Erster Tag nach der offiziellen Eröffnung lockte viele tausend Interessierte an / Geschichte zum Anfassen

Riesenandrang im neuen Alliierten-Museum

BLZ
4 Min

Am ersten Tag nach der feierlichen Eröffnung der Ausstellung ,Mehr als ein Koffer bleibt" drängten skh gestern Tausende Berliner im künftigen Alliierten-Museum, dem früheren amerikanischen Kino Outpost. an der Ciayailee 135 In Zehiendorf."Das Museum ist informativ gemacht, es gibt viel zu sehen", lobt der 43jährige Gerhard Mößinger aus Reinickendorf. Er begutachtet mit seinem sechslährigen Sohn Jan das Modell des Quartiers Napoleon, wo sich das Hauptquartier der ftanzösischen Schutzmacht befand. Das "einzig Negative" im Museum sei, daß die Besucher nicht In den auf dem Freigelände ausgestellten Hubschrauber und die Baracke vom Checkpoint Charlie hinein dürfen. "Da hätte ich gerne einen Blick reingeworfen -- das ging ja früher nicht", sagt der Relnickendorfer. Neben dem Helikopter und der Baracke stehen auf dem 2 000 Quadratmeter großen Frelgelände am Alliierten-Museum ein Jeep, mehrere Panzer der Alliierten und ein Eisenbahnwaggon der Franzosen.Uniformen hinter GlasVor den Panzern erklären Väter ihren Sprößlingen, wie die stählernen Kolosse funktionieren. " Papa, da sind ja drei Kanonen dran", ruft ein Knirps. "Nein, das ist der Kanonenschutz. Der wird abgenommen, wenn der Panzer schießt", erwidert der Vater.Für viele wurde der gestrige erste Besuchstag zu einer interessanten Geschlchtsstunde über die westlichen Alliierten. Warum die Panzer in der Stadt waren und wie sie die Freiheit West-Berlins verteidigten, erzählt der 38 jährlge Olaf Reiner aus Zehlendorf seinem elfjährigen Sohn Julian. Der Junge hat im Museum ein Foto von der Panzer-Konfrontation am Checkpoint Charile im Oktober 1961 gesehen und gleich gefragt, was dort passiert war. "Ich habe ihm erklärt, daß Berlin eine Viersektorenstadt war und die Amerikaner freien Zugang haben wollten", sagt der " Daß durch Beuiln Panzer gerollt sind, sei füu den Juiigen heute "nicht mehr vorstellbar".Im Museum erinnern Ausstellungsstücke, wie bereits berichtet, an die militärische und politische Geschichte der Besatzungszeit. Besonderer Blickfang waren gestern die unter der Decke des alten Kinosaals hängenden Flugzeuge: eine französische Cessna und eine britische Chipmunk, die zu täglichen Aufklärungsflügen starteten, als es noch keine Satelliten gab. Viel bestaunt auch die hinter Glas liegenden Uniformen der Schutzmächte. Zu sehen sind aber auch Gewehre, militärische Rangabzeichen und Landkarten."Wir hatten wenig Beziehung zu den West-Alliierten", bericlflet der 36jährige Ingo Süßmuth aus Hellersdorf, der mit seiner Frau Martina das Museum besucht. "Wir haben sie nicht als Bedrohung empfunden. Es war schon ganz gut, daß sie da waren. Wer weiß, wie es sonst gekommen wäre."Hoffnung auf Wiederkehr Mit einer Festveranstaltung war am Sonnabend die Ausstellung eröffnet worden. Es ist die ersi~Schau des im Aufbau befindlichen Alilier~ten-Museums. Anliegen der Aussteilung und des künftigen Museums ist es, das Verhältnis zwischen Berlin und den drei westlichen Alliierten während der letzten rund 50 Jahre zu dokumentieren.Die Erfahrungen der Geschichte an die heranwachsende Generation weiterzugeben sei eine der Hauptaufgaben der Ausstellung und des Museums, sagte Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in seiner Eröffnungsansprache.In Grußworten würdigten auch die drei Botschafter Sir Nigei Broomfield (Großbritannien), Richard C. Holbrooke (USA) und Francois Scher (Frankreich) die entstandenen Beziehungen zwischen Berlin und den Westmächten. Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen sprach die Hoffnung aus, daß viele der jetzt abziehenden alliierten Soldaten als "Tourlsten, Künstler, Wissenschaftler oder Unternehmer" wieder nach Berlin zurückkehren mögen.Die russische Seite der Nachkriegsgeschichte wird im ehemaligen Kapitulationsmuseum in Karlshorst dokumentiert, das zum 50. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mal 1995 wieder eröffnet werden soll. Ulrich Paui Die Schau in der Clayallee istbis zum 16. Oktober täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr, geöffnet. Der Eintritt ist frei.Der Helikopter "Spirit of Steinstücken", der einst von Berlin aus die Exkiave Steinstücken anfiog, ist eine der Attraktionen im neuen Alliierten-Museum in Zehlendorf. Zur Enttäuschung vieler Besucher ist der Hubschrauber nicht von innen zu besichtigen. Aber auch die Ausstellung, in der unter anderem Waffen zu sehen sind, zog gestern die großen wie die kleinen Besucher an. Fotos: Fieguth

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