Erste Details aus den Geständnissen der Sauerland-Zelle

Angeklagte wollten in den Irak

Andreas Förster
2 Min

BERLIN. Die Mitglieder der sogenannten Sauerland-Zelle hatten ursprünglich nicht vorgehabt, Anschläge in Deutschland zu verüben. Vielmehr hatten sie im Jahr 2005 geplant, sich El-Kaida-nahen Gruppen im Irak anzuschließen und dort am Dschihad gegen die US-Besatzer teilzunehmen. Das geht einem Spiegel-Bericht zufolge aus den Geständnissen der vier angeklagten mutmaßlichen Terroristen hervor, die sich seit April vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf verantworten müssen. Die Geständnisse sollen ab Anfang August in das Verfahren eingeführt werden.Von Syrien nach AfghanistanIm August 2005 waren drei der Angeklagten - der zum Islam konvertierte Deutsche Fritz Gelowicz, der Deutsch-Türke Attila Selek und der Türke Adem Yilmaz - ins syrische Damaskus gereist, wo sie sich in einer Sprachschule anmeldeten. Ihren Aussagen zufolge hatten sie vor, von dort aus den Kontakt zu Gruppen im Irak zu suchen oder sich alternativ dem Kampf der Mudschaheddin in Tschetschenien anzuschließen. In Damaskus machten sie die Bekanntschaft von Gofir Salimow. Der Usbeke stellte ihnen eine Vermittlung an Dschihad-Gruppen in Aussicht, so die Angeklagten. Tatsächlich seien sie aber im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gelandet, in einem Ausbildungslager der Islamistischen Dschihad-Union (IJU). Die usbekische Terrororganisation sei ihnen dort aber zunächst nur als Ahmad-Gruppe bekannt gewesen. Wie die Angeklagten weiter aussagten, hätten sie in dem Lager einen Treueeid auf den Anführer der Gruppe geschworen.Unklar ist noch, was die Angeklagten zu ihren Terrorplänen in Deutschland ausgesagt haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem die Frage, ob es dazu einen konkreten Auftrag und detaillierte Anweisungen der IJU-Führung gegeben hat. Das könnte von Brisanz für die strafrechtliche Würdigung durch das Gericht sein, weil es eine Reihe von Hinweisen auf eine Unterwanderung der IJU durch westliche Geheimdienste gibt. Dem Magazin Focus zufolge haben die Angeklagten den Sicherheitsbehörden auch wichtige Informationen über ausländische Terrorstrukturen gegeben. So hätten die Angeklagten in einer 85 Seiten langen Lichtbildmappe mehrere Terrorverdächtige aus dem In- und Ausland namentlich identifiziert.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner