen Euro kostete und Orlando Engelaar (5,5 Millionen). Trotz dieser enormen Investitionen spielt die Mannschaft weder gut noch erfolgreich. Sie ist sogar erheblich schwächer als im Vorjahr unter dem entlassenen Trainer Mirko Slomka.Schon seit Wochen wachsen daher die Zweifel an der Kompetenz von Manager Andreas Müller und Trainer Fred Rutten. Zwar sagte Schnusenberg in Stuttgart, er könne sich "nicht vorstellen dass es Konsequenzen beim Trainer oder Manager gibt", Argumente zugunsten der beiden Hauptverantwortlichen für das Sportliche suchte er aber auch nicht. Ähnlich vage äußerte sich Klubchef Schnusenberg, als in der Vorsaison wochenlang über eine mögliche Entlassung Slomkas spekuliert wurde. Am Ende musste der Trainer gehen.Populäre Debatte um StevensNun behauptet das Fachblatt Kicker, "in Klubkreisen", werde der Plan diskutiert, Huub Stevens nach Gelsenkirchen zurück zu holen. Der Holländer, der auf Schalke Kultstatus besitzt, befindet sich in einem recht erfolglosen Engagement beim PSV Eindhoven. Zumindest populär wäre so eine Rückholaktion. Die Trainerdiskussion ist also in vollem Gange.Damit ist die Situation nun endgültig durcheinander geraten. Denn noch am vergangenen Mittwoch hatte das Publikum bei dem enttäuschenden 0:2 gegen Manchester City im Uefa-Cup vehement "Müller Raus!" gefordert. Der Trainer stand nicht im Fokus der Kritik. Andreas Müller hingegen werden grobe Konstruktionsfehler bei der Zusammensetzung des Kaders vorgeworfen. Neben den 15,5 Millionen Euro im Sommer 2008 hat der Manager in der Vorsaison mit Ivan Rakitic (3 Millionen Euro Ablöse), Carlos Grossmüller (3,5), Ze Roberto II (3) und Albert Streit (2,5) vier teure Spieler für das offensive Mittelfeld verpflichtet. Drei von ihnen spielen überhaupt keine Rolle, und Rakitic ist auch nicht stark genug für einen Stammplatz.Müllers mangelhaftes Netzwerk"Unsere Einkaufspolitik hat eine Trefferquote von etwa 50 Prozent, vergleichbar mit der bei mehreren anderen Bundesligisten", sagte Schnusenberg. Gut waren die Verpflichtungen von Heiko Westermann und Jermaine Jones, doch jenseits der Bundesliga tut sich Schalke schwer. "Vielleicht hätte Müller sich in dem einen oder anderen Fall genauer erkundigen sollen", erklärte Josef Schnusenberg, besonders die Neuzugänge aus Südamerika scheinen komplett falsch eingeschätzt worden zu sein.Am Wochenende hat Müller auch erstmals "eigene Fehler" eingeräumt. Seit langem wird gemunkelt, Müller fehle wegen seiner Biografie ein internationales Netzwerk. Der 45-Jährige verdient sein Geld seit 1988 auf Schalke, bis 2000 war er Spieler, danach Funktionär. Seine Trainer entdeckte er im unmittelbaren Umfeld Schalkes: Slomka war Assistenztrainer des gefeuerten Ralf Rangnick und Rutten arbeitete in dem nur eine Autostunde entfernten Enschede.Wie eine böse Fügung wirkt es nun, dass es ausgerechnet dort um die Zukunft des Schalker Duos Müller/Rutten gehen wird. Denn wenn die Gelsenkirchener am Mittwoch bei Twente nicht gewinnen, sind sie sehr wahrscheinlich aus dem Uefa-Cup ausgeschieden. Endgültige Entscheidungen werden die Funktionäre aber wohl erst zum Ende der Bundesligahinrunde treffen. "Wir bewahren jetzt die Ruhe, in der Winterpause werden wir uns zusammensetzen und dann weitersehen", sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies der Lokalzeitung NRZ. Sollten die Herren sich tatsächlich für einen Personalwechsel entscheiden, dann wahrscheinlich für eine Gesamtlösung mit neuem Manager und neuem Trainer. Müller jedenfalls ist kaum noch haltbar, wenn Rutten seinen Stuhl räumen muss. Zuletzt wurde eine solche Großoperation beim 1. FC Köln durchgeführt, das war im Dezember 2006. Am Ende stieg der Klub chancenlos ab.------------------------------Foto: (3)Manchmal ist selbst Laufen oder Springen schwierig: Die Herren Kuranyi, Jones und Farfan (v. o.) durchleben beim 0:2 in Stuttgart solche Momente.
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