Erstes Treffen von Papst Benedikt XVI. und US-Präsident Obama

Entspannt im Vatikan

Kordula Doerfler
3 Min

ROM. Für Barack Obama machte selbst der Papst eine Ausnahme. Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen gewährte Benedikt XVI. am Freitag Nachmittag dem US-Präsidenten seine erste Audienz - ganz gegen seine Gewohnheit, den letzten Besucher spätestens mittags um eins zu verabschieden. Doch um diese Zeit war Obama noch im 120 Kilometer entfernten L'Aquila, ehe er dann mit dem Hubschrauber in die Hauptstadt flog. Dort, bei seinem ersten Teilnahme an einem G8-Gipfel, hatte der neue amerikanische Präsident alle anderen Teilnehmer vollkommen in den Schatten gestellt und eine Wende in der Klimapolitik eingeleitet.Streitpunkt GenforschungDie Strapazen der letzten beiden Tage standen Obama ins Gesicht geschrieben, als er gegen 16 Uhr im Vatikan eintraf. Das Oberhaupt der Katholiken bedachte er zur Begrüßung dennoch mit seinem gewohnt einnehmenden Lächeln. "Es ist mir eine große Ehre, thank you so much", sagte Obama, ehe sich die beiden Männer zu einer ungewöhnlich langen Unterredung in die Privatbibliothek des Papstes zurückzogen. Nach etwa 40 Minuten wurde auch Michelle Obama, ganz in Schwarz gekleidet und mit einem kleinen Schleier, dazu gebeten.Wie es aus dem Vatikan hinterher hieß, unterrichtete der Präsident Benedikt über die Beschlüsse des G8-Gipfels, und man erörterte auch die Lage im Nahen Osten. Dass das Gespräch sehr gut verlaufen war, zeigte die Atmosphäre beim anschließenden Fototermin. Trotz Meinungsverschiedenheiten in gesellschaftspolitischen Fragen ging es herzlich und entspannt zu.Für Aufsehen hatte in Italien im Vorfeld gesorgt, dass der US-Präsident der kirchlichen Zeitschrift L'avvenire ein Interview gab, in dem er zwar die "außerordentlichen Führungsqualitäten" des Papstes lobte, aber auch einräumte, "dass es Punkte gibt, in denen wir unüberwindbare Differenzen haben". Gemeint waren vor allem das Recht auf Abtreibung und die embryonale Stammzellenforschung. Benedikt lehnt beides strikt ab. Obamas Verhältnis zu den Bischöfen im eigenen Land ist schwer belastet.Die katholische Kirche ist in den USA mit rund 70 Millionen Mitgliedern noch immer die größte Glaubensgruppe, und viele Katholiken haben Obama gewählt. Im Mai aber protestierten 90 der über 300 Bischöfe im Bundesstaat Indiana gegen die Verleihung der Ehrendoktorwürde der katholischen Notre-Dame-Universität an den Präsidenten. Der praktizierende Christ Obama bemühte sich auch dort um einen Dialog und versicherte, er wolle die Zahl der Abtreibungen reduzieren. Das soll er auch dem Papst gestern versprochen haben.Hat der Papst mit George W. Bush beim Lebensschutz einen Verbündeten verloren, steht er Obama bei anderen Themen politisch jedoch viel näher als dem strikten Unilateralisten. Ähnlich wie der Vatikan befürwortet auch Obama eine Zweistaatenlösung im Nahen Osten, und auch bei Fragen der Armutsbekämpfung, dem Umgang mit Immigration oder neuen Regeln für die Finanzmärkte gibt es kaum Differenzen. Weite Teile der Sozialenzyklika des Papstes würde Obama sicher unterschreiben. Und so war es kein Zufall, dass Benedikt dem Besuch aus Washington zum Abschluss ein signiertes Exemplar schenkte. Am Abend flogen die Obamas weiter ins westafrikanische Ghana.------------------------------Foto : Michelle Obama und Gatte verabschieden sich gut gelaunt von Papst Benedikt.

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